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Bildungswesen

Schulpflicht untergraben – kein Unterricht für kranke Schüler

Publicerat onsdag 16 februari 2011 kl 09.23
"Tragisch, wenn Kinder nicht zur Schule gehen"
(3:54 min)
Anton Widing ist eins von hunderten schulpflichtigen Kindern, die nicht zur Schule gehen

Aktualisiert 13.15 Uhr

Immer mehr Eltern beschweren sich bei der Schulaufsicht darüber, dass ihre Kinder keinen angemessenen Schulgang ermöglicht bekommen. Nach Behördenangaben wandten sich im vergangenen Jahr 68 Prozent mehr Eltern an die Aufsicht als im Jahr zuvor. Als Grund vermutet die Behörde zweierlei: So seien zum einen die Eltern besser über ihre Rechte informiert, zum anderen gingen die Gemeinden nicht tatkräftig genug mit dem Problem um.

Die Eltern, die sich bei der Schulaufsicht über mangelndes Engagement der Gemeinden beschweren, haben in vielen Fällen verhaltensauffällige Kinder. Eine typische Krankheitsdiagnose etwa ist ADS, das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, an dem auch der 16-jährige Anton Widing leidet. Die Schule wurde mit seinen Konzentrationsschwierigkeiten nicht fertig, Alternativen zum traditionellen Unterricht konnte sie nicht anbieten. Ergebnis: Seit März vergangenen Jahres geht Anton nicht mehr zur Schule. Der Antrag der Eltern auf Versetzung in eine Schule, die Erfahrung mit ADS hat, wurde abgelehnt.

„Offenbar kann man das nicht lösen“, sagt Anton Widing. „Ich glaube, ich bin das einzige Kind in Schweden, das zur Schule gehen will, aber nicht darf.“ 

Für alle 7- bis 16-Jährigen besteht in Schweden Schulpflicht. Auf den Beschluss der kommunalen Schulverwaltung, dass Anton keine Sonderschule benötige, reagiert seine Mutter Julia Widing mit Unverständnis. „Alle waren sich darin einig, dass der normale Unterricht für Anton nicht funktioniert, auch nicht mit Unterstützung von Zusatzkräften im Klassenzimmer. Mein Sohn muss in eine Sonderschule gehen, weshalb wir ja auch den Antrag stellten. Als sich herausstellte, dass die Gemeinde kein Geld für gesonderte Behandlung hat, war die Diskussion über die Schulpflicht plötzlich nicht mehr aktuell.“ 

Behörde: Schulpflicht geht vor

Die Schulaufsicht gibt sich streng und fordert unmittelbare Besserung von den Gemeinden. 150 Kinder gehen gar nicht zur Schule, 600 fehlen immerhin ein Schulhalbjahr. Und dies sind nur Kinder, deren Fall in irgendeiner Form diskutiert wurde, was bedeutet, dass die Dunkelziffer der Nicht-Schulgänger um einiges höher liegen dürfte. 

Unklar ist auch, wie viele Kinder und Jugendliche sich generell in einer Grauzone bewegen. Darüber, wie viel Hilfe sie aufgrund von eher diffusen Schwierigkeiten mit Konzentration und Kommunikation genau benötigen, existiert keine Statistik. 

Bei etlichen Anzeigen von Eltern dreht es sich aber genau um mangelnde Unterstützung von Seiten der Schulen ganz generell. Viele Eltern sehen darin einen Verstoß gegen das Schulgesetz – Kritik, die durchaus ernst genommen werden muss, betont Marie-Hélène Ahnborg von der Schulaufsicht. 

„Es ist tragisch, wenn Kinder zu Hause sitzen und aus verschiedenen Gründen nicht zur Schule kommen können, wollen oder es einfach nicht schaffen. Für jedes einzelne Kind ist das eine Katastrophe. Auch wenn es nicht immer einfach ist, dürfen Gemeinde und Schule nicht frühzeitig aufgeben. Man muss immer wieder neue Wege gehen, um herauszufinden, warum ein Kind nicht zur Schule gehen will. Gemeinden und Schulen müssen dieses Problem ernst nehmen und entsprechend ernsthaft nach Lösungen suchen.“ 

Immer mehr Fälle von ADS

Erschwerend hinzu kommt, dass die Zahl der Krankheitsdiagnosen jährlich steigt. Laut Patientenregister stellen Mediziner immer häufiger ADS, Asperger und Autismus bei Patienten aller Altersstufen fest. Am markantesten steigt die Zahl demnach bei den 10- bis 16-Jährigen: Allein zwischen den Jahren 2005 und 2009 kletterte die Zahl der Diagnosen in dieser Altersgruppe von rund 1.500 auf 3.500. 

Die Generaldirektorin der Schulaufsicht, Ann-Marie Begler, betonte gegenüber der Nachrichtenagentur TT, dass es wichtig für die betroffenen Kinder sei, engagierte und aktive Eltern hinter sich zu wissen. Dass die Zahl der Anzeigen gestiegen ist, deutet Begler nicht grundsätzlich negativ. Es sei auch ein Zeichen dafür, dass die Webseite der Behörde eine Anzeige leicht mache und dass viele Eltern auf Hilfe in ihrer schwierigen Situation hoffen.

Liv Heidbüchel

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