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25. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe

Rentierzüchter spüren Folgen bis heute

Publicerat tisdag 26 april 2011 kl 13.34
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In den Flechten reichert sich Caesium an (Foto: Katja Güth)
Gelten 25 Jahre nach Tschernobyl wieder als unbelastet (Foto: Katja Güth)
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Gelten 25 Jahre nach Tschernobyl wieder als unbelastet (Foto: Katja Güth)

25 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl haben die Rentierzüchter in Nordschweden noch immer mit den Folgen zu kämpfen. Nach dem radioaktiven Niederschlag waren weite Teile der Weidegebiete verseucht, insgesamt mussten mehr als 73.000 Rentiere notgeschlachtet und vergraben werden. Ein Rückblick aus Sicht der Rentierzüchter.

Der 26. April 1986 ist ein Sonntag mit strahlendem Sonnenschein, niemand ahnte, dass bald eine andere Strahlung Schweden erreichen würde. Nord-östliche Winde trieben Radioaktivität aus dem explodierten Reaktor von Tschernobyl in Teile Västerbottens und Jämtlands. Lars Göran Brandt saß damals im Landwirtschaftausschuss der zuständigen Provinzialbehörde in Västerbotten und erinnert sich an die ersten Stunden nach dem Niederschlag, als man noch dachte, im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark nördlich von Stockholm habe es einen Störfall gegeben:

„Wir wurden zu einer Krisensitzung einberufen, und ich erinnere mich noch gut, wie wir allesamt etwas verschreckt auf dem Sofa saßen und überlegten, was zu tun sei. Uns wurde schnell klar, dass wir als erstes einen Telefondienst einrichten sollten, um die Fragen der Allgemeinheit zu beantworten."

Am AKW Forsmark waren schon am Morgen nach dem Reaktorunglück erhöhte Strahlenwerte gemessen worden. Weitere Kontrollmessungen ergaben, dass auch die Strahlenwerte zwischen Gotland und Stockholm doppelt so hoch waren wie normal. Man vermutete, dass eine radioaktive Wolke von Estland oder Lettland Schweden erreicht hatte. Die Wolke zog weiter nach Norden, und es regnete, wie sich Rentierzüchter Oleg Omma aus Vindeln erinnert:

„Wir waren gerade dabei, die Rentierherde wie immer im Frühling ins Gebirge zu treiben, und es goss aus Kannen. Als wir abends nach Hause kamen, hörten wir in den Nachrichten, dass in Russland ein Reaktorunglück passiert war. Das ging uns erst mal nichts an. Dann aber tauchten ausländische Journalisten auf und fragten, ob wir noch am Leben seien, da kapierten wir, dass etwas Schlimmes passiert sein musste."

Verseuchtes Rentierfleisch

Mit dem Regen gelangte radioaktives Caesium in den Boden, das sich in Pilzen, Beeren und Flechten anreicherte. Und Rentiere äsen im Spätherbst und Winter hauptsächlich die Flechten am Boden und an den Bäumen, auch das Rentierfleisch war mit Cäsium 137 belastet. Der Grenzwert von 300 Becquerel Cäsium 137 pro Kilo wurde bei weitem überschritten, berichtet Rentierzüchter Omma:

„Wir waren nicht am schlimmsten betroffen, wir hatten direkt nach dem Unglück etwa 20.000 bis 30.000 Becquerel in unseren Tieren, die anderen Betriebe hatten noch höhere Werte. Irgendwann merkte man, dass die Belastung im Herbst höher wurde, wenn die Rentiere anfingen, Flechten zu äsen."

Im ersten Jahr nach Tschernobyl wurden fast 80 Prozent der geschlachteten Rentiere, insgesamt mehr als 27.000, von den Behörden wegen überhöhter Strahlung notgeschlachtet und den Rentierzüchtern etwa zehn Millionen Euro Entschädigung gezahlt. Viele befürchteten damals das Ende der Rentierzucht, erinnert sich Ellacarin Blind, die beim Samischen Radio in Kiruna arbeitete:

„Die meisten waren sehr beunruhigt, die Informationen flossen nur spärlich und waren in der Anfangszeit widersprüchlich. Man wusste einfach nicht, was stimmte. Ich erinnere mich auch, dass sich in der Zeit Indianer aus Kanada meldeten und Geld sammeln wollten, damit man den Sami Essen schicken konnte, daraus wurde aber nichts."

Hohe Kosten

Im Jahr darauf wurde der Grenzwert auf 1.500 Becquerel Caesium 137 pro Kilo erhöht, für Rentierfleisch galt nun derselbe Grenzwert wie für Elchbret und Fisch aus Binnenseen. Eine nicht unumstrittene Maßnahme, denn damit mussten weniger Entschädigung gezahlt werden. Die Behörden gingen jedoch davon aus, dass Rentierfleisch nur vergleichsweise selten gegessen wird. Die Rentiere in den am höchsten belasteten Gebieten wurden später entweder vor dem Herbst geschlachtet oder im Winter mit spezieller Nahrung gefüttert. Das ist noch immer notwendig: Bis heute wurden insgesamt über 60 Millionen Euro Schadensersatz und Kompensation für Futter und Mehraufwand an die Rentierzüchter gezahlt. Seit 2004 erst sind die Grenzwerte für Caesium im Rentierfleisch unterschritten. Der Genuss von Rentierfleisch gilt als unbedenklich, wie Lars Göran Brandt von der Provinzialregierung Västerbotten versichert:

„Wir haben eine gute Organisation hinbekommen, jedes Tier in den belasteten Gebieten ist in einem Gehege und wird gefüttert und getestet."

Katja Güth

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