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Immer wieder neue Vorschläge

Lifting für Stockholmer Urgestein

Publicerat tisdag 3 maj 2011 kl 15.18
Slussen in der Umgestaltung
(3:52 min)
Slussenplanung von Foster + Partners und Berg Arkitektkontor

Ohne den Verkehrsknotenpunkt „Slussen”, die Schleuse, ist Stockholm kaum vorstellbar. Nach einem Dreivierteljahrhundert in treuem Dienst soll Slussen nun ein neues Gesicht erhalten: Die Verkehrsanlage, in ihrer jetzigen Form eingeweiht 1935, hält modernen Anforderungen nicht mehr stand. Doch das Projekt hat seine Tücken: Diverse Modelle für eine Umgestaltung stießen in den letzten Jahren immer wieder auf Proteste. Nun liegt der endgültige Plan vor. Wie er aussehen soll, das ist seit Wochenbeginn in einer Ausstellung in Slussen in Augenschein zu nehmen. Selbst hartnäckige Kritiker von einst sind nun recht zufrieden – wenn auch ein Wermutstropfen bleibt.


Eins scheint klar: Allen Stockholmern kann es beim Thema Slussen wohl kein Architekt recht machen. Die große, kleeblattförmige Verkehrskreuzung, die die Altstadt mit dem modernen Södermalm verbindet, gilt als Drehscheibe und Herzstück der Stadt. Hier bündeln sich U- und S-Bahn, Buslinien und Schnellstraßen; und hier trifft das Salzwasser von Saltsjön auf das Süßwasser des Mälaren. Zum zweitgrößten Verkehrsknotenpunkt nach dem Hauptbahnhof hat wohl fast jeder Hauptstädter seine höchst individuelle Meinung; und dabei geht es keineswegs nur um nüchterne Dinge wie ein paar zehntausend Busreisende hier oder dort.

Weitaus mehr noch engagiert die Frage, ob und wie es gelingen kann, trotz Verjüngungskur alten Charme zu bewahren. Schließlich handelt es sich bei Slussen um einen der schönsten Plätze der Stadt, einen Platz, von dem aus man weite Teile Stockholms überblicken kann und der jeden Sonnenauf- und -untergang zum Erlebnis macht.

„Klare Verbesserung“

„Dies hier ist eine klare Verbesserung gegenüber dem Vorschlag von vor einem Jahr“, versichert Thomas Rudin. Der sozialdemokratische Oppositionschef im Stockholmer Rathaus gehörte zu den schärfsten Kritikern des nun gründlich überarbeiteten vorletzten Modells, das Proteststürme ausgelöst hatte. „Man hat nun eine Reihe von Veränderungen durchgeführt, die unter anderem wir vorgeschlagen hatten“, stellt Rudin befriedigt fest.

So sind nach einem intensiven Jahr am Reißbrett im endgültigen gemeinsamen Modell der Büros Fosters + Partners und Berg die hohen Gebäude verschwunden, die hauptsächlich kommerziellen Zwecken dienen sollten und die Sicht auf Riddarholmen, Gamla Stan und Saltsjön im Prinzip verdorben hätten. Die geplanten Häuser neben dem Fahrstuhl Katarinahissen werden ein Stück zur Seite gerückt und somit besser in die bestehende Baulandschaft eingepasst – und ein kleiner Park soll entstehen.

„Das führt dem gesamten Projekt einen großen Wert zu“, betont Planarchitekt Martin Schröder vom Stadtbauamt. „Gerade hier haben wir ja bisher leider recht wenig Grün.“ Als weitere wichtige Neuerung nennt er den Plan, das Busterminal seitlich in die Felsen in Ufernähe hineinzusprengen und aus der bisherigen Untergrund-Lage herauszuholen. Neu entstehender Platz soll für Glasterrassen mit Blick aufs Wasser genutzt werden.

Pro und kontra Glas

Mit Glas wollen die Architekten auch auf dem zentralen Platz Söderhamnstorg walten – hier soll eine Art Wintergarten entstehen, der neben den zahlreichen geplanten nicht überdachten Restaurants und Cafés auch bei unwirtlichem Wetter Raum für Begegnungen im Freien bietet. Die Verglasung werde keine bisher schöne Aussicht trüben, versichert Martin Schröder.

Luftigkeit sei das Motto insgesamt, es soll künftig genügend Bewegungsfreiheit zum Flanieren geben, an ausgebauten Kais sollen Schiffe des öffentlichen Nahverkehrs und private Boote anlegen können.

Bessere Bewältigung des Verkehrsaufkommens

Martin Schröder glaubt, dass der endgültige Plan, der unter anderem auch entschieden bessere Möglichkeiten für Fahrradfahrer bieten soll, den Segen der Stockholmer finden wird. Auch wenn ein gewichtiger Wermutstropfen bleibt: Die viel kritisierte so genannte Autobahn auf der Hauptbrücke von Söder nach Gamla Stan soll genauso viele Spuren haben wie im Modell letzten Jahres vorgesehen – nämlich acht.

Daran komme man angesichts des enormen Verkehrsaufkommens nicht vorbei, betont der Bürgermeister Sten Nordin von den konservativen Moderaten: „Wir brauchen diese Verbindung. Slussen ist nun mal ein Verkehrsknotenpunkt – nicht zuletzt für den öffentlichen Nahverkehr. Wir brauchen also eine Brücke, die die Kapazität für genügend Fahrspuren hat, ebenso wie für den Schienenverkehr, für Fahrräder und Fußgänger. Daran kommen wir nicht vorbei.“

Nach dem Baustart 2012 soll das neue Slussen 2018 fertig sein.

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