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(Publicerat idag kl 15.48)
Wirklichkeit oder Fernseh-Fiktion?

Die Tanzhalle tief im Wald

Publicerat torsdag 10 mars 2011 kl 15.06
Die Tanzhalle im Wald
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Signar kündigt auf der Bühne seiner Tanzhalle die Band des Abends an. (Foto: svt Archiv)
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Mats-Ove steht mit seinem Heft zur abendlichen Autogrammjagd bereit. (Foto: svt Archiv)
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Manche haben ihren Wohnwagen den ganzen Sommer in Täfteo stehen. (Foto: svt Archiv)
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Tanzen macht hungrig. Gäste vor dem dazugehörigen Würstchenstand. (Foto: svt/ Archiv)
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Tanz auf der Tenne ist für viele ein echter Höhepunkt. (Foto: svt Archiv)

Eine vielbeachtete Reality-Serie des Schwedischen Fernsehens über das Leben am Rande einer Tanzhalle im nordschwedischen Västerbotten weckt Interesse und erregt die Gemüter. Ihre Kritiker beanstanden, „Dansbanan i Täfteå“ zeige Nordschweden so, wie die Stockholmer es sich ausmalen. Die Produzenten charakterisieren den Inhalt der Serie wesentlich positiver:

Sie zeige mit Humor und Einfühlungsvermögen, was tanzmusikbegeisterte Menschen fernab der Zivilisation im Sommer denn so tun.

Ob es sich um einen neuen Fall von veränderter Wirklichkeitswahrnehmung in den Medien handelt? Jeder der fünf Teile wird in jovialem Ton von einem Erzähler eingeleitet.

„Täfteå, das ist eine kleine Gemeinde bei Umeå. Wenn man Täfteå hört denkt man an Angeln, Jagen und Landwirtschaft. Aber in den letzten Jahren ist Täfteå insbesondere für seine Tanzhalle bekannt geworden. Und das vor allem Dank Bauer Signar Nordin und seiner Frau Majlis. Im Sommer  betreiben die beiden in ihrer Freizeit die örtliche Tanzhalle. Jeden Samstag ist da was los. Wir lernen Signar und seine Familie kennen und alle Tanzfreudigen, die jedes Wochenende 300 und sogar 400 Kilometer nach Täfteå fahren.“

Das klingt wirklich fast so wie im Schwank einer Provinzbühne. Ist der Ton, den diese Serie anschlägt, herablassend oder augenzwinkernd?

Hauptperson Signar Nordin ist sich seiner Sache sicher und beschreibt ihn in der Mediensendung des Schwedischen Rundfunks als nordschwedisch und spaßig: „Ja also die Menschen hier oben in Nordschweden, die sind etwas dramatisch, sie spielen gern den Kasper. Nicht alles in dieser Serie ist bierernst. Sie soll ja auch unterhaltsam sein. Die Zuschauer sollen ihren Spaß haben. Das ist kein Dokumentarfilm im üblichen Sinne, bei dem nur Schlagerfans und Tänzer interviewt werden. Alles muss ein bisschen leicht und locker sein.“

Das ist Mobbing-TV!

In den Augen ihrer Kritiker ist die Serie allerdings nicht nur leicht, sondern auch seicht - und was viel schlimmer ist, voller Vorurteile. Die Darstellung der Nordschweden sei im Zerrspiegel von Stockholmern und Südschweden entstellt, schreibt einer der einflussreichsten schwedischen Rezensenten, Johan Croneman, in der Tageszeitung Dagens Nyheter. „Mehr Kitsch kann man in ein einziges Programm gar nicht reinklemmen“, schreibt er. „Das ist ein Fest der Vorurteile!“

Auch nordschwedische Mitarbeiter des Schwedischen Fernsehens sind nicht gerade begeistert. Nachrichtenredakteur Berno Johnsson: „Nein, also das ist Mobbing-TV, wie es leibt und lebt! Viele Fernsehproduzenten meinen, dass die Zuschauer so was mögen. Eigentlich sollte das Schwedische Fernsehen als öffentlich-rechtliche Anstalt sich für so was zu gut sein!“

Nicht das wirkliche Täfteå

 Johnsson lebt selbst in Täfteå, ihm sticht ins Auge, wie die Serie die Menschen im Ort als urwüchsige Käuze darstellt: „Das ist ein typisches Stockholmssyndrom, die Menschen hier als beschränkte Typen zu präsentieren, über die man sich gern ein bisschen lustig machen darf. In Täfteå wohnen alle möglichen Arten von Menschen, und bei weitem nicht alle fahren so auf Tanzen ab, wie die in der Serie.“

Das durchschnittliche nordschwedische Tanzbodenpublikum, das im Sommer jedes Wochenende meilenweit fährt, um sich zu den Klängen einer der typisch schwedischen Tanzbands zu drehen, walzt in der Reality-Serie allerdings nur im Hintergrund vorbei.

