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Gegen Gehirnschäden im Eishockey

Harte Strafen – Harte Helme

Publicerat fredag 11 november 2011 kl 08.31
Gegen Gehirnschäden: harte Strafen, harte Helme
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Magnus Kahnberg wird blutend vom Eis getragen Foto: Björn Larsson Rosvall / Scanpix Schweden
Leif Boork
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Leif Boork

In den letzten Wochen haben Gehirnverletzungen beim Eishockey immer wieder Schlagzeilen gemacht: meist entstehen sie durch den Angriff eines Gegenspielers – ein Bodycheck. Erst am vorigen Wochenende wurde Magnus Kahnberg von Frölunda beim Erstligaspiel gegen Linköping nach einem brutalen Bodycheck blutend und bewusstlos vom Eis getragen.

„Oh weh oh weh! Das sah ja gar nicht gut aus! Er hat einen Schlag abbekommen und ist sofort zusammengebrochen, ist mit dem Kopf zuerst aufs Eis aufgeschlagen. Bewusstlos, noch bevor er zu Boden geht. Hoffentlich ist das wirklich nur eine Gehirnerschütterung!“

Riskantes Spiel

Bodycheck – also harter Körpereinsatz – hat sich im schwedischen Eishockey zu einem großen Thema entwickelt. Als Berührungspunkte sind dabei Schulter und Hüfte zugelassen. Aber in letzter Zeit kommt es immer wieder zu Regelübertretungen, bei denen Gegenspieler von hinten angegriffen, auf den Kopf geschlagen oder mit Stock, Faust, Helm und Ellenbogen attackiert werden. Der Angriff auf Magnus Kahnberg, den die Sportkommentatoren von Canal Plus hier beschreiben, gilt als der gröbste Verstoß bisher. Nun häufen sich die Forderungen nach Gegenmaßnahmen.

Henrik Zetterberg, Spezialist für Neurochemie an der Sahlgrenschen Akademie, erforscht Gehirnschäden bei Sportlern. Kahnberg hat noch mal Glück gehabt und ist mit einer schweren Gehirnerschütterung davongekommen, stellt der Mediziner fest: „Das hätte wesentlich schlimmer enden können. Der Angriff trifft ihn unvorbereitet. Sein Kopf dreht sich. Es hätte zum Atemstillstand und in der Folge zum Tod kommen können. So wie es jetzt im schwedischen Eishockey läuft, darf es unter keinen Umständen weitergehen.“

Im Adrenalinrausch

Schwedens Eishockeyguru Leif Bork erklärt im Schwedischen Rundfunk, warum die Zahl grober Bodychecks mit Kopfverletzungen als Folge in letzter Zeit so drastisch gestiegen ist: „In den vergangenen zehn bis 15 Jahren sind die Spieler im Schnitt ungefähr zehn Kilo schwerer geworden. Sie sind muskulöser, besser trainiert und treffen ihre Gegner beim Bodycheck somit härter. Abgesehen davon wird Hockey jetzt auch offensiver gespielt, die Spieler laufen mehr, drängen sich mehr um den Puck. Wenn man seinen Gegner nicht schon von Weitem anlaufen sieht, ist man auch nicht so gut auf einen Bodycheck vorbereitet.“

Gespräche - Strafen - Technologie

„Wenn man mit Leib und Seele beim Spiel ist, dann balanciert man ja auf der Grenze, was man physisch und mental leisten kann“, verdeutlicht der frühere Trainer mehrer Elitevereine. „In bestimmten Situationen ist es dann schwer, das innere Gleichgewicht und den gesunden Menschenverstand zu bewahren.“

Bork wünscht sich unter anderem härtere Strafen für Fouls: „Damit allen – Zuschauern, Sponsoren und Jugendlichen – klar wird, dass so was nicht in Ordnung ist. Aber auch die Spieler selbst müssen ihr Verhalten selbstkritisch diskutieren, sowohl untereinander als auch öffentlich. Es geht um die Glaubwürdigkeit des Sports. Wir müssen zeigen, dass wir von solchen Praktiken Abstand nehmen!“

Während die schwedische Hockeywelt noch berät, haben Wissenschaftler der Königlich Technischen Hochschule und des Karolinischen medizinischen Instituts in Stockholm längst einen schützenden Helm mit der sogenannten MIPS-Technik (Multi-directional Impact Protection System) ausgetüftelt.

Gleitschutz

Sie besteht aus einem knallgelben, 30 Gramm leichten Stück Kunststoff, das in den Helm eingearbeitet wird. Peter Halldin führt es im Sportprogramm des Schwedischen Fernsehens vor: „Normalerweise treffen die gefährlichen Erschütterungen den Kopf schräg von der Seite. Wir haben einen gleitenden Schutz im Helm geschaffen, der das eigene Schutzsystem des Gehirns nachahmt.“

Im Versuch saust der Helm mit derselben Kraft auf die Unterlage wie bei einem Hockeyspiel der Kopf auf’s Eis. Innerhalb einer Hundertstel Sekunde wirken 80 G auf den Helm ein. Das bewegliche Kunststoffteil im Inneren des Helmes ahmt die natürliche Reaktion im Kopf des Menschen nach und verstärkt sie. Nach dem gleichen Prinzip wie die Flüssigkeit, die das Gehirn umspült und vor Stößen schützt, gleitet das Kunststoffteil im Helm blitzschnell schützend in die richtige Lage und absorbiert beim Aufprall einen Teil der Energie, die sonst unmittelbar auf das Gehirn wirken und Verletzungen hervorrufen würde.

Schönheit vor Schutz

Dieser Helm ist 40 Prozent sicherer als herkömmliche Helme, sagen seine Entwickler. Als Reit-, Ski- und Fahrradhelm ist er schon im Handel. Aber Eishockeyhelme mit Gleitschutz gibt es noch nicht, bedauert Niklas Steenberg aus der Forschungsgruppe: „Die Helmhersteller glauben oft, dass Sicherheit nicht immer der wichtigste Faktor beim Kauf eines Helms ist. Sie konzentrieren sich auf Design und Trageeigenschaften.“

Welche Helme für eine Mannschaft eingekauft werden, bestimmen die Vereine und die Sponsoren. Aber die Spieler der Eliteklubs sind versichert. Falls ein bestimmter Helm sich als besser erweist, kann die Versicherung ihren Einfluss geltend machen, sagt Lars-Inge Svensson von der Versicherungsgesellschaft Folksam: „Wenn wissenschaftlich bewiesen ist, dass es sicherere Helme gibt, werden wir darauf dringen, das sie benutzt werden. Aber ich muss auch sagen, dass die Verletzungen der letzten Wochen nicht vorgekommen wären, wenn die Spieler sich an die Regeln gehalten hätten.“

Sybille Neveling

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