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Pride und Counter Jihad

Brisantes Zusammentreffen in Stockholm

Publicerat fredag 3 augusti 2012 kl 16.00
Ruhe vor dem Sturm?

Schwedens Hauptstadt rüstet sich für einen turbulenten Samstag. Zur Abschlussparade des Homo-Bi- und Transfestivals Stockholm Pride werden an die 45.000 Zuschauer erwartet. Darüber hinaus kommen ebenfalls am Samstag die Spitzen der antimuslimischen so genannten Counter Jihad-Bewegung nach Stockholm, um sich nach eigenen Worten erstmals weltweit zu konstituieren. Gegen ihren geplanten „Marsch für Freiheit“ sind wiederum Protestdemonstrationen geplant.

Zu den angekündigten Rednern auf dem umstrittenen Treffen gehören Repräsentanten des Netzwerks „Stoppt die Islamisierung“, das auf nationaler und transnationaler Ebene sowie weltweit organisiert ist. Erwartet werden insbesondere Pamela Geller und Robert Spencer, die Hauptpersonen von „Stoppt die Islamisierung Amerikas“; beide sind vor allem als Schriftsteller und Blogger bekannt. Dabei ist außerdem die englische Straßenprotest-Bewegung „English Defense League“, gemeinsam mit weiteren nationalen Abteilungen , so der „Swedish Defense League“. Die Teilnehmer des Treffens seien schon jetzt teils eng verbandelt, betont man bei der antirassistischen Stiftung Expo, die den Counter Jihad als antimuslimisch und intolerant charakterisiert: „Nuancen innerhalb des Islam sind für die betreffenden Organisationen kaum von Interesse“, so Anna-Sofia Quensel von Expo. „Sie behaupten, dass es sich beim Islam nicht um eine Religion handelt, sondern um eine Ideologie – diese Ideologie müsse man bekämpfen, weil sie droht, die westliche Welt zu übernehmen und ihre Werte zu zerstören.“

Waschgang in Rosa

Die Arrangeure begründen die Wahl des Veranstaltungsortes mit dem islamistischen Selbstmordattentat in Stockholm vom Dezember 2010. Von einem Zusammenhang mit der Pride-Parade ist offiziell nicht die Rede. In Teilen der Homo-, Bi- und Trans (HBT)--Bewegung geht man aber davon aus, dass das Zusammentreffen des Counter Jihad-Marsches mit dem Höhepunkt von Pride kein Zufall ist. Deutlich sei das Kalkül, von der öffentlichen Aufmerksamkeit für die Parade zu profitieren. „Sasha", die sich nicht unter ihrem wirklichen Namen äußern möchte, vermutet außerdem so genanntes „Pinkwashing“ Der Begriff bezeichnet den Versuch, sich selbst als Freund sexueller Minderheiten darzustellen und auf diese Weise das eigene demokratische Image aufzupolieren und das von Gegnern zu diskreditieren. „Die English Defense League hat inzwischen eine eigene HBT-Gruppe in England“, so „Sasha“. „Man hat in jüngster Zeit mehrfach parallel zu Pride-Veranstaltungen demonstriert, man wendet sich ganz gezielt an HBT-Personen und stellt Muslime als Hauptfeinde sexueller Minderheiten dar.“ Als Mitglied der 2011 gegründeten schwedischen „Queers againstPinkwashing" wehrt sich „Sasha“ gegen solcherlei Vereinnahmung: „Zu sagen, eine bestimmte Gruppe ist das Problem, verschiedene Gruppierungen gegeneinander auszuspielen – das schadet der gesamten Bewegung. Ich glaube nicht, dass wachsender Rassismus der HBT-Bewegung nutzt.“

Weit verbreitetes Schweigen

Für den Samstag hat „Queers against pinkwashig“ deshalb zu einer Gegendemonstration aufgerufen. Während die Polizei versucht, einen Überblick über das Konflikt- und Gewaltpotenzial im Zusammenhang mit den Veranstaltungen am Samstag zu gewinnen, sei der Kenntnisstand zum Phänomen Counter Jihad in Schweden insgesamt noch ungenügend, findet der namhafte Terrorismus-Forscher Magnus Norell. Er selbst, so räumt er auf Anfrage ein, habe jedenfalls von einer Organisation wie „Stoppt die Islamisierung“ bisher keine Kenntnis gehabt. Ohnehin sei das Thema Islam und Islamismus neuralgisch: „In Schweden ziehen wir es vor, darüber zu schweigen. Menschen, die sich gegen Islamismus aussprechen, werden gern reflexartig als islamophob und als Rechtsextreme abgestempelt – damit ist die Sache dann abgeschlossen.“ In Deutschland beispielsweise sei die Debatte weitaus nuancierter: „Dort hat man ganz andere, handgreifliche Erfahrungen – das betrifft terroristische Gewalt, aus der Zeit von Baader-Meinhof in den 1970-er und 80-er Jahren, das betrifft Nazismus. Man hat daher ein feineres Gehör für Zwischentöne . Wir blieben von solchen Erfahrungen verschont, und das merkt man.“

Über die Wahl Stockholms als Austragungsort des Treffens zeigt sich Norell erstaunt – die Teilnehmer, meint er, würden hier zu Lande vor allem auf Ablehnung treffen. Bei Expo sieht man zudem den Einfluss der schwedischen, 2011 gegründeten Swedish Defense League mit ihren offiziell unter 100 Mitgliedern als relativ gering. Gleichwohl dürfte der geplante „Freiheitsmarsch“ in Schweden neben Ablehnung auch Beifall finden – nicht zuletzt unter den Anhängern der seit 2010 im Parlament sitzenden Schwedendemokraten.

Anne Rentzsch

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