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Deutschland - nein Danke

Schweden ist meine Heimat

Publicerat torsdag 5 juli 2012 kl 10.00
„Ich bin Schwede"
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Während Henning Hägemann Schenke aus seinem Leben erzählt, macht Katze Lala es sich auf seinem Schoß gemütlich (Foto: Sybille Neveling, Radio Schweden)
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Das schwedische und das deutsche Leben vereint. Die alte Bauweise mit liegenden Balken ist an einer Wand im Wohnzimmer deutlich zu erkennbar. Daran neue gemalte Bilder und alte Fotografien aus dem Familienarchiv (Foto: Sybille Neveling/ Radio Schweden)
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In einer Vitrine stellt Henning Hägemann Schenke unter den Fernbedienungen für den Deutschland-Empfang alte Tapeten aus, die er in seinem mehr als hundertjährigen Holzhaus gefunden hat. (Foto: Sybille Neveling, Radio Schweden)
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Katze Lala auf ihrem Lieblingsplatz, der alten Reisetruhe am Fenster von Flydala (Foto: Sybille Neveling / Radio Schweden)

Viele Einwanderer müssen enttäuscht feststellen, dass sie als hochqualifizierte Arbeitskräfte in ihren ursprünglichen Berufen nicht angestellt werden.

Der Lehrer Henning Hägemann Schenke konnte mit einem zusätzlichen Sprachtest ungefähr dort weitermachen, wo er in Thüringen aufgehört hatte. Inzwischen ist er Direktor einer Schule in Småland. Für ihn gilt das Prinzip: Ich lebe in Schweden, also spreche ich Schwedisch.

„Ich heiße Henning Hägemann Schenke. Ich bin 41 Jahre alt. In Deutschland geboren, vor neun Jahren nach Schweden gezogen. Mir gefällt es in Schweden in jeder Hinsicht.“

Wir sitzen dort, wo es Henning Hägemann Schenke besonders gut gefällt: In seinem über 100 Jahre alten falu-roten Holzhäuschen, versteckt in den manchmal ziemlich düsteren Wäldern der Region Småland. Mit seiner Parabolantenne empfängt der gebürtige Sachse deutsche Fernsehkanäle, das schwedische TV-Angebot sagt ihm nicht recht zu, es erinnere etwas an das alte deutsche Ost-Fernsehen.  In den Regalen stehen schwedische Bücher, sein Autoradio hat Hägemann Schenke auf die nächsten Lokalradiostationen Kalmar und Växjö eingestellt. In diesem beschaulichen Winkel Schwedens hat er sich seine eigene Welt geschaffen. Während unseres Gesprächs wechselt er entspannt zwischen Schwedisch und Deutsch.

Schwedischer Pass

„Das ist bewusst allmählich gewachsen“, sagt er und schaut sich zufrieden um. „Mit dem Grundstück, mit dem Haus mitten im Wald, mit dem Freundeskreis. Und damit fühle ich mich wohl.“

Sind Ihre meisten Kontakte mit Schweden oder Deutschen? Småland ist ja eine der von Deutschen bevorzugten Gegenden Schwedens.

„Es sind sehr viele Deutsche hier, und es kommen sehr viele Deutsche her. Ich habe drei Familien, mit denen ich sehr engen Kontakt habe, worüber ich sehr froh bin. Wir helfen einander sehr viel. Ich habe sehr guten und sehr viel Kontakt zu vielen Schweden, bedingt durch den Beruf, aber auch zu ehemaligen Nachbarn im nächsten Ort. Also es ist beides, Schweden und Deutsche.“

Gelegentlich spricht er sogar mit seinen deutschen Freunden Schwedisch, schmunzelt er, manche fänden das etwas merkwürdig. Seinem Hund und den drei Katzen, sei die Sprache egal, die verstünden ihn sowieso.

Am liebsten esse ich Janssons frestelse, Hackbällchen und Pizza.

Im vorigen Sommer hat Henning Hägemann Schenke geheiratet, ganz romantisch unter einem Baldachin im eigenen Garten. Das weißgestrichene Holzgerüst steht noch dort. Aber das Paar lebt nicht zusammen, gut Ding will Weile haben, und Hägemann Schenke fährt häufig nach Stralsund – mit seinem schwedischen Pass. Einen Umzug zurück nach Deutschland plant er nicht.

