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Serienmörder Thomas Quick

Schwedische Justiz unter Druck

Publicerat måndag 6 augusti 2012 kl 13.17
„Beteiligte sollten zu ihrer Verantwortung stehen"
(3:10 min)
Thomas Quick: Serienmörder, oder nur der Lügensucht verfallen?

Im Rechtsfall des seit 18 Jahren inhaftierten Serienmörders Thomas Quick droht der schwedischen Justiz ein handfester Skandal.

In acht Fällen war Quick, der sich inzwischen Sture Bergwall nennt, wegen Mordes verurteilt worden. Seitdem der an einer Persönlichkeitsstörung leidende Quick vor drei Jahren sein Geständnis in einem der Mordfälle widerrufen hatte,  sind zunehmend Verfahrensfehler in dem Aufsehen erregenden Rechtsfall  ans Licht gekommen. In drei Mordfällen ist Quick inzwischen freigesprochen worden, und auch für weitere Verurteilungen wurde die Wiederaufnahme des Verfahrens bereits angekündigt. Nun werden Forderungen nach einer umfassenden Prüfung des geltenden Verfahrenssystems in Schweden laut.

Sämtliche Urteile im Fall Thomas Quick bauten im Wesentlichen auf eigenen Geständnissen auf, in denen er nicht nur in allen acht Anklagen seine Schuld eingestanden, sondern auch die Verantwortung für 20 weitere, bis heute unaufgeklärte Morde aus den Jahren 1994 bis 2001 übernommen hatte. 2009, nachdem Journalisten Ungereimtheiten im Justizverfahren gegen Quick aufgedeckt hatten, sendete das Schwedische Fernsehen einen Dokumentarfilm, in dem Quick unter Tränen alle seine Geständnisse zurücknahm. Er erklärte, dass er während der Prozesse unter Medikamenten gestanden hatte und von der Staatsanwaltschaft zu seinen Geständnissen gedrängt wurde. Der Film setzte 2009 die Wiederaufnahme von drei Verfahren in Bewegung, in denen Quick letztlich auch freigesprochen wurde.

Unabhängige Kommission soll Quick-Verfahren untersuchen

Eines dieser Verfahren handelte um den damals verschwundenen 11-jährigen Johan, dessen Vater Björn Asplund nun zu den Kritikern gehört, die eine umfassende Untersuchung der in Schweden geltenden Justizverfahren fordert. Eine unabhängige Kommission solle eingesetzt werden, die Schwierigkeiten im Falle Quick untersuchen, und ein neues Regelwerk für kommende Fälle ausarbeiten solle. „Was geschehen ist, lässt sich nicht mehr rückgängig machen“, sagte der Vater des verschwundenen Jungen im Schwedischen Rundfunk. „Es könnte aber vielleicht verhindert werden, dass sich die Ereignisse nochmals wiederholen.“

Auch Mattias Göransson – einer der Journalisten, die erste Ungereimtheiten im  Fall Quick ans Licht gebracht hatten – fordert eine umfassende Untersuchung aller beteiligten Behörden. Es reiche nicht aus, dass Gerichte mit ihrem Freispruch in drei Fällen ihre Verantwortung übernehmen. Beteiligt seien nämlich auch die Behörde für Rechtsmedizin sowie psychiatrische Einrichtungen. Der Skandal umfasse viele Beteiligte, die zu ihrer Verantwortung und Schuld stehen sollten, so der Journalist.

Schwedische Medien: „Schlampigkeit der Justiz“

Der leitende Staatsanwalt im Quick-Prozess, Christer van der Kwast, sieht hingegen keine Notwendigkeit einer Kommission, die das Rechtsverfahren im Fall Thomas Quick untersuchen sollte. „In der heutigen Lage sehe ich nicht, dass die bestehenden Untersuchungsergebnisse der Änderung bedürfen. Dies ist allerdings nur meine persönliche Meinung“, so van der Kwast im Schwedischen Rundfunk.

Nach zunehmendem Auftauchen von Verfahrensfehlern vor drei Jahren hatten die schwedischen Medien viel von einer „Schlampigkeit der Justiz“ gesprochen. So hatte etwa der von Quick geschilderte Tathergang  in manchen Fällen nicht mit den Rekonstruktionen der Ermittler übereinstimmt. Auch hatte er die Kleidung seiner Opfer nur ungenau schildern können. Thomas Quick wurde Anfang der 90er Jahre in eine rechtspsychiatrische Klinik eingewiesen,  in der er während seiner Therapiesitzungen die meisten seiner Geständnisse abgegeben hatte. War anfänglich noch kein Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Aussagen aufgekommen,  wuchs zunehmend die Skepsis nachdem Quick mehr und mehr Morde auf seine Schultern genommen hatte. Im Zuge der öffentlichen Diskussion, in der er einerseits als Serienmörder, andererseits als der Lügensucht verfallen abgestempelt wurde, hatte Quick seit dem Jahr 2001 von weiteren Aussagen weitgehend Abstand genommen. Er befindet sich heute nach wie vor in der geschlossenen Abteilung einer Klinik, nachdem  vor zwei Jahren das Oberverwaltungsgericht  im nordschwedischen Sundsvall die Fortsetzung seiner psychiatrischen Behandlung angeordnet hatte.

Hansjörg Kissel / Anna Eriksson

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