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Energieriese in der Kritik

Vattenfalls Kohlekraftwerke schaden heimischem Saubermann-Image

Publicerat onsdag 27 april 2011 kl 14.15
"Aus Klimasicht ist Vattenfall ein einziges Scheitern"
(5:52 min)
Soll mancherorts schon bald unter Tage verschwinden: CO2-Ausstoß der Kohlekraftwerke (Foto: Matthias Rietschel/AP/Scanpix)

Der staatliche Energieriese Vattenfall gerät auch in Schweden zunehmend in die Kritik. Nach den Berichten über die Riesenabfindungen für deutsche Manager richtet sich das Augenmerk nun auf die umstrittene Energiegewinnung durch Kohle, vor allem in Deutschland, aber auch Polen und den Niederlanden. In Schweden genießt Vattenfall durch die vermeintlich umweltfreundliche Energie aus Atom- und Wasserkraft ein sauberes Image. Langsam dämmert aber auch den Schweden, dass ihr Energieunternehmen Nummer Eins im Ausland die Saubermann-Maske längst hat fallen lassen.

„Kohle – auf absehbare Zeit kann auf sie bei der Energieversorgung nicht verzichtet werden. In Deutschland nicht und auch nicht in vielen anderen Ländern.“ 

Was für das deutsche Fernsehreklamepublikum keine Neuigkeit sein dürfte, gibt nun in Schweden Anlass zu einer Diskussion, die hiesigen Naturschützern zufolge längst überfällig ist. Schon jetzt produziert Vattenfall 91 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr, was dem Unternehmen von Greenpeace Deutschland den wenig ruhmreichen Titel als klimaschädlichster Stromerzeuger Deutschlands einhandelte. Schweden hat dies bislang weitgehend unberührt gelassen. Nur die Umweltschützer wiederholen in bisher wirkungsloser Regelmäßigkeit, dass Wort und Tat bei Vattenfall auseinanderklaffen.

„Vattenfall ist ein einziges Scheitern" 

So betonte der Vorsitzende des Naturschutzbundes, Mikael Karlsson, im Schwedischen Rundfunk erneut: „Vattenfall gehört zu den schlimmsten Unternehmen überhaupt. Für den schwedischen Staat ist Vattenfall aus Klima- und Umweltperspektive ein einziges Scheitern. Der CO2-Ausstoß pro Kilowattstunde ist extrem hoch und wirkt sich selbstredend aufs Klima aus, während wir doch eigentlich dafür sorgen sollten, dass wir den Verbrauch fossiler Energie drosseln. Es ist inakzeptabel, dass Vattenfall in die entgegengesetzte Richtung geht als der Rest der Welt.“ 

Während Vattenfall in Schweden den Strom zu jeweils der Hälfte aus Wasserkraft und Atomkraft erzeugt, sieht der Strom-Mix in Deutschland ganz anders aus: Mehr als 90% der Energie kommen aus Kohlekraftwerken, international macht die fossile Energie immerhin noch mehr als 40% aus. Und der CO2-Ausstoß wird künftig noch steigen: Schätzungsweise weitere 15 Millionen Tonnen Emissionen aus Vattenfalls Kraftwerken gesellen sich jährlich zu den derzeitigen 90 Millionen, wenn in einigen Jahren das Steinkohlekraftwerk Moorburg und das Braunkohlekraftwerk Bocksberg R in Betrieb genommen werden. 

Das Unternehmen plant, in den kommenden 40 Jahren an der fossilen Energie festzuhalten. Gleichzeitig lässt sich in der langfristigen Planung nachlesen, dass der CO2-Ausstoß schon bis zum Jahr 2010 um 20% sinken soll, bis 2030 um 50%, um dann den Konzern zur Mitte des Jahrhunderts zu einem klimaneutralen Energieproduzenten zu machen. Für die Grünen-Abgeordnete Åsa Romson wirft das einige Fragen auf. 

„Es besteht doch wohl kein Zweifel daran, dass die jetzt geltenden Eigentümerstatuten, die dem Klima-Plan zugrunde liegen, nicht ausreichend sind, um das Unternehmen bei der Umstellung auf erneuerbare Energien zu unterstützen. Dort sollte ausdrücklich stehen, dass man für erneuerbare Energie und deren Ausbau ist und nicht für das Öffnen neuer Kohlegruben und die Millioneninvestition in alte Energie wie Atom- und Kohlekraft in Deutschland.“

„Ausstieg aus Kohlekraft treibt Strompreise nach oben" 

Beim Regierungsvertreter, dem energiepolitischen Sprecher der Liberalen, Carl B Hamilton, stößt diese Forderung auf wenig Gegenliebe. Im Schwedischen Rundfunk machte Hamilton geltend, dass der eingeschlagene Kurs des Unternehmens im Staatsbesitz der richtige sei. 

„Mir und meiner Partei ist wichtig, dass Vattenfall als Ziel kohlenstoffdioxidfreie Energie hat. Windkraft ist ok, funktioniert aber nicht bei Windstille. Wir brauchen also einen Strauß an verschiedenen Energieformen. Selbst wenn Vattenfall seine Kohlekraftwerke verkaufen würde, bliebe die Frage nach dem Käufer. Das würde vermutlich jemand sein, der deutlich weniger an Umweltfragen interessiert ist als Vattenfall und die schwedische Regierung. Åsa Romsons Vorschlag, die Eigentümerrichtlinien neu zu formulieren, würde zu einem vermehrten CO2-Ausstoß führen. Dass Deutschland nun sieben AKW vom Netz nimmt, erhöht zudem die Abhängigkeit von fossiler Energie.“ 

Den Liberalen-Politiker stört vor allem die Aussicht auf einen enormen Wertverlust des staatlichen Energieriesen im Falle eines Abwickelns der Kohlekraft. Derzeit liegt Vattenfalls Wert bei 200 Milliarden Kronen (gut 20 Milliarden Euro). Diese Ziffer würde bei einem Ausverkauf der überaus ertragreichen Kohlekraftwerke vor allem in Deutschland deutlich sinken, gibt Hamilton zu bedenken. Als wäre dies für die schwedische Bevölkerung, der Vattenfall letztlich gehört, noch nicht Drohung genug, prophezeit Hamilton in der Folge eines Ausstiegs aus der Kohlekraft deutlich höhere Strompreise.

Auslegungsspielraum begrenzen 

Mikael Karlsson vom Naturschutzbund hat die Regierung gemeinsam mit den Grünen und der Linkspartei zu strengeren Auflagen gegenüber Vattenfall aufgefordert. Der Umweltschützer hält die bisherigen Richtlinien und Ziele für zu schwammig, als dass sich eine Energiewende am Horizont abzeichnen lassen würde – und erinnert damit an die hehren Ziele der Regierung: Bis 2020 will sie die Treibhausgasemissionen um 40% im Vergleich zu 1990 senken. Mindestens 50% der schwedischen Energie sollen bis dahin aus erneuerbaren Quellen kommen. 

„Es muss genau festgelegt werden, dass Vattenfall auf erneuerbare Energie setzen soll und man muss auch präzisieren, welche das sein sollen, damit die Direktoren nicht mehr soviel Auslegungsspielraum haben wie heute. Gleiches gilt übrigens für die Regierung. Sowohl bürgerlichen als auch sozialdemokratischen Regierungen ist es in den vergangenen Jahren nicht geglückt, eines der größten Energieunternehmen Europas für ein System zu nutzen, das unserer Natur, unseren Kindern und unserer Gesundheit zuträglich ist.“

Liv Heidbüchel

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