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Stasi-Akten in Schweden

Roland Jahn für Herausgabe an Deutschland

Publicerat fredag 20 april 2012 kl 13.33
„Wir können anbieten, dass die Akten zu uns kommen"
(4:36 min)
Irgendwo in insgesamt 111 Regalkilometern finden sich auch Informationen über schwedische Staatsbürger. Diese können bei der Ausstellung in Stockholm einen Antrag auf Akteneinsicht stellen. (Foto: Scanpix)

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hat sich für die Freigabe von Stasi-Akten stark gemacht, die sich im Besitz der schwedischen Geheimpolizei Säpo. Seine Behörde könne anbieten, dass alle Akten im Archiv in Berlin lagerten, um so der Wissenschaft zugänglich zu sein, sagte Jahn Radio Schweden am Rande einer Ausstellungseröffnung in Stockholm. Die Ausstellung mit dem Titel „Feind ist, wer anders denkt“ ist seit Donnerstag im Stockholmer Europahaus zu sehen.

Es sind die Anträge, die die Ausstellung besonders machen. Die Anträge auf Akteneinsicht. Hier, im zweiten Stock des Stockholmer Europahauses, sind sie so leicht auszufüllen wie nie zuvor in Schweden. Gleich links, wenn man reinkommt, liegen sie - ein Stapel Papier, der zur Eröffnung etwa so hoch ist wie der Buchrücken eines Lexikonbandes. Zwei Stunden später ist der Stapel auf Taschenbuchhöhe geschrumpft. Auch Uwe Kjär hat das einseitige Formular ausgefüllt. Der Hochschullehrer aus Västerås war Ende der 70er Jahre aus der Bundesrepublik nach Schweden ausgewandert. Er erhofft sich einiges von seinem Antrag, denn an seiner ersten Stelle als Forschungsassistent in Göteborg gab es einen regen Austausch mit Professoren aus der DDR:

„Wir haben sehr viele Besuche gehabt von sehr, sehr guten Wissenschaftlern, die dann bei uns waren, und teilweise waren das schon sehr bedrückende Erlebnisse. Ein ganz bekannter Name auch kam zu uns nach Göteborg zu einer ganz normalen Vorlesung. Aber hinterher hab ich auch erfahren, dass er ein Spitzel sei. Und den hab ich zum Beispiel zu Hause auch empfangen: Er war bei mir zu Hause und wir haben Bratkartoffeln gegessen.“

Schwedische Akten weiterhin verschlossen

Die Ausstellung kommt zu einem Zeitpunkt nach Stockholm, da in Schweden über die Aufarbeitung der eigenen Stasi-Vergangenheit diskutiert wird. Das Buch „Inte bara spioner“, auf deutsch: „Nicht nur Spione“, von Birgitta Almgren hat seit letztem Herbst für Aufsehen gesorgt. Mindestens 53 Schweden sollen demnach für die Stasi gearbeitet haben. Almgren konnte nur unter Schweigepflicht auf Material der schwedischen Geheimpolizei zurückgreifen. Die Akten sind weiterhin verschlossen. Auch Roland Jahn weiß davon. Der Chef der Stasiunterlagen-Behörde ist zur Eröffnung angereist. Seiner Ansicht nach wären die geheimen Unterlagen aus Schweden in seinem Amt am besten aufgehoben.

Jahn: „Sache der Schweden, sie zur Verfügung zu stellen"

„Wir können anbieten, dass alle Akten, in welchem Land auch immer, die die Staatssicherheit hinterlassen hat, bei uns im Archiv lagern, damit sie nach unserem Stasiunterlagen-Gesetz der Wissenschaft zugänglich sind. Wir können anbieten, dass die Akten der Staatssicherheit, die in Schweden sind, zu uns kommen. Es ist Sache der Schweden, Sache der USA, wo auch noch Dinge sind, [sie] uns zur Verfügung zu stellen.“

Wer also in diesen Tagen in Stockholm seinen Antrag auf Akteneinsicht ausfüllt, erfährt womöglich nicht das ganze Bild, das sich die Stasi über ihn gemacht hat. Doch wenn nach acht bis zwölf Wochen der Bescheid kommt, dass die Stasi tatsächlich Informationen über einen gesammelt hat, dann solle man sich emotional gut darauf vorbereiten – dass sich zum Beispiel enge Freunde als Spitzel herausstellen können. Das sagt Roland Jahn aus eigener Erfahrung:

„Es war erschreckend, wie die Staatssicherheit eingegriffen hat in das Leben, ein Stückchen Leben gestohlen. Aber es war auch Gewinn, weil ich mir dieses gestohlene Leben wieder ein Stück zurückgeholt habe mit der Einsicht in die Akten.“

Ausstellung bis zum 4. Mai im Europahaus

Die Ausstellung selbst vermittelt auf einem guten Dutzend Schautafeln Basiswissen über die Stasi, ihre Methoden oder ihre politischen Köpfe wie Minister Erich Mielke. Diese grundlegenden Informationen sind auf Englisch zu lesen. Zudem gibt es zwei Schautafeln auf Schwedisch, über den Transitverkehr zwischen Sassnitz und Trelleborg sowie über die außenpolitischen Beziehungen zwischen Schweden und der DDR. Wer aber ins Detail gehen möchte, muss Deutsch können, um mehr über die dargestellten Einzelschicksale zu erfahren. Vom ausgebürgerten Liedermacher Wolf Biermann etwa, oder von dem Stasi-Major, der sich distanzierte und fortan selbst Repressalien ausgesetzt war. Hochschuldozent Uwe Kjär kann auch eine solche Geschichte erzählen, die das klassische Täter-Opfer-Schema aufbricht: Jener Professor, den er als Spitzel bezeichnet hat, stand selbst unter Beobachtung.

„Ich war in meinem Dienstzimmer. Ich war also ganz kleiner Forscherassistent. Und er kam zu mir rein und fragte, ob er ein kleines Gespräch führen dürfte. Wir hatten also Telefon, konnten ins Ausland anrufen, ohne dass es was kostet. Und er fragte, ob er anrufen könnte. Und zwei Sekunden später war so ein Schießhund hinter ihm. Da war also irgend so ein Stasi-Mitarbeiter, der also überwachte, was er machte, was er am Telefon sagt. Und das fand ich so erniedrigend. Wie so ein kleingeduckter Mensch stand er da und fragte mich, ob er diese kleine persönliche Freiheit von mir bekommen könnte. Und das konnte er nicht.“

„Feind ist, wer anders denkt“ – so lautet der Titel der Ausstellung. Sie ist bis zum 4. Mai, montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, im Europahaus in Stockholm zu sehen.

Jan Kröger

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