Du måste aktivera javascript för att sverigesradio.se ska fungera korrekt och för att kunna lyssna på ljud. Har du problem med vår sajt så finns hjälp på http://kundo.se/org/sverigesradio/
Das Mädchen von Birka

Ein tausendjähriges Kind

Publicerat onsdag 2 november 2011 kl 14.43
„Ihre Eltern würden sie wiedererkennen.“
(5:09 min)
1 av 5
Die sterblichen Überreste des Birkamädchens (Foto: Gabriel Hildebrand SHM)
2 av 5
3 av 5
Kind von Bessergestellten?
4 av 5
5 av 5
Oscar Nilsson legt beschützend den Arm um seine Schöpfung, das sechsjährige Mädchen von Birka. (Foto: Sybille Neveling / Radio Schweden)

Wer hätte nicht schon mal davon geträumt, einem Menschen  aus einer anderen Epoche zu begegnen. Das Museum für Geschichte in Stockholm versucht, diesem Traum Wirklichkeitsgehalt zu geben. In einigen Tagen können die Besucher einer Sechsjährigen gegenüber stehen, die vor ungefähr vor 1.000 Jahren im Wikingerdorf  Birka begraben worden ist.

Ein bisschen ertappt und erstaunt schaut das kleine Mädchen aus. Man fragt sich, was sie gerade anstellen wollte. Vielleicht weglaufen und mit den anderen Kindern ein bisschen unten am Wasser des Mälarsees spielen, obwohl sie eigentlich nähen lernen oder im Haushalt helfen soll? Wer war sie eigentlich?

„Sie weckt so viele Fragen“ sagt Charlotte Hedenstierna-Jonson. „Wir wissen ja nur wenig darüber, wie Kinder zur Wikingerzeit aufwuchsen. Für uns ist auch der Ort Birka mit seinen zahlreichen internationalen Kontakten interessant und die spezielle Bestattung dieses Kindes.“

Charlotte Hedenstierna-Jonson ist Archäologin am Museum für Geschichte in  Stockholm und für die Ausgrabungen in der Wikingerstadt Birka zuständig. Manches kann sie an dem Kinderseklett ablesen: Das kleine Mädchen lebte im 10. Jahrhundert, einer Zeit zu der der Handelsplatz Birka sich wirtschaftlich stark nach Osten orientierte und mit Menschen, die an den Flüssen im heutigen Russland lebten Geschäfte machte. Vielleicht hatte sie etwas mit diesen fernen Gegenden zu tun, vermutet Hedenstierna-Jonson.

Das Kind lag innerhalb der Stadtmauern von Birka begraben. Dieser Friedhof war vermutlich Menschen vorbehalten, die sich etwas vom Gros der Bevölkerung abhoben und ihren Ursprung nicht in der Region hatten. Er lag etwas erhöht und besteht großenteils aus Gräbern, die keine typischen Wikingergräber der Mälarregion sind. Gräber, so die Archäologin, sind auch ein Ausdruck dafür, wie die Angehörigen, die Familie, den Toten und sich selbst sehen. Dieses Kind wird durch seine Grabbeigaben wie eine kleine Erwachsene präsentiert:

- Ein Nadelbehälter aus dem Röhrenknochen eines Vogels,

- eine Kette aus blauen, gelben und silbrigen Glasperlen, die aus dem östlichen Mittelmeerraum importiert worden sind,

- eine Metallschnalle, die typisch für die Mälarregion ist,

- ein kleines Messer.

In monatelanger Kleinarbeit hat ein Expertenteam an der Rekonstruktion des sechsjährigen Birkamädchens gearbeitet.

Handelsüblicher Klebstoff

Der Schädel des Kindes war – vermutlich durch die Bestattung – stark beschädigt. Wie ein Pussle setzte Konservator Ulrik Skans die vorhandenen Teile zusammen. Dabei benutzte er einen handelsüblichen Haushaltskleber, gesteht er lächelnd. Der hält nicht ewig und kommende Generationen von Wissenschaftlern haben so die Möglichkeit, die einzelnen Bestandteile neu zu untersuchen.

Der zusammengeklebte Schädel ist dann im Karolinischen Institut, der Universität Stockholm, mit Computertomographie untersucht worden und aus seinem Abdruck hat Oscar Nilsson das Gesicht rekonstruiert. Dabei arbeitet er nach kriminaltechnischen Methoden. „Die Technik habe ich in England, in Manchester erlernt. Sie wird zum Beispiel benutzt, wenn man das Opfer eines Verbrechens nicht identifizieren kann. Man baut - ausgehend vom Schädel - das Gesicht wieder auf, damit Angehörige es wiedererkennen können."

Charakteristische Züge

Die besondere Schädelform des Birkamädchens fiel dem Team sofort auf, erzählt Oscar Nilsson: „Sie hat eine sehr charakteristische, ovale Schädelform mit einer relativ flachen Stirn. Das ist für Kinder untypisch. Wir wissen nicht genau, worauf diese Form zurückzuführen ist. Außerdem bin ich mir sicher, dass sie eine lange Oberlippe hat, einen großen Abstand zwischen Nase und Mund.“

Wie nah die Rekonstruktion des Mädchens ihrem wahren Aussehen kommt, lässt sich nach tausend Jahren natürlich nicht feststellen. Aber Oscar Nilsson legt beschützend den Arm um seine Skulptur und sagt zuversichtlich: „Ich glaube, dass die Eltern das Birkamädchen wieder erkennen würden. Natürlich kann ich kein Porträt herstellen, aber mit dieser Technik kann man nachgewiesenermaßen die Eigenheiten der Gesichtszüge aus der Form des Schädels konstruieren.“

Grüne Augen und braunes Haar hat Nilsson dem Mädchen gegeben, um ihre mögliche Herkunft im Südosten Europas anzudeuten. Bei der Farbgebung ist das Team auf Mutmaßungen angewiesen:

Das Birkamädchen bekommt ein Leibchen aus Leinen und ein blaues Gewand. Blau und rot waren zur Wikingerzeit teure Farbstoffe und wurden von Bessergestellten getragen. Die wenigen Textilfasern, die die Analyse an der Mantelschnalle feststellen konnte, deuten auf ein besonders feines Gewebe aus Wolle oder Leinen hin.

Informationen über das Alltagsleben des Birkamädchens oder woran es gestorben ist, fehlen dem Forschungsteam, sagt Charlotte Hedenstierna-Jonson, aber: „Wir werden Ernährungsanalysen machen. Daraus können wir dann ersehen, was das Kind gegessen hat und woher diese Lebensmittel stammten. Das gibt uns dann auch Hinweise darauf, ob es aus einer Familie stammt, die nach Birka gezogen war.“

Sybille Neveling

Historiska Museet

Museum für Geschichte (Foto: Hasse Holmberg / Scanpix)

Die Webseite des Museums für Geschichte in Stockholm (auf Englisch):

http://www.historiska.se/misc/menyer-och-funktioner/menyer/globala-menyn/inenglish/

#bild=1977853#

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Har du frågor eller förslag gällande våra webbtjänster?

Kontakta gärna Sveriges Radios supportforum där vi besvarar dina frågor vardagar kl. 9-17.

Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".