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WISSENSCHAFT

Eiskalte Forschung

Publicerat fredag 4 mars 2011 kl 09.26
Eiskalte Forschung
(5:32 min)
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Tony Gustafsson (rechts) erklärt den Bau des Quinzees (Foto: Katja Güth)
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Spannender Stoff: Eis-Scheiben (Foto: Katja Güth)

Schnee und Eis sind nicht nur Voraussetzungen für Wintersport, sondern auch für die Forschung interessant. An der Universität Luleå gibt es den Kurs „Schnee und Eis“ für Austauschstudenten, und der ist außerordentlich beliebt. Für die Studenten gilt es, Erfahrungen zu sammeln, die sie nur in nördlichen Breiten machen können; die Ergebnisse der Forschung kommen wiederum der regionalen Wirtschaft zugute. In Zusammenarbeit mit der schwedischen Armee haben die Studenten aus aller Welt getestet, wie man in Schnee und Eis zurechtkommt.

Im Wald unweit von Arvidsjaur haben sich 65 Studenten und drei Betreuer versammelt. Hinter ihnen erhebt sich der örtliche Skihang Vittjåkk, doch zum Vergnügen ist niemand hier. Das wird recht deutlich, wenn man den Ausführungen von Tony Gustafsson lauscht. Der Major gibt in schneidigem Ton Anweisungen, wie die Studenten weitermachen sollen mit den Schneehütten.

Am Vortag haben sie 14 Schneehaufen aufgeschüttet, die sich nun um den zugefrorenen See Stenträsket verteilen. Und um einen Schneehaufen haben sich die in die weißen Schneeanzüge der Armee gekleideten Studenten versammelt; wo sie den Erläuterungen des Chef der so genannten Winter-Kompanie lauschen. Tony Gustafsson steckt einen dreißig Zentimeter langen Birkenzweig in den Haufen, die Messlatte für die Dicke der Schneewand: „Wenn ihr von innen grabt und an den Zweig kommt, dann wisst ihr, dass ihr jetzt an der Stelle aufhören müsst, weil die Wand etwa 20 Zentimeter dick ist.“

Das klingt sehr einfach und einleuchtend, der Major erklärt weiter, wie sich die Studenten in dem Schneehaufen vorangraben sollen, damit Liegeplätze entstehen und dass es da drinnen um die null Grad wird. Kuschelig warm verglichen mit der Außentemperatur von derzeit minus zwanzig Grad.

Die Studenten ziehen los, um sich Birkenzweige von den Bäumen zu brechen. Sie sollen nach Abschluss dieses Armee-Kurses mit den Grundkenntnissen des Überlebens in Schnee und Eis ausgerüstet sein, erklärt Tony Gustafsson: „In jedem Winter wird über die Probleme des Verkehrs debattiert, wenn die Züge nicht mehr fahren und die Ausfälle viel Geld kosten. Ich halte selbst auch Vorträge über die Verbesserung des Schienenverkehrs und plädiere stets dafür, zuerst auf den Menschen zu setzen. Ein Mensch muss in dem kalten Milieu arbeiten und Beschlüsse fassen. Da hapert es meist - das Personal ist falsch ausgerüstet und mangelhaft ausgebildet.“

Schneeforschung am kalten Objekt

An einem Schneehaufen macht sich eine deutsch-österreichisch-schwedische Truppe zu schaffen. Was da gerade entsteht, ist kein Iglu, sondern ein Quinzee. Ein Iglu wird aus Schneeblöcken quasi gemauert, das Quinzee ist ein Schneeunterschlupf, der in einen Schneehaufen hineingegraben wird. Und das macht Lukas Kriechbaum, der ein Viertel schon geschafft hat: „Eine Person kann hier schlafen, drei brauchen wir noch. Die Höhe passt schon, wir haben eine gute Wärmekammer zum Schlafen hier oben, weil die Kälte nicht hochkommt. Die kalte Luft ist schwerer und bleibt unten, und die warme Luft, die wir produzieren, bleibt hier oben. Und wir werden bei ca.null Grad hier schlafen.“

Draußen schaufelt Ann Kristina Brede den Schnee vom Eingang des Quinzees weg. „Na ja, macht man ja zu Hause nie gerne, es muss aber irgendwie entstehen.“ Die Studenten lernen gerade die wichtigste Schneelektion, sie sollen sich bewegen, aber nicht schwitzen. Wer schwitzt, friert viel schneller.

Harald Pölzl und Björn Söderlund messen die Temperaturen im Schnee, angefangen bei einem Meter Schneetiefe, Zero point nine, minus 0,9 Grad, nach zehn Zentimetern wird es bereits ein Grad kälter, an der Schneeoberfläche sind es -15,9 Grad. Stefan Mårtensson hat ihnen die Schneemessungen aufgetragen, der Forscher leitet den Schneekurs an der TU Luleå und hat sich dem Tourismus verschrieben.

Er untersucht Lawinen und wie sich die Ski-Unternehmen gegen schneearme Winter als Folge des Klimawandels wappnen können: „Gerade hat Luleå an der stadteigenen Loipe eine Schneekanone installiert, das wäre vor 50 Jahren nicht nötig gewesen, da gab es immer ausreichend Schnee. Künftig wird das Klima womöglich heftig variieren, indem sich schneereiche und -arme Winter abwechseln, und diese Variation macht dem Tourismus zu schaffen. Eine Möglichkeit wäre, Schnee bei nicht so niedrigen Temperaturen herzustellen und einzulagern...“

Eisforschung im Labor

Während die Studenten weiter an ihrer Herberge schaufeln, ein kurzer Rückblick, ins Eislabor an der Universität Luleå. Dort hat die Gruppe vor einer Woche Eis aus dem Uni-See näher untersucht. Es wird in dünne Scheibchen geschnitten und man bohrt Eiskerne heraus, deren Festigkeit dann untersucht wird. Kursleiterin Victoria Bonart ist sichtlich begeistert vom natürlichen Stoff Eis: „Dass er so unvorhersehbar ist und sich ständig verändert. Also der Stoff lebt wirklich.“ Und Ann Kristina Brede, die Werkstofftechnik studiert, fügt hinzu: „Man kann es nicht reproduzieren, es entsteht einfach so, wie es die Natur macht, und wir können es nicht richtig beeinflussen.“

Die Eiskerne werden nun unter Druck gesetzt, und dieser Festigkeitstest endet für die Studenten überraschend, der untere Eiskern bricht nämlich erstaunlich schnell. Doch das liegt wohl daran, dass die Probe zuvor heruntergefallen war. Schnee und Eis faszinieren ganz einfach – auch die Nacht im Schnee war für Ann Kristina Brede und Lukas Kriechenbaum wirklich außergewöhnlich: „Es war eigentlich überhaupt nicht kalt. Ich hatte ein bisschen kalte Füße, aber ansonsten konnte ich ganz gut schlafen. Am Anfang haben die Jungs etwas geschnarcht, aber dann war ich so müde, dass ich selbst geschnarcht habe...“

„Ja, es war nicht kalt, angenehm temperiert, nach einiger Zeit wurde es etwas kalt an der Nase, dann habe ich die Haube drüber gezogen und bin wieder eingeschlafen.“

Katja Güth 

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