Eine neue Heimat

Schweden ist genau das richtige Land für ihn, betont er während er - typisch schwedisch - pechschwarzen Kaffee und – mit deutscher Gastlichkeit - Sprudel einschenkt. Dann erklärt er, was er hier gesucht und gefunden hat:

„Eine Heimat. Eine Heimat mit Natur, mit Kultur. Ich habe mich schon beim Studium damit befasst, als Urlauber und jetzt, wo ich hier wohne. Ich muss immer wissen, was wo in meiner Umgebung ist, sowohl geografisch als auch historisch. Und von daher fühle ich mich sauwohl. Ich fühle mich Zuhause.“

Hägemann Schenke hat in Greifswald zum Gymnasiallehrer für die Fächer Geografie und Geschichte studiert. Damals, 1991 machte er seine erste Reise nach Skandinavien, drei Wochen mit sieben Kommilitonen in zwei Autos. Diese allererste Begegnung mit Schweden begann mit einem typischen Missverständnis:

„Ein weites Land, wo viel Rum verkauft wird. Ich habe gestaunt, aber dann durch den Reiseführer verstanden, dass ‚rum‘ Zimmer bedeutet.“

Was war Ihr erster Eindruck?

„Die Nähe zum Meer, die vielen Seen, es ist ein weites sehr offenes Land.“

Danach ging es jedes Jahr im Urlaub nach Schweden, erzählt Hägemann Schenke weiter. Der optimistische Realist – wie er sich selbst bezeichnet - wäre gerne nach Schweden gezogen. Als das Arbeitsamt in Deutschland dem inzwischen fertig ausgebildeten Lehrer dann eine kostenlose dreimonatige Zusatzausbildung in Rostock zum Umzug nach Schweden anbot, gab es kein Halten mehr. Deutschland gefiel ihm einfach nicht: 

„Ich bin immer noch froh, nicht dort leben zu müssen. Es ist sehr eng. Es wird viel gemeckert. Viel Konsum, viel Werbung und alles dies. Das ist etwas einfacher hier.“

Wie ist das, wenn man als deutscher Gymnasiallehrer zum ersten Mal vor einer schwedischen Klasse steht?

„Das war beim Praktikum in Valdemarsvik. Das war eine fünfte/sechste Klasse in Deutsch. Mein Mentor saß hinten drin. Ich habe mit den Beinen gewackelt. Aber ich bin offen für Kritik, die Schüler haben mich oft verbessert und manchmal auch gekichert oder gelacht. Aber das war mir egal, ich wollte ja auch was lernen und weiterkommen. Und ich wusste ja, dass mein Schwedisch noch nicht perfekt ist. Dafür konnte ich was, was sie nicht konnten: Deutsch. Nach den drei Monaten dort hab ich ein Geschenk bekommen – was ich nicht erwartet hatte – eine schwedische Fahne. Und sie haben mir viel Glück gewünscht, das fand ich sehr nett.“

Nur höflich bitten

Wie war Ihr Verhältnis zu den Behörden zu Anfang?

„Mein Verhältnis war sehr offen. Weil ich wusste, es ist notwendig. Oft gab es Ratgeber oder Kollegen, die sagten, das und das musst du machen. Oder es stand im Internet. Dann bin ich hingegangen, habe gemailt oder angerufen, und dann ist das von selbst gelaufen. Also sehr gute Erfahrungen. Man muss auf sie zugehen, höflich bitten und am besten auch noch ein bisschen Schwedisch können, dann sind sie sehr dankbar, das funktioniert, und dann geht alles seinen Gang.“

Inzwischen ist Henning Hägemann Schenke selbst ein Teil des schwedischen Verwaltungswesens. Nach sieben Berufsjahren als Lehrer bekam er eine Vertretungsstelle als Schuldirektor in Målilla und Järnforsen. Die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem schwedischen Bildungswesen erlebt er in Theorie und Praxis:

„In Schweden unterscheidet man nicht nach der vierten oder sechsten Klasse, in welche Richtung ein Kind gehen soll. Sondern hier gehen alle bis zur neunten Klasse in eine Schule. Man lässt die Kinder sich entwickeln, unterschiedlich weit kommen. Im Unterschied dazu werden in Deutschland sehr oft Wege in die Zukunft verbaut, finde ich.“

Ist das eine andere Sichtweise auf das Kind?

Das denke ich schon. Absolut. Möglichkeiten zu sehen, das ist überhaupt mehr in Schweden. Und deswegen fühle ich mich unter anderem auch so wohl hier. Möglichkeiten sehen, Probleme lösen. Nicht Probleme sehen und meckern, das finde ich, das sind sehr deutsche Eigenschaften.“

Sybille Neveling

Deutsche in Hultsfred

Hultsfredsfestival im April

Die südschwedischen Provinz Kalmar hat rund 234 000 Einwohner. Zu ihnen gehören verhältnismäßig viele Menschen deutscher Herkunft. Von Kalmar aus werden unter anderem die als Ferienziel bekannte Ostseeinsel Öland und die Gegend um den „Astrid-Lindgren-Ort“ Vimmerby verwaltet. In der Gemeinde Hultsfred mit ihren 13 500 Einwohnern, wohnten im Januar 2011 362 gebürtige Deutsche, im Gesamtbereich Kalmar waren es 2 195. (Quelle: SCB)

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