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Stasi in Schweden

IM Thomas: „Ich bereue tief" - Kirche wartet auf Stellungnahme

Uppdaterat torsdag 26 juli 2012 kl 15.40
Publicerat torsdag 26 juli 2012 kl 09.11
"Es muss noch mehr Informationen geben"
(2:43 min)
Stasi-Kartei, hier in einer Ausstellung in Berlin

Der schwedische Pfarrer Aleksander Radler, der beschuldigt wird, in Schweden für die Staatssicherheit der DDR spioniert zu haben, hat die Spionagetätigkeit eingeräumt. Das berichtet die Tageszeitung Dagens Nyheter.

Demnach habe Radler der Zeitung zwar nicht selbst für ein Interview zur Verfügung stehen wollen. Seine Ehefrau Bettina habe auf die telefonische Anfrage hin jedoch bestätigt, dass es sich bei Radler um den „IM Thomas" handele. Er soll der Stasi über zwei Jahrzehnte kontinuierlich Berichte geliefert haben, unter anderem über die schwedische Kirche. In einer Mail an die Zeitung schreibt der Pfarrer, er bereue „den gesamten Handlungsverlauf tief" und werde seine Lebensgeschichte in den kommenden Jahren aufarbeiten.

Radler war bereits 1994 im Rahmen einer deutschen Untersuchung über die Verfolgung von Theologiestudenten an der Berliner Humboldt-Universität als „IM Thomas" enttarnt worden. Im September 2011 hatte die schwedische Professorin Birgitta Almgren den Fall unter Anonymisierung des Namens des Betroffenen in ihrem Buch „Inte bara spioner" (Nicht nur Spione) aufgegriffen. Im Oktober 2011 hatte die Tageszeitung Västerbotten-Kuriren enthüllt, dass es sich bei dem informellen Mitarbeiter um einen Pfarrer im Stift Luleå in Nordschweden handelte. Eine Delegation der schwedischen Kirche nahm daraufhin im Juni dieses Jahres in Berlin Einsicht in die Radlers Akte.

Wenig Konkretes in den Akten

Bei dem Besuch der Stasi-Unterlagenbehörde war auch die Justiziarin des betroffenen Stifts in Luleå, Anna Wernqvist, dabei. Es finde sich nicht viel Konkretes in den Akten, sagt sie, etwa über welche Personen Aleksander Radler als IM Thomas an die Stasi berichterstattet habe, oder welche Informationen genau er weitergegeben habe. Dennoch ist Anna Wernqvist überzeugt, dass die Mitarbeiter der Stasi-Unterlagenbehörde noch mehr finden werden. Immer noch werden dort Unterlagen zu dem Fall rekonstruiert.

„Als wir dort vor Ort waren, wurde mir klar, dass es noch mehr geben muss, was eventuell wieder zusammengepuzzelt werden kann.“

Laut dem Bericht in der Tageszeitung Dagens Nyheter soll Radler über schwedische Studenten, Pfarrer und die Einstellung der schwedischen Kirche gegenüber der DDR berichtet haben. Außerdem habe er im Speziellen Berichte zu drei Bischöfen weitergeleitet. In einem Dokument habe er demnach sogar einen DDR-Flüchtling in Uppsala an die Stasi verraten, der Teil eines Netzwerks war, das eine internationale Fluchtstrecke aus der DDR organisierte.

Dass Radler für seine eifrige Spionagetätigkeit mit Strafen rechnen muss, glaubt Anna Wernqvist nicht: „Was er in Ostdeutschland getan hat, entsprach den Gesetzen in der DDR, war also nicht illegal. Ob er in Schweden etwas Ungesetzliches getan hat, dazu kann ich nur sagen, dass er ja nicht angeklagt worden ist, und eventuelle Vergehen wären ja vermutlich bereits verjährt.“

Warten auf eine Stellungnahme Radlers

Dass Aleksander Radler gerade als Pfarrer das Vertrauen der Menschen enttäuscht hat, macht den Fall besonders schwierig. Dass er so lange dementiert hat, was in Deutschland bereits seit Mitte der 1990er Jahre bekannt war, ist schwer zu verstehen. Laut Anna Wernqvist wartet man derzeit auf eine Stellungnahme Radlers. 

Der ehemalige Stasi-Spitzel ist zwar mittlerweile pensioniert, riskiert aber, das lebenslange Recht auf Ausübung des Pfarreramtes zu verlieren.

„Das, was jetzt geprüft werden soll, ist seine Zulassung als Pfarrer. Dabei gehen wir aber nicht davon aus, was vor Jahren passiert ist, auch vor seiner Zeit als Pfarrer, sondern berücksichtigen, wie er die Informationen dementiert hat, wie er heute dazu steht.“

Auch wenn die Stellungnahme Radlers bald beim Domkapitel eingeht, werde es mindestens noch bis nach dem Sommer dauern, bis man eine Entscheidung treffe, so Wernqvist.

Anne Rentzsch/ Bettina Rehmann

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