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Larsson-Witwe

Eva Gabrielsson über ihr Leben mit Stieg

Publicerat torsdag 20 januari 2011 kl 14.54
„Ich will zeigen, dass Stieg sich nicht alles als einsames Genie ausgedacht hat."
(8:08 min)
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Ihr Buch über den wahren Stieg, das Gerangel um die Rechte am Werk und ihr Leben mit und ohne ihn: "Millennium, Stieg und ich" aus der Feder von Larssons langjähriger Lebensgefährtin Eva Gabrielsson (Foto: Fredrik Persson/Scanpix)
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Zwei Seelenverwandte (Foto: Scanpix)

Seine Bücher wurden ein sensationeller Erfolg weltweit, ein Erfolg, den er selber nicht mehr erlebte: Der Autor der Millennium-Krimi-Trilogie, Stieg Larsson, starb unerwartet an einem Herzinfarkt, als sich der Ruhm am Horizont höchstens erahnen ließ. Seine Lebensgefährtin und enge Mitarbeiterin Eva Gabrielsson gehört nunmehr zu den bekanntesten Witwen weltweit. Weil sie und Larsson nie heirateten, fiel das Erbe Vater und Bruder zu. Nun erzählt Gabrielsson ihre Sicht auf die Erbstreitigkeiten, ihr Leben mit Larsson und ihr Leben ohne ihn. Ihr Buch mit dem Titel „Millennium, Stieg und ich“ ist gleichzeitig in Frankreich, Norwegen und Schweden erschienen.

Sie nennt es ein Buch, das sie nie hat schreiben wollen - und das sie dennoch hat schreiben müssen. „Millennium, Stieg und ich“ ist Eva Gabrielssons Reaktion auf die Millennium-Industrie, die im Takt mit dem täglich wachsenden Erfolg der Trilogie stetig anschwillt. Von dieser millionenschweren Industrie wendet sich Gabrielsson fast angewidert ab, und dies nicht nur, weil sie nicht daran mitverdient. Sie beschreibt in ihrem Buch den echten Stieg, den, mit dem sie ihr Leben 32 Jahre lang geteilt hat und der, das leuchtet jedem ein, ein anderer war als das Produkt Millennium-Stieg. 

„Ich habe mich eigentlich nie bewusst entschieden, dieses Buch zu schreiben“, erzählt Eva Gabrielsson im Schwedischen Rundfunk. „Ich habe versucht, für mich herauszufinden, was eigentlich passiert ist. Das war etwa drei Jahre nach Stiegs Tod, also 2007. Dieses Buch wuchs dann im Lauf der Zeit. Es ist vergleichbar mit Stiegs Millennium: Man schreibt in erster Linie für sich selbst.“ 

Es kostet auch immer etwas, wenn es am Ende ausgewogen sein soll. Mein Fazit ist, dass ich nichts bereue.

Das schmale Buch besteht aus drei Themenkomplexen: Die gemeinsame, intensive Zeit geprägt von politischem Aktivismus, harter Arbeit und dem Schreiben, dann die insbesondere für Millennium-Fans interessanten Hintergrundinformationen zur Trilogie und ihren Figuren und Milieus sowie schließlich Gabrielssons sehr persönliche Tagebuchaufzeichnungen über die Zeit nach Larssons plötzlichem Tod und natürlich den Erbzwist, der in der ganzen Welt für Schlagzeilen gesorgt hat. 

32 Jahre Seelenverwandtschaft 

Eva Gabrielsson und Stieg Larsson lernten sich 1972 in Umeå kennen, beide waren noch Teenager, er 18 Jahre alt, sie 19. Linkspolitisch aktiv waren sie beide von Anfang an, wohl gerade deshalb funktionierte ihre Beziehung so gut, meint Gabrielsson. 

„Wir konnten unser normales Leben mit dem politischen unter einen Hut bringen, eben weil wir beide politisch interessiert waren. Hätte nur einer von uns dieses Engagement für wichtig erachtet und viel Zeit investiert, wäre die Beziehung sicher havariert. Es funktioniert nicht, wenn einer immer unterwegs ist und der andere seinen Partner kaum zu Gesicht bekommt. Selbst wenn man vielleicht selber nicht so aktiv ist, ist doch das Interesse entscheidend.“  

Das beiderseitige Interesse an denselben Themen und aneinander machte die Stärke ihrer Beziehung aus, unterstreicht Gabrielsson auch in ihrem Buch. Fast von Anfang an fühlten beide eine Seelenverwandtschaft. Ihre gemeinsamen Überzeugungen über das Unrecht in der Welt, die patriarchale Unterdrückung auch in Schweden, Larssons Kampf im Rahmen seiner Zeitung „Expo“ gegen die erstarkende Rechtsradikalenszene in den 90er Jahren schweißte die beiden zusammen. Zur Heirat kam es nie und die beiden bekamen auch keine Kinder – immer kam die Politik dazwischen oder es war zu riskant, in öffentlichen Registern aufzutauchen, schließlich wurde Larsson ständig durch Neonazis bedroht. 

„Ja, ich habe viel geopfert. Zeit und Energie. Aber ich habe nicht nur viel geopfert, sondern auch viel zurückbekommen. Es gibt keine Gleichung im Leben, bei der man immer nur etwas bekommt. Es kostet auch immer etwas, wenn es am Ende ausgewogen sein soll. Mein Fazit ist, dass ich nichts bereue.“ 

Figuren zu Ehren der guten Freunde 

Larsson war ein außerordentlich guter Zuhörer – was sich nicht zuletzt bei seiner Arbeit an der Trilogie bemerkbar machte, die Gabrielsson wie eine Co-Autorin begleitete.

