Du måste aktivera javascript för att sverigesradio.se ska fungera korrekt och för att kunna lyssna på ljud. Har du problem med vår sajt så finns hjälp på http://kundo.se/org/sverigesradio/
Polarpolitik

Schweden übernimmt Vorsitz im Arktischen Rat

Publicerat torsdag 12 maj 2011 kl 08.20
"Die Menschen in der Arktis sollen es in Zukunft besser haben"
(8:46 min)
1 av 2
Ihr Lebensraum schwindet - Eisbären in der Arktis
2 av 2
Wollen und sollen mitreden - Angehörige der Sami-Urbevölkerung

Schweden hat am Donnerstag zum ersten Mal den Vorsitz im Arktischen Rat übernommen. Mit dem turnusmäßigen Wechsel liegt die Hauptverantwortung für das Streben nach Fortschritten bei Schutz und Pflege der arktischen Region nun für die nächsten zwei Jahre in Stockholm.

Die Sehnsucht nach naturbelassenen Heimatgefilden ohne Ölbohrtürme und Treibhausgase ist eines der Hauptthemen des Liedgutes der samischen Völker des Hohen Nordens.

Das Eintreten für dieses fast heilige Anliegen der Ursprungsbevölkerung in der nördlichsten Region der Erde gehört zu den Hauptaufgaben des 1996 gegründeten Arktischen Rates mit seinen acht Mitgliedsländern. Da sind Eskimos und Indianer in den USA und Kanada; auf russischem Territorium gibt es eine ganze Reihe arktischer Volksstämme, und in den nordischen Ländern leben vor allem verschiedene Sami-Völker.

Zum Leidwesen der Sami und der anderen ethnischen Gruppen des Nordens ist die Förderung ihrer Belange in den letzten Jahren mehr und mehr durch die drängenden  Fragen der Klimaveränderung an den Polkappen verdrängt worden.

Was in der Vergangenheit noch als eher nebensächlich erschien, beherrscht heute die Tagesordnung der Ratsarbeit, und zwar auch unter dem immer stärker hervortretenden Aspekt der Nutzung der Rohstoffe der Arktis.

Auf eine kurze Formel gebracht heißt das: Je mehr das Eis schmilzt, desto leichter kommt man ans Öl. Doch aller Welt ist inzwischen klar, dass das immer raschere Verschwinden des einst für ewig gehaltenen Polareises Grund zu wachsender Sorge ist.

Der Arktis-Botschafter der schwedischen Regierung, Gustaf Lind, beschreibt das Problem: „Klimaveränderungen wirken sich in der Arktis stärker aus als in anderen Teilen der Erde. Man spricht vom weltweiten Zwei-Grad-Ziel bei der Begrenzung des Treibhauseffekts. In der Arktis kann es in nächster Zeit sechs Grad wärmer werden, und wenn die Eiskappe der Arktis weiter schmilzt, dann steigt der Meeresspiegel weltweit.“  

Wissenschaftler haben die zu erwartenden Folgen schon berechnet. Zwei von vielen Beispielen: Das ohnehin schon regelmäßig von Überschwemmungen heimgesuchte Bangladesch dürfte in einigen Jahrzehnten von der Weltkarte verschwinden. Und in Europa könnte die Lage für die teilweise bereits jetzt unter Meeresspiegelniveau lebenden Holländer kritisch werden. Doch getreu dem besonders passenden Wahlspruch ‚Nach uns die Sintflut’ rüsten die großen Mineralöl-Unternehmen eifrig zur Ausbeutung der immer leichter zugänglich werdenden Öl- und Gasvorräte der Arktis. Dabei gibt es bekanntlich Risiken, und auch auf die weist Gustaf Lind hin:

„Wenn das Eis der Arktis verschwindet, eröffnet das Möglichkeiten zur Ausbeutung von Rohstoffvorkommen auf dem Meeresgrund. Schweden hat selbst keine Ölvorkommen, aber die arktischen Küstenländer, zum Beispiel Norwegen und Russland, arbeiten verstärkt an Bohrprojekten. Da ist es wichtig, dass Unglücksfälle wie die Ölpest im Golf von Mexiko durch vorbeugende Maßnahmen verhindert werden. Falls aber doch etwas passieren sollte, dann muss rasch gehandelt werden, um größere Verschmutzungen zu vermeiden.“

Wie lange es schlimmstenfalls dauern kann, bis solch ‚rasches’ Handeln erfolgt, hat die Ölkatastrophe im mexikanischen Golf gezeigt: Von der Explosion der BP-Bohrplattform ‚Deepwater Horizon’ bis zum immer noch erst notdürftigen Abdichten der Unterwasser-Ölquelle vergingen fast drei Monate, in denen 700 Millionen Liter Öl den Golf verseuchten.  

