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Schwedens älteste Schule

Schulalltag vor 400 Jahren heute nachvollzogen

Publicerat fredag 21 oktober 2011 kl 10.47
Deutsche Schule Stockholm wird 400
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Um fünf Uhr morgens zum Gottesdienst in der deutschen Kirche St Gertrud, so fing der Schultag der Kinder vor 400 Jahren an (Foto: Scanpix Schweden)
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Unscheinbar in einem Wohnhaus im Stadtteil Östermalm (Foto: Luise Steinberger)
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Schüler der DSS fallen sofort auf - am typisch deutschen Schulranzen (Foto: Luise Steinberger)

Mit zahlreichen Projekten und Feierlichkeiten begeht Schwedens älteste aktiv tätige Schule in diesem Schuljahr ein wichtiges Jubiläum. 400 Jahre ist es her, seit der Rektor der Schule im Mai 1612 einen Privilegienbrief aus der Hand des Königs entgegennahm, der offiziell die Erlaubnis zum Unterrichten von Kindern erteilte. Was in Schweden kaum jemand weiß: Es handelt sich um die Deutsche Schule in Stockholm.

Die Glocken der deutschen St.Gertruds-Kirche in der Stockholmer Altstadt läuten zum Gottesdienst. Wer heute Stockholmer nach der Deutschen Schule fragt, bekommt oft zu Antwort: „Liegt sie nicht da in der Altstadt, gleich bei der deutschen Kirche?“. Dort ist die Schule seit Jahrzehnten nicht mehr gelegen, aber das kollektive Gedächtnis hält altes Wissen fest. Schule und Kirche gingen bereits vor mehr als 150 Jahren getrennte Wege, doch immerhin 250 Jahre hatte die Deutsche Schule Stockholm zuvor tatsächlich Seite an Seite mit der Kirchengemeinde zurückgelegt.

Privilegien 1612

Aus diesem Grund ist es natürlich, dass sich der Kantor der deutschen Gemeinde, Michael Dierks, eingehend mit den Anfängen der Schule beschäftigt hat. „1612 bekam die Schule ihre Privilegien und wurde als Institution in Stockholm etabliert. Aber die Geschichte der Schule reicht vielleicht sogar noch 50 Jahre weiter zurück. Die Gemeinde etablierte sich im 16. Jahrhundert, und dann entstand rechts schnell das Bedürfnis, Kinder zu unterrichten, Kinder der Mittelschicht. Es waren nicht die ganz armen, aber es waren auch keine Kinder von Adeligen. Im Gildenhaus, das war das Haus der hier ansässigen Deutschen, wurden Räume zur Verfügung gestellt. Dort wurden die Kinder unterrichtet, wahrscheinlich schon seit Mitte des 16. Jahrhunderts.“

Im Alter ab ungefähr vier Jahren besuchten die Knaben sechs Jahre lang den Unterricht – Mädchen nahm die Schule nicht auf. Während die Schüler der DSS heute auf das Doppelpack aus deutschem Abitur und dessen schwedischer Entsprechung, studentexamen, zusteuern, bedeutete Schule im 17. Jahrhundert vor allem das Absingen von Chorälen. 

Schultag ab fünf Uhr morgens

„Es war ein relativ harter Tag. Die Kinder waren bis zu zwölf Stunden in der Schule. Es ging morgens um fünf Uhr los mit einem Morgengebet, da wurde hauptsächlich gesungen. Danach war Unterricht bis zu einer Pause um neun. Und dann war wieder Mittagspause um 11 Uhr. Und von 12 bis 13 Uhr war dann Musikunterricht. Musik und Latein waren sicher für die Kinder damals die Hauptunterrichtsfächer.“ Dass der Schulgang sehr auf den Gesang ausgerichtet war, hatte einen handfesten Grund: Die Kinder waren – als Gegenleistung zur Ausbildung – verpflichtet, mit ihrem Gesang die Gottesdienste zu begleiten. „Das war eine Verpflichtung der Kinder. Viele Kinder kamen aus der Mittelschicht oder waren nicht besonders wohlhabend, und sie haben sich Geld dadurch verdient, dass sie in den Gottesdiensten – vor allem in den drei Gottesdiensten am Sonntag – Musik gemacht haben. Die Entlohnung ist meistens direkt an die Lehrer zurückgeflossen, deren Gehalt das war.“