„Stieg schrieb“, betont die jahrzehntelange Lebensgefährtin. „Es wurde ja reichlich darüber spekuliert, ob er die Bücher geschrieben hat und ob er überhaupt schreiben konnte. Darüber gibt es sogar ein Buch. Mit dem Schreiben an sich hatte ich nichts zu tun. In einem Roman gibt es keinen Platz für zwei Stimmen, sondern nur für eine Art des Ausdrucks. Ich habe das Skript von Anfang an mitgelesen – oder wenn das nicht ging, diskutierte Stieg die Passagen mit mir.“ 

In ihrem Buch betont Gabrielsson, wie sehr sich Stieg Larsson und Journalist Mikael Blomkvist in „Millennium“ ähneln, weniger vom Typ her als von ihrer Geisteshaltung und moralischen Überzeugung. Dass Hackerin Lisbeth Salander Pippi Langstrumpf nachempfunden ist, wissen die meisten. Neu ist hingegen, wie viele andere Figuren nach geschätzten Freunden benannt sind. Dies sei Larssons Art gewesen, seine Freunde, Helden des Alltags, zu ehren. Cafés, Wohnungen, Häuser in „Millennium“ sind alle Larssons und Gabrielssons Leben – sogar aus frühester Kindheit - entnommen. 

„Ich will zeigen, dass Stieg sich nicht als einsames Genie in seinem Kämmerlein alles ausgedacht, sondern unser gemeinsames Leben in die Bücher hineingegossen hat. Darin finden sich auch ganz spezifische Kenntnisse von Dingen, mit denen ich mich beschäftigt habe. Die Bücher sind eine gemeinsame Gedankenwelt. Dass er es dann war, der alles niedergeschrieben hat, war eher ein Zufall.“ 

Leben nach dem Tod 

Stiegs Tod kam unerwartet. Eva Gabrielsson stand monatelang unter Schock. Ihre intimen Tagebuchaufzeichnungen legen davon Zeugnis ab. In dieser Phase will der Verlag Norstedts wissen, was aus dem geplanten Erscheinungstermin des ersten Bandes wird. Noch denken die Verantwortlichen, dass Gabrielsson die richtige Ansprechpartnerin ist. 

„Stieg wollte, dass die Bücher erscheinen, also bestätigte ich das Datum. Ich erfuhr jedoch nicht, wann der Termin eigentlich war und marschierte dann nichtsahnend in einen dieser riesigen Buchläden mit Stiegs gestapelten Büchern und seinem Bild überall und bin völlig erschrocken rückwärts wieder raus. Da war ich offenbar nicht mehr so interessant als Kontaktperson.“ 

Die Tatsache, dass Stieg kein Testament geschrieben hatte, und die Folgen, waren der nächste Schock. Der Kontakt zu Vater und Bruder waren zeitlebens spärlich gewesen und wenig persönlich. Nun hält die Verwandtschaft die Rechte an Larssons Werk, das durch die bisher weltweit verkauften 47 Millionen Bücher, die Filme und Hörbücher sowie den Schnickschnack drum herum ein Vermögen zwischen 40 und 50 Millionen Euro erwirtschaftet hat. Lebensgefährtin Gabrielsson boten die Larssons gerade einmal zwei Millionen Euro sowie einen Platz im Vorstand des Unternehmens – einen Platz, der nicht für ewig ihrer bleiben müsste, mutmaßt Gabrielsson, und lehnte dieses Angebot als unmoralisch ab. 

„Das Gesetz muss ja nicht zwingend befolgt werden. Sie hätten immer die Möglichkeit, einen anderen Vertrag zu schreiben. Sie hätten mir sogar die Urheberrechte übertragen können und dann hätten wir anschließend das Finanzielle geklärt. Ich habe immer nur um das Recht, Stiegs Werk zu verwalten, gebeten, aber selbst das wollten sie nicht. Der Verlag und die Larssons hätten diesen Konflikt von vornherein auf die saubere Art lösen können. Stattdessen haben sie auf dem Gesetz beharrt und gesagt, sie machen, was sie wollen.“ 

Rache kalt genießen 

Seit vergangenem Juni herrscht Funkstille zwischen den Parteien. Eine Einigung scheint nicht in Sicht. Und so bleibt das vierte, begonnene Skript mit dem vorläufigen Titel „Die Rache Gottes“ unter Verschluss und kann also auch nicht vollendet werden. Wo der Rechner mit dem Skript abgeblieben ist, das will der berechtigt vorsichtigen Gabrielsson einfach nicht einfallen. Dies könne sich allerdings ändern, wenn ihre Forderungen nach den Verwaltungsrechten erst einmal erfüllt seien, lässt sie in jedem Interview auf nordisch-kühle Art mit feinsinnigem Humor gewürzt durchblicken. 

Was wäre gewesen, wenn Stieg Larsson seinen Erfolg noch miterlebt hätte? Geifernd auf die Millionen gestürzt hätten sie sich wohl nicht, auch daran lässt Gabrielsson keinen Zweifel. 

„Darüber kann man nur spekulieren, aber wir hätten wohl das gemacht, was wir uns vorgenommen hatten: Schulden abbezahlt und unsere Schreibstube gebaut, nur noch Teilzeit gearbeitet und uns dem gewidmet, was wir wirklich wollten, nämlich dem Schreiben.“ 

Schreiben zum Überwinden der Trauer über den plötzlichen Verlust ihres Lebensgefährten: „Millennium, Stieg und ich“ musste Eva Gabrielsson alleine schreiben.

Liv Heidbüchel

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