„Schweden muss EU-Interessen vertreten“

Sverker Sörlin ist Umweltwissenschaftler und Arktis-Experte. 2009 war er Präsident des schwedischen Polarjahr-Komitees. Dass Schweden jetzt erstmals den Vorsitz im Arktischen Rat führt, betrachtet er als überfällig. Gegenüber Radio Schweden sagte Sörlin:

„Schweden hat in der arktischen Politik lange eine passive Rolle gespielt. Die eigenen Interessen endeten in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als man den Kohleabbau auf Spitzbergen aufgab. Seitdem wurde es in Schweden still, was die Arktis anging. Deshalb ist es gut, dass Schweden nun mit dem Ratsvorsitz Gelegenheit hat, seine eigenen politischen Vorstellungen einzubringen – besser spät als gar nicht. Dabei ist es wichtig, dass Schweden die Rolle Europas bei Entscheidungen über die Arktis hervorhebt. Wir gehören zur Europäischen Union, und viele Mitgliedsländer haben arktische Interessen. Deshalb zeigt sich die EU in letzter Zeit aufgeschlossener gegenüber der Arktis-Politik, und das ist gut so.“

Deutschland ist im Arktischen Rat mit Beobachter-Status vertreten. Das begrüßt Umweltwissenschaftler Sörlin ausdrücklich. Er hofft, dass das Gremium daraus Nutzen ziehen kann:

„Man sollte neue Formen zur Ausweitung der Basis des Arktischen Rates finden. Dabei ist die Stimme Deutschlands besonders wichtig. Deutschland hat eine langjährige Tradition der Polarforschung und kann ebenso wie andere europäische Länder zu einer vernünftigen und ökologisch vertretbaren Nutzung der arktischen Ressourcen beitragen. Deswegen hoffe ich auf ein starkes Engagement von deutscher Seite.“

Nun befasst sich der Arktische Rat, wie schon der Name sagt, allein mit der nördlichen Polarregion. Da drängt sich die Frage auf, ob es nicht besser wäre, die Antarktis in das Gremium einzubeziehen, um so eine globale Polarpolitik zu ermöglichen. Sverker Sörlin sagt, was dagegen spricht:

„Viele meinen ja, dass man für die Arktis eine ähnliche Lösung finden sollte wie für die Südpol-Region im Antarktis-Vertrag von 1959, dass man nämlich den gesamten Weltteil nur für Forschung und friedliche Zwecke ohne wirtschaftlichen Gewinn nutzen darf. Aber es gibt  Unterschiede zwischen beiden Regionen. Zum einen ist die Arktis bewohnt, und die Menschen haben wirtschaftliche Interessen, zum anderen ist die nördliche Polarregion keine sterile Eiswüste, sondern es gibt Meeresflächen und dazu Nutzungsrechte, die kaum rückgängig gemacht werden können.“

An diesem Punkt spannt der Arktis-Experte den Bogen zurück zu dem, was einst als Hauptaufgabe des Arktischen Rates galt: die Wahrnehmung der Interessen der Ursprungsbevölkerung:

„Leider wird in der politischen Diskussion zuviel Gewicht auf die Ölförderung und den Abbau anderer Rohstoffe der Arktis gelegt. Viele andere wichtige Fragen wie die der ethnischen Minderheiten, werden dabei in den Hintergrund gedrängt. Ihre Interessen müssen besser gewahrt werden. Die Region sollte für diejenigen weiter entwickelt werden, die dort leben, und sie sollte nicht so sehr als Quelle des Reichtums für solche gesehen werden, die woanders auf der Erde leben.“

Sara Larsson ist Angehörige der Sami-Minderheit in Schweden und Mitglied des Parlaments der Urbevölkerung, des Sameting. Sie sieht erheblichen Nachholbedarf, wenn es um die Durchsetzung der verbrieften Grundrechte ihrer Volksgruppe geht:

„Das große Problem in Schweden ist, dass man sich nicht der Frage stellt, wie das Sameting als demokratisch gewähltes Parlament eine stärkere Rolle in der schwedischen Politik spielen kann. Das haben ja auch die Vereinten Nationen in einem Bericht über die Lage der Sami in den nordischen Ländern kritisiert.“

UN-Sonderberichterstatter James Anaya hatte in seinem am Jahresbeginn vorgelegten Rapport bemängelt, die Position der Volksvertretung der Sami sei in Schweden nicht deutlich genug festgelegt.  Weiter hieß es darin, alle Klimaschutzmaßnahmen im Norden müssten mit den Sami abgestimmt werden. Dazu noch einmal Schwedens Arktis-Botschafter Gustaf Lind:

„Klimaveränderungen beeinflussen die Arktis in starkem Maße. Es ist wichtig, dass Vertreter der Ursprungsvölker an allen Entscheidungen der verschiedenen Gremien beteiligt werden. Wir werden die wichtigen Fragen von Umwelt- und Klimaschutz voranbringen, und wir werden auch dafür arbeiten, dass die Menschen, die in der Arktisregion leben, es künftig besser haben.“

Schweden hat nun zwei Jahre Zeit, dieses Versprechen einzulösen.

Klaus Heilbronner 

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Har du frågor eller förslag gällande våra webbtjänster?

Kontakta gärna Sveriges Radios supportforum där vi besvarar dina frågor vardagar kl. 9-17.

Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".