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Fernsehkorrespondent Stig Fredriksson

Solschenizyns Kurier

Publicerat onsdag 1 september 2004 kl 14.56
Stig Fredriksson in den Siebzigern (Foto: svt)

Dürfen Journalisten Partei ergreifen? In den meisten Fällen lautet die Antwort: Nein.

Aber in manchen Situationen tun sie es doch. Auf dem Höhepunkt des kalten Krieges hat der Korrespondent des schwedischen Fernsehens in Moskau, Stig Fredriksson, für den Schriftsteller und Systemkritiker Alexander Solschenizyn Partei ergriffen. Der Schwede schmuggelte für den Schriftsteller wichtige Dokumente in den Westen. Darüber hat der Journalist Stig Fredriksson nun ein Buch mit dem Titel „Alexanders Kurier - ein Journalistenleben im Schatten des Kalten Krieges" geschrieben.

Es begann mit dem Nobelpreis. Alexander Solschenizyn bekam ihn 1970 zugesprochen. Aus Angst vor Repressalien wagte er nicht, zur Vergabe nach Stockholm zu fahren. Deshalb bekam der schwedische Korrespondent bei einem heimlichen Spaziergang in Moskau seinen ersten Auftrag.

„Es gab damals die Überlegung, ihm den Nobelpreis in seiner Wohnung in Moskau zu überreichen", erzählt Stig Fredriksson. „Ich wurde in diese Vorbereitungen einbezogen. Die Schwedische Akademie, mein Chef beim Fernsehen und Solschenizyns Übersetzer versuchten das zu organisieren. Daraus wurde aber nichts, und deshalb fragte Solschenizyn mich, ob ich seine Dankesrede aus Moskau bringen könnte."

Versteckt in der Filmpackung

Stig Fredriksson tat es. Er wollte einfach helfen, sagt er. Solschenizyn, der Verfolgte, der Isolierte Staatsfeind Nummer Eins, war ein Held für die westlichen Journalisten, und der Korrespondent damals 27 Jahre alt. Kurier für den verehrten Schriftsteller zu sein, das war auch spannend, damals im Kalten Krieg. Zwei Jahre lang schmuggelte Fredriksson für Solschenizyn.

„Die Dankesrede für den Nobelpreis versteckte ich in einer Filmverpackung.  Im Laufe der Zeit schmuggelte ich immer mehr: Briefe und Manuskripte für seinen Verleger in Zürich und persönliche Sachen, die er aus dem Westen benötigte. Irgendwann brauchte ich dabei Hilfe, weil ich ja auch nicht so oft selbst aus Moskau heraus kam. Dann half der Kurierdienst der norwegischen Botschaft. Solschenizyn selbst nannte das später den großen norwegischen Weg."

Wir waren pfiffiger

Die schwedische Botschaft wollte Fredriksson nicht mit einbeziehen. Offizielles Ziel der schwedischen Außenpolitik war es damals, das Sowjetregime nicht zu stützen. Noch heute erscheint es als ein Wunder, dass der sowjetische Geheimdienst KGB den Schmuggelweg nicht entdeckte.

„Ich glaube, wir haben sie ausgetrickst, wir waren pfiffiger", versucht Fredriksson das zu erklären. Aber bis heute kann ich das nicht wirklich fassen. Wenn es jemanden gab, der vollständig kontrolliert wurde, dann war es doch Alexander Solschenizyn."

Entfremdet über Ideologien

Trotz Hilfsbereitschaft und Abenteuer waren dem Korrespondenten die drohenden Konsequenzen wohl bewusst: im schlimmsten Fall wäre er aus der Sowjetunion ausgewiesen worden, was er auf keinen Fall wollte. Als Solschenizyn 1974 die Sowjetunion verlassen musste, trafen sich der Korrespondent und der Schriftsteller im Ausland. Aber da hatten sie sich entfremdet. Dem Korrespondenten war klar geworden, dass der Kritiker aus dem Osten einer Demokratie westlicher Prägung skeptisch gegenüber stand.

Trotzdem würdigt Fredriksson in seinem Buch Solschenizyn für seinen Kampf gegen die Unterdrückung in der Sowjetdiktatur. Nicht zuletzt für die jüngere Generation habe er es geschrieben, die den Kalten Krieg nicht erlebt hat.

Katja Güth

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