 Viertklässler rekonstruieren Gesangsunterricht

In einem der zahlreichen Projekte, mit denen die Schule über das gesamte Schuljahr das Jubiläum begeht, haben Kinder der 4. Klasse den damaligen Schulalltag rekonstruiert und vor allem auch Lieder eingeübt, die ihre Vorgänger vor 400 Jahren sangen. Früh sonntagmorgens rannten kleine Füße in die stattliche St. Gertrudskirche und versammelten sich neben der Orgel. Eingeleitet wurde der Gottesdienst mit einer lateinischen Anrufung des Herrn.

Schule und Bildung waren eine deutliche Forderung der Reformation. Martin Luther selbst sei sehr daran gelegen gewesen, dass seine Reformationsbestrebungen keine Unruhe im eben sich entwickelnden Schulwesen schufen, erklärt Kantor Dierks. „Luther und vor allen Dingen Melanchton haben der Ausbildung großen Wert beigemessen. Die Reformatoren haben sicherlich befürchtet, dass im Zuge der allgemeinen Unruhen das Schulwesen in einem Chaos versinken könnte. Und darum hat man ein starkes Gewicht auf Schulordnungen gelegt. Diese sind für Norddeutschland und dann auch für Schweden verfasst worden. Diese Ausbildung war auf eigentlich humanistischen Idealen gegründet.“

Absicht der Reformatoren war, die Gläubigen selbst direkt ins Zwiegespräch mit Gott treten zu lassen. Im schwedischen Gottesdienst setzte sich das Neue jedoch nur langsam durch. So wurden Gottesdienste noch lange in lateinischer Sprache abgehalten, mit Ausnahme der Fürbitte. Im Musikalischen begann sich die neue Ordnung rascher durchzusetzen, so standen in Stockholm sowohl deutsche als auch schwedische Gesänge auf dem Programm. Zum Repertoir gehörte beispielsweise „Jesus är min vän“ (Jesus ist mein Freund) von Gustav Düben; hier ebenfalls vorgetragen von den Schülern der 4. Klassse

Vom Schulmusiker zum Kirchenmusiker 

Gustav Düben war im 17. Jahrhundert Kantor der deutschen Kirche – oder genauer gesagt der Schule, sagt Michael Diercks und erklärt die Unterschiede zwischen der Rolle seines Vorgängers und seiner eigenen. „Der Kantor war ursprünglich ein Musiker, oder ein Gelehrter – irgendetwas dazwischen – der an der Schule angestellt war, nicht an der Kirche. Er war der Prorektor, neben dem Rektor der wichtigste Mann, der dafür zuständig war, die Kinder praktisch im Gesang, aber auch wissenschaftlich in Musiktheorie zu unterweisen. Erst im Laufe der Zeit, sagen wir im 17. Jahrhundert, hat sich der Kantor durch die Verbindung von Kirche und Schule immer mehr in das Musikleben der Kirche eingefügt und sich von der Schule entfernt. Heute bin ich als Kantor Kirchenmusiker, damals wäre ich wahrscheinlich in erster Linie Schulmusiker gewesen.“

Schwedische Schule und deutsche Auslandsschule 

Heute ist die deutsche Schule Stockholm eine Doppelkonstruktion, zum einen ganz normale schwedische Schule – und daher auch Schwedens älteste noch aktiv tätige Schule. Zugleich ist sie aber auch eine offizielle deutsche Auslandsschule. Sie folgt dem deutschen Lehrplan und bezieht dementsprechend finanzielle Zuschüsse der Bundesrepublik Deutschland, sowie aus Österreich und der Schweiz. Die Verbindung zur St. Gertruds-Gemeinde ist offiziell gekappt, erklärt Kantor Michael Diercks. Gleichwohl sind die Beziehungen freundschaftlich.

Luise Steinberger

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