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Sozialdienste

Gemeinden vernachlässigen ihre Behinderten

Publicerat onsdag 4 maj 2011 kl 13.16
"Es mangelt an Kompetenz auf allen Ebenen"
(3:53 min)
Manche Gemeinden können ihren Behinderten kein menschenwürdiges Leben ermöglichen

Unzählige Menschen mit Behinderung bekommen nicht die Hilfe und Pflege, die ihnen gesetzlich zusteht. Zu diesem Schluss kommt ein am Mittwoch veröffentlichter Bericht des Zentralamts für Gesundheits- und Sozialwesen. Erst kürzlich sorgte ein haarsträubender Fall der Vernachlässigung für Aufsehen: Ein Mann war 25 Jahre lang vom Pflegepersonal in seinem Rollstuhl festgebunden worden – Tag und Nacht. Nun deutet sich an, dass es in Schwedens Kommunen weit mehr grobe Mängel bei der Versorgung Behinderter gibt, als bisher bekannt.

Inakzeptabel – darin sind sich der Oberdirektor des Zentralamts für Gesundheits- und Sozialwesen und der Chef der Pflegeabteilung beim Verband der Schwedischen Gemeinden und Provinzialverwaltungen einig. Schockiert zeigte sich Håkan Ceder, dessen Behörde für den jüngsten Bericht verantwortlich zeichnet, über die Verstöße des Gesetzes, das Hilfe und Service für Behinderte regelt. 

„Wir kritisieren Mängel im zwischenmenschlichen Umgang und regelrechte Übergriffe und greifen drei Beispiele heraus. Besonders hervor sticht der Fall eines Mannes, dessen Hände jahrelang hinter dem Rücken zusammengebunden waren, weil das Personal befürchtete, er würde sich sonst selbst Schaden zufügen. Das Gesetz regelt die Rechte von Behinderten und soll ihnen ein gutes Leben zusichern mit Einfluss- und Teilnahme daran. Ziel ist es, so leben zu können wie alle anderen. So ein Beispiel wie eben genannt steht in krassem Kontrast zum Gesetzestext.“

Verbreitete Unkenntnis vom Sinn des Gesetzes

Das Amt für Gesundheits- und Sozialwesen kritisiert in seinem Bericht aber auch vergleichsweise geringere Vergehen der Gemeinden: Wohngemeinschaften sprengten oft den Rahmen von den zugelassenen fünf Mitbewohnern, und auch das Angebot von Freizeitaktivitäten und anderem stimulierenden Input für Menschen mit Behinderung falle nicht selten zu dürftig aus. Das Gesetz umfasst Menschen mit Entwicklungsstörungen wie Autismus, geistig Behinderte, die im Erwachsenenalter eine Gehirnschäden erlitten haben sowie Menschen mit anderer dauerhafter physischer oder psychischer Behinderung, die sich nicht auf den normalen Alterungsprozess zurückführen lässt. 

Und obwohl der Gesetzestext also nichts unklar lässt – und dies seit immerhin 17 Jahren - hapert es dennoch an der Umsetzung. Håkan Ceder scheint selbst erstaunt, und sagte im Schwedischen Rundfunk: „Es gibt offenkundige Mängel im Verständnis davon, was überhaupt der Sinn dieses Gesetzes ist und welche Anforderungen an die Gemeinden es stellt. Das betrifft mehrere Ebenen, nicht zuletzt die Führungsetage. Mängel im zwischenmenschlichen Umgang und Übergriffe lassen sich nur auf unzureichende Kompetenz zurückführen.“ 

Diesem Vorwurf schließt sich Göran Stiernstedt vom Verband der Gemeinden und Provinzialverwaltungen nur zu gern an. Neben Kompetenz auf allen Ebenen spielt aber noch ein weiterer Aspekt eine wichtige Rolle: „Der gesamte Bereich hat sich innerhalb kürzester Zeit enorm vergrößert, das kann durchaus ein Teil der Problematik sein. Dann gibt es keine klaren Ziele, wie wir Qualität und vor allem ihre Einhaltung messen können. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass die Patienten und deren Angehörige mehr Mitspracherecht haben sollten.“

"Einstellungen kann man nicht im Handumdrehen ändern"

Nach 17 Jahren verschärften Regeln zum Schutz der Behinderten sieht die Wirklichkeit trübe aus. Offenbar hat es das in den verschiedenen Weiterbildungen für Führungskräfte angehäufte Wissen schwer, bis zu den Angestellten zu gelangen, die im tagtäglichen Nahkontakt mit den Pflegebedürftigen stehen. Auf die Frage, warum die positive Entwicklung bei den Gemeinden so lange auf sich warten lässt, hat der zuständige Chef Göran Stiernstedt keine schlüssige Antwort parat – und auch welche Rolle die stets klammen Kassen der Gemeinden bei der optimalen Ausführung ihres Pflegeauftrages spielen, bleibt unerwähnt. 

„Gute Frage. Viele Dinge benötigen viel Zeit. Es geht auch um Kulturen und Einstellungen, die sich nicht im Handumdrehen ändern lassen. Aber es gilt, schneller zu werden, und dazu sind wir beim Verband der Gemeinden und Provinzialverwaltungen bereit.“

Liv Heidbüchel

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