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Pflege-Skandal in der Altenfürsorge

Verwahrloste Demenzpatienten wegen fehlender Regeln

Publicerat onsdag 9 november 2011 kl 14.30
Die nötigste Körperpflege muss oft stundenlang warten - für normale Freundlichkeit ist erst recht keine Zeit (Foto: Henrik Montgomery/Scanpix)

Seit Wochen sorgt Schwedens größter Privatanbieter für Altenpflege, Carema, für Aufruhr. Empörte Angehörige und überlastete Pflegerinnen haben vielfach bezeugt, wie miserabel die Versorgung der Alten in den Heimen ist. Gleichzeitig ist das Unternehmen in einem Steuerparadies registriert, und die Chefs werden mit üppigen Boni für Einsparungen im Pflegedienst bedacht. In Schweden ist nun eine Debatte darüber entbrannt, wie den Missständen bei der Pflege genauso wie der Steuerflucht beigekommen werden kann.

Unterernährung, falsche Medikation, Wundliegegeschwüre – die lange Liste der Missstände in der Alten- und Demenzpflege lässt sich keinesfalls nur beim größten Pflegedienst Schwedens, Carema, finden. In den vergangenen Jahren sorgten auch andere Heime und Pflegedienste für Negativschlagzeilen. Doch durch die jüngsten Enthüllungen des Schwedischen Fernsehens und insgesamt viel mediale Aufmerksamkeit in den vergangenen Wochen nun die späte Einsicht beim Amt für Gesundheits- und Sozialwesen: Irgendetwas läuft nicht, wie es sollte. 

Per-Anders Sunesson ist Leiter der Abteilung beim Amt, die für die Kontrolle der Pflegedienste zuständig ist. Er betonte im Schwedischen Fernsehen: „Unsere Aufsicht funktioniert ausgezeichnet. Das Problem ist oftmals, dass die Kommunen ihrer Verantwortung nicht nachkommen. Sie versäumen zu kontrollieren, ob die Pflegeverträge auch erfüllt werden. Wir können aber seit der Gesetzesänderung landesweit überprüfen, ob ein Pflegedienst korrekt arbeitet. Das Gebiet der Altenpflege hat höchste Priorität bei uns, und das ist auch von Regierungsseite so erwünscht.“ 

Neues Gesetz ohne große Wirkung 

Ganz so neu ist das Gesetz jedoch nicht, wie Sunesson glauben machen möchte. Bereits am 1. Januar 2010 wurde die Verantwortung für die Inspektion der Sozialdienste von der Provinzialregierung auf das Amt für Gesundheits- und Sozialwesen überschrieben. Doch erst jetzt, seit sich Berichte über Verwahrlosung in schwedischen Altersheimen häufen, hat das Amt beschlossen, einzelne Kommunen unter die Lupe zu nehmen, meldet das Schwedische Fernsehen. 

Das größte Problem ist ganz offensichtlich, dass verbindliche Regeln bisher fehlen. Darauf weist auch eine, wenngleich nicht repräsentative, Umfrage des Gesundheitsamts unter Angehörigen Demenzkranker und Pflegepersonal hin. Demnach klagt eine Mehrzahl der Befragten über eine kaum zu bewältigende Arbeitsbelastung. In einem der Carema-Altenheime im Stockholmer Stadtteil Hässelby arbeiten die Pflegerinnen unter Hochdruck, erzählt eine Angestellte im Schwedischen Fernsehen. 

„Wir beschweren uns immer wieder, aber keiner kümmert sich darum. Manchmal ist mal stundenlang mit 13 Patienten allein. Mal fällt einer, dann müssen die Patienten auf die Toilette, man kommt gar nicht hinterher. Aber wenn man sich beschwert, heißt es nur, wir müssen Prioritäten setzen.“ 

Fehler im System

Mehr Angestellte könnten die Lösung sein, räumt auch Per-Anders Sunesson vom Gesundheitsamt ein, und verspricht, den zuständigen Kommunen künftig noch mehr auf die Finger schauen zu wollen. 

„Wir sind natürlich bedrückt, wenn wir von solchen Missständen hören. So etwas taucht in regelmäßigen Abständen auf, so dass wir uns auch fragen, wie das eigentlich sein kann. Dass ein Systemfehler zugrunde liegt, ist nicht auszuschließen. Die Frage nach der Belegschaftsstärke liegt auf der Hand, wenn es nicht ausreichend Angestellte gibt, die sich um die Alten kümmern können.“ 

Nun arbeitet das Amt an der Ausarbeitung deutlicher Regeln, die die Personaldecke so festlegen sollen, dass mehr auf individuelle Bedürfnisse der Pflegepatienten Rücksicht genommen werden kann. Berechnungen zufolge sollen die Vorschriften jedoch erst im kommenden Sommer fertig sein. 

Steuerflucht zu Lasten der Patienten? 

Wären nicht die teilweise gravierenden Mängel, hätte wohl kaum jemand ein Auge auf die Eigentümerstruktur beim Pflegeunternehmen Carema geworfen. Der Dienstleister gehört als Teil der Ambea Holding zwei Risikokapitalgesellschaften – eine an der New Yorker Börse, die andere mit Sitz im Steuerparadies Jersey. Von dort fließen Kredite in mehrstelliger Millionenhöhe an die Holding, die in mehreren skandinavischen Ländern tätig ist. Dem Schwedischen Fernsehen zufolge entgehen so allein dem schwedischen Fiskus umgerechnet zehn Millionen Euro jährlich. So wird das Geld auf Jersey als Gewinn an Eigentümer und Unternehmensleitung ausgeschüttet – statt zurück in die Verbesserung der Pflege zu fließen. 

Wohl gerade weil Carema keine Ausnahme darstellt, fasst sich Finanzminister Anders Borg allgemein: „Ich will betonen, dass wir im Falle der Risikokapitalgesellschaften zu Maßnahmen bereit sind. Wir untersuchen, was möglich ist. Die heutige Struktur, wonach Gewinne in Steuerparadiese abgeführt werden, ist völlig inakzeptabel.“

Liv Heidbüchel

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