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Ett öga rött / Das Kamel ohne Höcker

Identitätssuche zwischen Schweden und Marokko

Publicerat tisdag 11 september 2007 kl 11.19

Die Komödie „Ett öga rött" ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jonas Hassen Khemiri. Als das Buch vor vier Jahren auf den Markt kam, waren die Kritiker aus dem Häuschen. Eine Sprache, wie sie die schwedische Kulturwelt noch nicht kannte, ein Thema, das an Brisanz kaum zu übertreffen war - und ist. Der Film (deutsch: „Das Kamel ohne Höcker") erzählt von der Identitätssuche des Einwandererjungen Halim. Als Sohn marokkanischer Eltern ist er zwar in Schweden geboren und aufgewachsen, aber seinen Platz in der schwedischen Gesellschaft kann er nicht finden.

In einem Stockholmer Vorort führt Hakims Familie ein glückliches Dasein, bis seine Mutter stirbt. Hakims Vater beschließt, ein neues Leben anzufangen und zieht mit Halim in die Innenstadt. Dort eröffnet er ein neues Geschäft, rasiert den Schnurrbart ab, hört ABBA und andere schwedische Schlager und bemüht sich auch sonst angestrengt, zu einem guten Schweden zu mutieren.

Aber vom musikalischen Balsam für die schwedische Volksseele will der 16-jährige Halim nichts wissen. Dass sein Vater seine marokkanischen Wurzeln für so einen Schund aufgibt, gehört für Halim mit zum Verrat und ist Teil der großen Verschwörung, dem Integrationsplan nämlich.

Nicht mit Alkohol vergiften

„Niemals werde ich zulassen, dass Papa schwedische Literatur liest oder sich mit Alkohol vergiftet", schwadroniert Halim. „Niemals werde ich an Mittsommer Schnaps trinken oder diesen albernen Tanz um den bescheuerten Maibaum aufführen!" Halim bezeichnet sich selbst als Revolutionskanake, als Gedankensultan. Nur er hat durchschaut, wie Schweden mit seinen Einwanderern umgeht.

 Als Khemiris Roman mit seiner aggressiven, aber nicht minder phantasievollen Sprache vor vier Jahren auf dem Buchmarkt einschlug, hatte das Literaturschweden seinen neuen Liebling. Mit Khemiri war ein Star geboren, über 100.000 Mal verkaufte sich der Roman des in Schweden geborenen Autoren mit tunesischen Wurzeln. Nun hat sich der 27-jährige Regisseur Daniel Wallentin des Romans angenommen, „Ett öga rött" ist sein erster Spielfilm.

Respekteinflössender Roman

„Ich habe mich ein halbes Jahr mit dem Buch beschäftigt, bevor ich überhaupt zugesagt habe“, sagt Wallentin. „Das war ein langwieriger und qualvoller Prozess, ich hatte total Schiss vor dem Buch. Denn es ist ja so: Verfilmt man ein Buch, verkörpert man ja gewissermaßen das Buch. Man geht das Manuskript durch und jede Szene, die man wegnimmt, ist wie eine Amputation. Und das tut weh. Aber ich glaube, es war notwendig, denn am Ende sollte da eine Geschichte sein, die man auch ansehen will."

Allein am Premierenwochenende sahen fast 20.000 Menschen den Film, der Verleih wittert schon den großen Erfolg des Herbstes. Die Kritiker dagegen sind nicht so zufrieden: Zu lieb sei der Film, zu wenig nuanciert, von der Schwärze und dem Problembewusstsein der Vorlage sei nicht mehr viel zu spüren. Tatsächlich will der Film das Buch gar nicht nachahmen. Autor Khemiri selbst hat dem Spielfilmdebütanten Wallentin sogar ausdrücklich davon abgeraten.

Komödie ohne Schärfe

Gerade vom Sprachwitz ist jede Menge erhalten geblieben, auch an Drama mangelt es nicht, und die Schweden mit ihrer Gutwilligkeit bekommen durchaus ihr Fett weg. Das alles ist gefilmt in farbenprächtigen Bildern, ungewöhnlich für den schwedischen Film.

Hauptdarsteller Youssef Skhayri hatte keinerlei Filmerfahrung als er gecastet wurde. Sich in Halim hineinzuversetzen fiel im aber leicht, meint der 16-Jährige, gerade weil Halim nicht mehr ganz so verbittert und schwedenfeindlich ist wie im Buch.

„Als ich gesehen habe, wer Halim ist, habe ich gedacht, er ist ein ganz normaler Mensch. Ich habe ihn zu einem Spaßvogel gemacht. Am Anfang hatte er eine kleine Klatsche, aber ich habe ihn eher lustig dargestellt. Gerade über seine dummen Einfälle muss man sich total schlapp lachen. Eigentlich ist Halim nicht besonders merkwürdig. Er trägt seinen Papa im Herzen und will ihn retten. Deshalb kämpft er und macht diesen ganzen Quatsch. All das macht den Film sehenswert."

Smarte Einwanderer – dusselige Schweden

Sicher kann man in Frage stellen, dass der Film über ein bestimmtes Spaßniveau nicht hinauskommt. Gleichzeitig steckt die Stimmung des Films an. Die Schweden gucken dumm aus der Wäsche, Halim und sein Vater halten zusammen wie Pech und Schwefel und am Ende steht der versöhnenden Party aller mit allen nichts mehr im Wege.

„Der Film macht sich über vieles lustig, über Schweden und Einwanderer", sagt Hauptdarsteller Youssef Skhayri. „Ich finde nicht, dass jemand beleidigt zu reagieren braucht. Wenn man einen Film macht, sollte man nicht denken, dass der und der das falsch verstehen könnte. Halim muss auch ganz schön was wegstecken. Aber was soll ich dazu sagen? Das ist ein Film, mein Gott. Man soll sich nicht fragen, darf ich das oder darf ich das. Du darfst das machen, was du für richtig hältst, wenn du es nur gut machst."

„Wir wollen, dass am Ende alle miteinander feiern", lautet Regisseur Wallentins deutliche Botschaft. Er lacht: „Mit dem Film wollen wir sagen, dass wenn wir aufhören, vor einander Angst zu haben und uns ein bisschen Raum geben, dann wird alles gut."

Liv Heidbüchel

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