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Kampf gegen Hormongifte

Bisphenol-A-Verbot für Babybrei-Deckel

Publicerat torsdag 12 april 2012 kl 11.50
Vorsichtiges Verbot von BPA
(3:15 min)
Viele Produzenten verzichten bereits auf BPA in Babynahrungsverpackungen

Ein Jahr nach dem Verbot der Chemikalie Bisphenol A (BPA) in Babyfläschchen hat die schwedische Regierung das Verbot auf Deckel von Gläsern mit Babynahrung ausgeweitet. Gleichzeitig erteilte Umweltministerin Lena Ek der zuständigen Behörde den Auftrag, das Vorkommen von BPA in anderen Produkten zu analysieren. Mit dem Verbot vom heutigen Donnerstag könnte Schweden eine strengere Chemikaliengesetzgebung auf EU-Niveau vorantreiben, hoffen derweil Umweltschützer.

Seit Jahren geistert immer wieder die Frage durch die Medien, ob BPA Männer impotent macht. Studien lassen diesen Schluss durchaus zu. Wer also das Beste für sein Kind will, sollte von Produkten, die den hormonellen Schadstoff mit östrogen-ähnlicher Wirkung beinhalten, Abstand nehmen. Das Problem ist nur: BPA steckt in allerhand Plastikwaren und Verpackungen. In mikrowellenfestem Geschirr, Milchtüten, anderen Behältern für Lebensmittel und Getränke, Handys, Haushaltsgeräten, Farben und Lacken, Klebstoffen – überall lauert die BPA-Gefahr. 

„Gefährlich, giftig, krebserregend“ 

Schwedens Umweltministerin verschärft nun das Verbot von BPA in Babyfläschchen. Die Deckel von Babybreigläschen dürften ein weiterer Schritt in Richtung eines umfassenderen Verbots gelten. 

„Dies ist ein Maßnahmenpaket zum Umgang mit BPA in Schweden, weil der Stoff gefährlich, giftig, krebserregend und hormonstörend ist“, erklärte die Umweltministerin im Schwedischen Rundfunk mit Nachdruck. „Das Verbot ist auf die Babygläschendeckel begrenzt, weil Kinder zum einen sehr sensibel sind, zum anderen, weil wir glauben, dass BPA vor allem in dieser Art von Produkten vorkommt.“ 

Zweifel daran, dass BPA auf dieses Produktsortiment begrenzt ist, hegt der Vorsitzende des Naturschutzbundes, Mikael Karlsson. Das Verbot vom Donnerstag bedeute längst nicht, dass sich schwedische Eltern nun in Sicherheit wiegen könnten. „Das Verbot ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer giftfreien Umwelt. Es ist aber noch ein weiter Weg, weil Kinder eben auch über andere Lebensmittelverpackungen in Kontakt mit BPA kommen.“ 

Die schwedische Branchenorganisation für Trinkwasser, Svenskt Vatten, etwa hat längst vor der Verwendung von Wasserleitungen, die von innen mit Plastik beschichtet sind, gewarnt. Zunächst müsse man mehr darüber wissen, wie sich das BPA in der Isolierung auf die Trinkwasserqualität auswirke. Auch andere Länder haben bereits Alarm geschlagen, dass der Hormon-Schadstoff das Wasser verseuchen könne. 

Ohne Fakten kein Verbot 

Umweltministerin Ek will zunächst mehr Fakten sammeln, denn ohne wissenschaftliche Dokumentation ließe sich kein Verbot durchführen. So soll die Chemikalienaufsicht innerhalb der nächsten zwei Jahre herausfinden, in welchen Produkten BPA derzeit verwendet wird. Auch Spielzeug soll dabei genau unter die Lupe genommen werden. Schon innerhalb der kommenden drei Monate soll die Aufsicht klären, ob ein Verbot von BPA in Kassenbons sinnvoll wäre. 

Mikael Karlsson vom Umweltschutzbund ist überzeugt, dass schon das kleinteilige Verbot von BPA in den Babybreideckeln Einfluss auf die Chemikaliengesetzgebung innerhalb der EU haben kann. 

„Die Erfahrung zeigt, dass einzelne Länder durch ihre Aktivität das gesamte System in Frage stellen und es auf diese Weise verbessern. Historisch gesehen gibt es ein Muster, dass Vorreiter-Länder die EU in Sachen Umweltschutz positiv beeinflussen.“

Liv Heidbüchel/ Katarina Helmerson

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