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Computer und Internet

Außenseiter in der Informationsgesellschaft

Publicerat måndag 25 oktober 2010 kl 10.43
Für viele insbesondere ältere Menschen sind Computer und Internet eine unbekannte Welt.

Schweden gilt als Pionier in Sachen Computer und Internet. Erst vor wenigen Tagen berichteten wir, dass schwedische Kinder heute bereits mit drei oder vier Jahren regelmäßig zur Computermaus greifen. Jeder Schwede hat ein gesetzlich verbrieftes Recht auf einen Breitbandanschluss und die Zahl der Internetabonnements erreicht weltweite Rekorde. Doch die Medaille hat eine Rückseite. Jeder fünfte Schwede verfügt weder über einen Computer noch über Internet – was in der durchcomputerisierten Gesellschaft zunehmend Probleme bereitet.

„Für meine Generation ist es wichtig, die gesellschaftliche Entwicklung mitmachen zu können. Man verpasst viel Information, und viele Dienstleistungen kann man nicht in Anspruch nehmen, wenn man keinen Computer hat“, beklagt Ingegerd Öhrn. Mit großer Freude entdeckte die 78-jährige Rentnerin kürzlich in ihrer lokalen Stadtbücherei in Finspång in der Provinz Östergötland einen Aushang für einen Computerkurs für komplette Anfänger.

Computerkurs in der Stadtbücherei

In Umfragen hatte die Provinzverwaltung zum allgemeinen Erstaunen der Beamten festgestellt, dass fast die Hälfte der Einwohner gar keine oder nur kaum Erfahrungen mit dem Internet hatte. Aus diesem Grund rief man unter dem Motto „Eine neue Welt in wenigen Mausklicks Entfernung“ in den lokalen Büchereien Computer- und Internetkurse ins Leben. Der Anklang war enorm, die Gruppen umgehend gefüllt. Die wichtigste Herausforderung für die Teilnehmer sei, ihre Unsicherheit zu überwinden, sagt Nina Wester, Bibliotheksassistentin und Kursleiterin in Finspång: „Die Menschen haben Angst, etwas kaputt zu machen, oder, dass sie sofort zahlungspflichtig werden, wenn sie aus Versehen einen falschen Knopf drücken. Das wichtigste ist, den Leuten die Unsicherheit zu nehmen, sie zum Ausprobieren zu bringen und klar zu machen, dass der Computer nicht kaputt geht, wenn man mal einen falschen Knopf drückt.“ Ingegerd Öhrn ist sehr zufrieden mit dem Kurs. „Die machen das ruhig und langsam und versichern sich auch, dass man wirklich verstanden hat. Oft ist es ja so, dass Leute, die sich mit Computern auskennen, so schnell vorangehen, dass wir Anfänger gar keine Chance haben zu verstehen.“

Vergessene Gruppe

Die ehemalige Lehrerin hat sich jetzt selbst einen Computer gekauft. Und zwar beim örtlichen Fachhändler, der ihr versprochen hat, nach Hause zu kommen, falls sie in Schwierigkeiten gerät. Andere Kursteilnehmer hätten Billigangebote im Medienmarkt der nahegelegenen Großstadt wahrgenommen, und nun säßen sie da ohne Hilfe bei Schwierigkeiten.

Neben Rentnern, die die größte Gruppe ausmachen, gehören Zuwanderer, Arme und Menschen mit schlechter Schulbildung zu den 1,7 Millionen Schweden, die nie oder selten einen Computer verwenden. Irgendwie habe man diese Gruppe in der Rasanz der Entwicklung vergessen, meint Staffan Hagnell, Forschungschef der Stiftung punkt.se, die sich unter anderem die „Steigerung der digitalen Teilhabe“ auf die Fahnen geschrieben hat. „Die Entwicklung ist unglaublich schnell gegangen, wir haben dabei die ganze Zeit auf diejenigen geschaut, die früh angefangen haben, die neuen Techniken anzuwenden und uns davon blenden lassen. Die Spätentwickler auf dem Gebiet haben wir vergessen.“

Immer handfestere Probleme

In den ersten Jahren der Computer- und Internetanwendung sei das kein großes Problem gewesen. Nachdem sich die neuen Informationstechnologien jedoch im Alltag festgesetzt haben, werde der Außenseiterstatuts so vieler Menschen zum akuten Problem, so Staffan Hagnell: „Wenn die Alternativen verschwinden, treten Probleme auf - wenn Internetlösungen die einzigen Lösungen sind, die angeboten werden. Neulich erzählte mir jemand, er habe einen Strafzettel bekommen, und die einzige Möglichkeit, Einspruch einzulegen, sei per Internet gewesen. Oder viele Banken, die von Kunden Strafgebühren verlangen, wenn diese weiterhin ihre Geschäfte persönlich in einer Filiale erledigen möchten. Hier handelt es sich nicht um einzelne Probleme. Das Problem ist die umfassende Verbreitung, die ganze Gesellschaft funktioniert heute per Internet.“ Obwohl die Schwierigkeiten relativ viele Menschen betreffen und teils schwerwiegende Folgen haben, fühle sich niemand verantwortlich. In der Politik sei das Thema nicht vorhanden, dort würden Fragen der flächendeckenden Breitbandinstallation und mobile technische Lösungen diskutiert, sagt Staffan Hagnell, der eine erneute Volksbildungsbewegung für nötig hält: „Ich denke, die Politiker müssen das Problem annehmen und beginnen, darüber nachzudenken. Ich sehe hier eine Frage der Volksbildung. Als Schweden industrialisiert wurde, war Volksbildung ein enorm wichtiger Erfolgsfaktor. Jetzt ist wieder solch eine Maßnahme nötig.“

IT-Ministerin verspricht Abhilfe

Die Tatsache, dass die neu gebildete bürgerliche Regierung immerhin ein eigenes IT-Ressort mit zuständiger Ministerin im Wirtschaftsministerium geschaffen hat, lässt hoffen, dass die Politik langsam erwacht. Anna-Karin Hatt, vor nur zwei Wochen zur Ministerin ernannt, verspricht, sich der Aufgabe annehmen: „Die wichtigste erste Aufgabe für mich wird sein, eine digitale Tagesordnung für Schweden zu formulieren. Darin werden wir Ziele setzen, wie wir den Zugang für alle verbessern können, wie wir es organisieren können, dass alle mit Hilfe des Internet an der gesellschaftlichen Entwicklung teilhaben können in all den Bereichen, in denen die Informationstechnologien zu einer besseren Lebensqualität beitragen können – wie beispielsweise die Gesundheitsversorgung, das Bildungswesen.“ 

                                                          P1-morgon/ Luise Steinberger

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