Spaß mit Hinterwäldlern

Den Fernsehzuschauern werden vielmehr die „Stammgäste und Persönlichkeiten“ näher gebracht – wie die Programmankündigung verheißt. Diese Sonderlinge kippen sich in ihren Wohnwagen auf dem dazugehörigen Campingplatz auch durchaus mal einen zuviel hinter die Binde und sammeln immer wieder Autogramme von denselben ermatteten Bandmitgliedern.

„Mats-Ove genießt in vollen Zügen“, kommentiert der TV-Erzähler. „Erst sein Essen und dann den Sonnenschein. Auch wenn es ein bisschen in der Nase kitzelt.“ „Hatschi!“

Journalist Berno Jonsson vergleicht die urige Serienszene mit der Realität in Täfteå: „In der Presseerklärung über die Sendereihe steht sinngemäß: ‚Wir begleiten den Kauz Mats-Ove.’ Da steht nicht, dass er geistig behindert ist. Wenn man einen solchen Menschen mit in der Sendung hat, dann sagt man auch um wen es sich handelt. Menschen wie Mats-Ove muss man mit Respekt schildern!“

So war das nicht gemeint!

Gunilla Nilars, Produzentin der Sendereihe, findet die Beanstandungen unberechtigt: „Wir haben die Menschen mit großem Respekt behandelt. Diese Kritik ist mir unbegreiflich. Die Betrachter haben Vorurteile, nicht wir. Wer nicht versteht, dass es da oben in Nordschweden wunderbare Menschen gibt, die ihr Leben so leben, wie wir es zeigen, ist arm dran.“

TV-Journalist Berno Johnsson sieht das anders: „Das Schlimmste ist, dass man sich über Menschen lustig macht, die sich selbst nicht unbedingt darüber im Klaren sind, dass sie in diesen Sendungen ziemlich lächerlich wirken.“

Ein Ort hinter den sieben Bergen

Täfteå erscheint in der Serie wie ein Ort ohne Internet und moderne Zivilisation, in dem sich das gesamte Leben sich um den Tanzplatz dreht. Ein völlig überzogenes Bild nordschwedischer Urigkeit, meinen viele.

In der Serie wird das so formuliert: „Tief im Wald, im Dorf Täfteå liegt sie, die Tanz. Jeden Samstag treffen sich alle dort – mitten im Wald.“

Wirklich? Täfteå tief im Walde, und alles ganz ländlich? In der Serie wimmelt es nur so von Aufnahmen mit Traktoren und Kühen. Aber der Bauernhof der Hauptpersonen liegt eigentlich in einem ganz anderen Dorf wesentlich weiter entfernt.

Täfteå bei Umeå

Ein Blick auf die Karte zeigt, dass Täfteå nur elf Kilometer von der nächstgelegenen Universität in der Stadt  Umeå entfernt liegt. Vom hinterwäldlerischen Dorf auf dem platten Lande kann da wohl kaum die Rede sein.

Täfteå ist ein ehemaliges Fischerdorf mit gut tausend Einwohnern, von denen die meisten in Umeå arbeiten. Der örtliche Sportverein engagiert mit Fußball, Bandy und Tischtennis. Der Verein Byanät hat Faserkabel verlegen lassen und versorgt so viele Haushalte mit Breitbandanschluss.

Laut Einwohnerstatistik stellen außerdem Familien der höheren Einkommensgruppen das Gros der Bewohner von Täfteå. Auch das Bildungsniveau ist etwas höher als im Umkreis. Die Hauptpersonen der Reality-Serie fallen allerdings nicht in diese Kategorie.

Andreas Vettle aus Täfteå findet nicht, dass die Serie ein wahrheitsgetreues Bild seines Dorfes gibt: „Vielleicht hat man Täfteå ausgesucht, weil die Filmemacher es bequem in Flugplatznähe haben wollten“, vermutet er lachend. „Wenn man ein Bild von einem Dorf mitten im Wald zeigen will, ist es ausgesprochen dumm, eine Gemeinde zu wählen, die eher als Vorort von Umeå bezeichnet werden muss. Ich schätze, ungefähr 95 Prozent der Bewohner von Täfteå arbeiten in Umeå.“

„Auf dem dünnbesiedelten Lande und in einem so kleinen Ort wie Täfteå mit nur 1000 Einwohnern, sind nicht nur Mitglieder für einen Fußballverein knapp. Auch der Nachwuchs hat es schwer“, behauptet der Erzähler der Reality-Serie.

