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Völkerwanderung im Norden Schwedens

Kväner - vergessene Minderheit

Publicerat torsdag 21 april 2011 kl 13.27
Vergessene Minderheit der Kväner
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Aus dem schwedisch-finnischen Grenzgebiet sind die Kväner ins gelobte Land gezogen (Foto: Katja Güth).
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Die Wanderung der Kväner nach Nordnorwegen (Foto: Katja Güth).

Wer sind die Kväner? In der Debatte um Minderheiten in Schweden spielen sie kaum eine Rolle, doch die Forderung, auch die finnisch-stämmigen Kväner als Ursprungsbevölkerung in Schweden anzuerkennen, wird zuweilen erhoben. Eine Ausstellung in Luleå zeigt nun die Wanderung der Kväner vom Norden Schwedens und Finnlands nach Nordnorwegen. Und entmystifiziert die Debatte um die sagenumwobenen Kväner.

Das Lied vom gelobtem Land am Rand des Eismeers, vorgetragen von Hasse Alatalo. Der Musiker hat jahrelang das Liedgut in Nordskandinavien erforscht und in einem Buch veröffentlicht. Ruija, das gelobte Land an der Barentssee, war verlockend für die armen Siedler am nördlichsten Rand Europas.

Die Ausstellung „Der Weg nach Ruija“ wurde von fünf Museen in Norwegen, Finnland und dem Norrbottens Museum in Schweden konzipiert, und ist nun als erstes in Norrbottens Museum in Luleå zu sehen. In den Hungerjahren des 19. Jahrhunderts wanderten finnischstämmige Siedler aus dem nördlichen Schweden und Finnland nach Nordnorwegen aus, wie Sigrid Skarstein, Direktorin des Varanger Museums in Norwegen erklärt:

„Die Auswanderung begann eigentlich bereits im 18. Jahrhundert, als viele in die westliche Finnmark nach Alta, Skidbotn und Lakselv kamen. Erst später im 19. Jahrhundert kamen die Aussiedler in die östliche Finnmark mit der Varangerhalbinsel. Zunächst versorgten sie sich mit dem Fischfang. Von den Norwegern wurden die Finnen als Kväner benannt, was die Finnisch Sprechenden heißt.“

 

Finnische Dörfer

Vor allem auf der Varangerhalbinsel um die Orte Vardø und Vadsø ließen sich die Siedler nieder, das ist der östlichste Teil Norwegens, von da sind es Vogelfluglinie nur 50 Kilometer nach Russland. In den Jahren von 1816 bis 1900 wanderten mehr als 1.800 Menschen zu Fuß über Berge und Sümpfe, dem Versprechen auf ein besseres Leben im gelobten Land folgend. Statt nach Amerika wanderten sie an die Eismeerküste und gründeten stellenweise richtige finnische Kolonien, wie Lena  Aarekol vom Polarmuseum in Tromsø berichtet:

„Man wollte ja im 18. und 19. Jahrhundert die Landwirtschaft in der Finnmark entwickeln. Dazu waren die Kväner anfangs sehr willkommen. Aber nach 1850, als in manchen Dörfern mehr als die Hälfte der Einwohner Finnen waren, schlug die Stimmung um, man fürchtete, dass alles mehr nationalistische Züge annahm.“

Die Siedler aus dem Norden Finnlands und Schwedens waren natürlich bekannt für ihre Vorliebe für die Sauna, aber auch für ihre Kenntnisse im Roden und der Teerherstellung, was bei der Entwicklung der Landwirtschaft von Vorteil war. Diesen Ruf genießen auch heute noch die Nachfahren dieser Siedler, wie Marit Reiersen aus Nordreise. Die Sprache ihrer Vorfahren spricht die Konservatorin am Nordtroms-Museum nicht. Die Kväner waren wie die Sami auch einer strikten Norwegisierung unterworfen, ihre ursprüngliche Identität wurde lange unterdrückt.

„Meine Großeltern waren im Melderegister noch vermerkt als Mischlinge mit samisch-kvänisch-norwegischer Herkunft. Das wurde Ende des 19. Jahrhunderts gestrichen, ab da waren sie nur noch als Norweger geführt.“

Mythos von Kvänland

Die Ausstellung empfindet die Reise der Kväner nach, am Beispiel von Matti und Sofia. Die Bilder auf den Schautafeln sind im Manga-Stil gemalt. Die Originaltexte sind in der Sprache der Kväner geschrieben, was ein sehr altertümliches Finnisch ist. Die Schau richtet sich meist an Schulen und lässt die Debatte um die Kväner außen vor. In den 1990er Jahren war die Debatte aufgeflammt, ob die Kväner gleich den Sami als Ursprungsfolk gelten sollten.

Hauptsächlich nördlich von Kiruna gibt es Gruppen, die damit letztendlich ihr Recht auf Jagd und Fischfang einfordern wollen. Die ständig auftauchenden Mythen von einem Kvänland, das es in Nordskandinavien gegeben haben soll, verbannen  Forscher allerdings ins Reich der Sagen. Lars Elenius von der Universität in Luleå hat sich der Erforschung der nordeuropäischen Minderheiten verschrieben:

„Finnisch Sprechende im Norden Schwedens, Finnlands und Norwegens behaupten oft, dass sie Kväner seien, die ihren Ursprung in der Wikingerzeit haben. Zum Ende des achten Jahrhunderts wurden die Kväner tatsächlich zum ersten Mal in schriftlichen Quellen erwähnt. Deshalb sehen sie sich wie die Sami als Ursprungsfolk. Es gibt aber deutliche Unterschiede, die Finnen waren Bauern und hatten dieselben Rechte wie die einheimischen Bauern auch. Die Sami aber hatten eine völlig eigene Kultur und eigene Institutionen.“

Carolina Sunna hat sich mit ihrem Freund Johan Dahlberg gerade die Ausstellung angesehen. Sie kommt aus dem schwedischen Tornetal und ist mit den Mythen um die Kväner aufgewachsen.

„Man hat einfach gesehen, dass Menschen nach Nordnorwegen ausgewandert sind, die Kväner genannt wurden. Das ist bewiesen, das gab es. Leider ist die Diskussion in Schweden ja ziemlich festgefahren.“

Die Ausstellung „Der Weg nach Ruija“ wird bis zum 12. Juni im Norrbottens Museum in Luleå gezeigt, danach in Norwegen.

Katja Güth

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