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Kopfnoten in der Schule

Schwänzen soll im Zeugnis stehen

Publicerat onsdag 11 maj 2011 kl 12.32
Bildungsminister: „Die Schule hat Angst vor Ansprüchen”
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Vieles ist interessanter als der Unterricht
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Abhängen statt Schulbank drücken kann sich rächen

Unentschuldigtes Fehlen im Unterricht wird ab Herbst 2012 wieder in den Zeugnissen schwedischer Schüler vermerkt. Entgegen den abschlägigen Gutachten verschiedener zuvor befragter Behörden will dies die bürgerliche Regierung in Kürze beschließen. Vorrangiges Ziel von Bildungsminister Jan Björklund ist es, Schuleschwänzer frühzeitig an ihre Schulpflicht zu erinnern und damit einem Verfallen in schlechte Gewohnheiten vorzubeugen. Der Vorschlag ist erwartungsgemäß nicht ohne Kritik geblieben.

Jeder zehnte Mittelstufenschüler in Schweden schwänzt mindestens einmal im Monat den Unterricht. In der Gymnasialschule ist die entsprechende Zahl noch höher. Das zeigt eine aktuelle Statistik des Zentralamts für Schul- und Hochschulwesen. Für Bildungsminister Jan Björklund von den Liberalen höchste Zeit, an der Haltung der Schüler etwas zu ändern. Dabei greift Björklund auf seine Erfahrungen als Stockholmer Bildungssenator in der Legislaturperiode ab 1998 zurück: Sobald das Schwänzen in den Zeugnissen vermerkt wurde, nahmen die Schüler ihre Schulpflicht wieder bedeutend ernster und erschienen verstärkt im Unterricht. 

„Nirgendwo im Erwachsenenleben kann man beispielsweise bei der Arbeit erscheinen, wann es einem gerade passt, sondern man hat sich an Zeiten und an die Anwesenheitspflicht zu halten. Diese Einstellung sollte auch für die Schule gelten. In vielen Bereichen werden Kinder und Jugendliche anders behandelt als Erwachsene, aber für den Unterricht gibt es eine Anwesenheitspflicht. Wer nicht am Unterricht teilnimmt, lernt entsprechend weniger. Wir haben ja eine Schule, weil wir der Überzeugung sind, dass es gut für die Schüler ist, Dinge zu lernen, die sie aufs Erwachsenenleben vorbereiten.“ 

Björklund, der einen Ruf als gleichermaßen einsamer wie eiserner Verfechter von Ordnung und Disziplin im Klassenzimmer sowie von hohen Ansprüchen an die Lehre auf allen Ebenen hat, erntet auch mit seinem jüngsten Vorstoß Kritik. So lehnte der Kinderombudsmann die strengeren Regeln bereits im Winter als Angriff auf das schlechte Selbstbewusstsein eines ohnehin schwachen Schülers ab. Die Schulen würden die Verantwortung für ihr eigenes Versagen auf die Schüler abwälzen. Auch das Amt für Schul- und Hochschulwesen wendet ein, dass ein Schwänz-Eintrag im Zeugnis ungerecht sein könnte und fragt, ob das Zugucken beim Sportunterricht oder chronisches Zuspätkommen auch Schwänzen sei. 

Jabar Amin, schulpolitischer Sprecher der Grünen, bläst in dasselbe Horn und betont im Schwedischen Rundfunk, dass Schüler nach ihren Leistungen beurteilt werden sollten und nicht nach ihrem Betragen. Es gäbe keinerlei wissenschaftliche Beweise dafür, dass die Noten besser würden, wenn die Schüler weniger schwänzen würden. Amin fordert daher ein früheres Einschreiten seitens der Schule. 

„Zunächst muss man herausfinden, warum ein Schüler schwänzt. Kann Mobbing dahinterstecken? Geht es den Betroffenen vielleicht nicht gut? Sind sie krank, haben sie vielleicht Asthma? Man muss so früh wie möglich einschreiten, um der Ursache auf den Grund zu gehen.“ 

„Wir haben Angst, Ansprüche zu stellen“ 

Genau dies will das neue Schulgesetz, das zum 1. Juli dieses Jahr in Kraft tritt. Es sieht vor, dass die Eltern sofort – etwa per Sms - informiert werden, wenn ihr Kind dem Unterricht fernbleibt. Dies soll von Anfang an für eine gute Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus sorgen. Entsprechend erstaunt reagierte der Bildungsminister im Schwedischen Rundfunk auf die Einwände. 

„Ich habe mir die Kritikpunkte angehört, bleibe aber bei der Meinung, dass die Vorteile schwerer wiegen als die Nachteile. In Schweden grassiert eine Angsthaltung in Bezug auf Ansprüche, die wir leider auch bei einer Reihe Behörden beobachten können. Man scheint zu denken, dass man nett zu den Schülern ist, wenn man nichts von ihnen fordert. Ich bin vom Gegenteil überzeugt. Schüler brauchen Ansprüche und Erwartungen. Dann gibt es natürlich auch Schüler, die Hilfe und Unterstützung benötigen, aber das rechtfertigt nicht, dass wir die Augen vor einem Problem wie Schwänzen verschließen, nur weil es manche Schüler nicht leicht haben.“ 

Björklund geht davon aus, dass viele Schwänzer aus reiner Nachlässigkeit nicht zum Unterricht gehen. Gerade in der Oberstufe lockt bei gutem Wetter das Café oder der Park – dem Minister selbst ging es als Schüler nicht anders, wie er in der Tageszeitung Svenska Dabladet freimütig bekannte. Doch wären die Erwachsenen härter gegen seine lasche Einstellung vorgegangen, hätte er sich das Schwänzen schnell abgewöhnt, ist sich Björklund sicher. 

„Kein Siebenjähriger fängt seine Schullaufbahn als Unterrichtsschwänzer an. Zu schwänzen und immer weiter außen vor zu landen, ist für mich ein Verhalten, dass sich erst nach und nach entwickelt. Deshalb muss die Schule rechtzeitig einhaken und mit Nachdruck klarstellen, dass dieses Verhalten nicht akzeptabel ist. Nur so lässt sich ein späteres Dauerschwänzen verhindern.“

Liv Heidbüchel

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