Ein Interview untermauert: „Hier gibt’s ja nur wenige Mädchen, wo hast denn du deine Freundin getroffen?“ „In der Schule“, antwortet der befragte Täfteå-Teenager in der  Serie. „In meiner Klasse gibt es gerade mal ein einziges Mädchen.“

Täfteåbewohner Andreas gefällt dieses Bild nicht: „Das klingt so, als ob wir irgendwo ganz weit weg wohnten, wo keine Mädchen leben wollen und wegziehen, sobald sie irgend können. In Täfteå ist das genau umgekehrt. Die Gemeinde hier baut die Schule aus, weil so viele Familien herziehen und der Ort wächst.“

Begeisterung für Tanzmusik im Fernsehen

Aber wenn es nicht das Wichtigste war, das Leben in einem kleinen Dorf so zu zeigen, wie es wirklich ist, warum hat das Schwedische Fernsehen die Serie gedreht? Das neuerwachte große Interesse an Tanzkapellen in Schweden sei der Grund, sagt Produzentin Gunilla Nilars. Menschen, die Tanzkapellen mögen und zu deren Veranstaltungen fahren.

Menschen wie Gun-Inger Berg in Umeå also. Sie aber fühlt sich nicht gerade als Zielgruppe der Täfteå Reality-Show: „Die Serie enthält nicht so viel Tanz, wie wir erwartet hatten. Die Hauptpersonen sind ganz und gar nicht repräsentativ für die Tanzkapellenfans in meiner persönlichen Umgebung. Wir stehen nicht vorn an der Bühne und klatschen im Takt. Wir tanzen. Klar, ungefähr einmal pro Sommer fahre ich zum Tanzen auch nach Täfteå. Das werde ich auch weiterhin tun. Aber außerdem besuche ich auch andere Orte, wo das Publikum bedeutend jünger oder gemischter ist. Orte, wo Tanz als Bewegung und Sport im Vordergrund steht. Orte, wo richtig gute Musik gespielt wird und man gut tanzen kann.“

Vorurteile gelten als Wahrheit

Ob die Sendereihe den Ort Täfteå nun richtig schildert oder nicht, ob sie die Welt der Tanzkapellen und Hobbytänzer, von denen Gun-Inger Berg spricht, wahrheitsgetreu darstellt, eines tut das Fernsehen bestimmt: es beeinflusst das Bild, das sich die Fernsehzuschauer in anderen Teilen des Landes von Täfteå und Nordschweden insgesamt machen. Hier zum Beispiel ist das für Experten ganz deutlich:

Die Hauptpersonen der Täfteå-Serie sitzen draußen und trinken Bier: „Das Essen ist vorbereitet. Der aller engste Freundeskreis und die Tanzkapellenstars sind die VIP-Gäste. Ein bisschen, als wäre Täfteå ein Stück vom exklusiven Stockholmer Vergnügungsviertel Stureplan.“

Madeleine Eriksson ist Kulturgeografin an der Universität Umeå. Sie erläutert anhand dieses Ausschnitts, wie Vergleiche mit Stockholm Täfteå extra provinziell und ein wenig lächerlich erscheinen lassen. „Stureplan ist in diesem Fall das erstrebenswerte Ideal. Dem Zuschauer wird der Unterschied so richtig vor Augen geführt, damit er ihn albern findet.“

Wie bei „Die Jäger“

Eriksson kommt in ihrer Forschung zu dem Ergebnis, dass Nordschweden so dargestellt wird, wie das Filmpublikum – vorwiegend in der südlichen Hälfte des Landes – es sich vorstellt: mit Machomännern, illegalen Jagden und einer örtlichen Polizei, die nichts aufdecken. Zweifellos beeinflusst Film und Fernsehen die Ansichten, weiß die Kulturgeografin. Fakten und Fiktion werden zu einem stereotypen Bild vom Nordschweden zusammengefasst. Und dieses Bild steht dann nicht selten im Gegensatz zum fortschrittlichen und städtischen Südschweden. Die Kulturgeografin hat unter anderem eine Studie am Kriminalfilm „Die Jäger“ von 1996 gemacht. Sie

„Auf den Film ‚die Jäger’ weisen nicht zuletzt die Boulevardzeitungen häufig hin. Wenn es den Import russischer Frauen geht, ist vom Machotum der Männer in Nordschweden die Rede. Das kommt nicht selten vor.“

Berno Johnsson ist überzeugt, dass die Serie anders aussehen würde, wenn er oder ein nordschwedischer Kollege sie gedreht hätte: „Selbst hätte ich diese Tanz und das Interesse, das sie weckt - und überhaupt ganz Täfteå - völlig anders dargestellt. Seriöser. Ich glaube, das wäre genauso unterhaltend und lustig gewesen. Zugegeben, es gibt kurze Abschnitte, die wirklich nett und mit Wärme geschildert werden. Die hätte ich auch drin haben können.“

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