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Eine Abhängigkeit wie jede andere

Spielsucht ist neue Sommerferien-Krankheit

Publicerat tisdag 7 augusti 2012 kl 11.58
Spielsucht mit Alkoholismus gleichsetzen
(4:18 min)
Viel Input, wenig Output

Wenn sich Kinder und Jugendliche in den langen Sommerferien immer häufiger zum Spielen am Computer in ihr Zimmer verkriechen, nicht mehr duschen und Zähne putzen, sollten die Alarmglocken schrillen. Einer von zehn Jugendlichen in Schweden ist schwer abhängig von Computerspielen, wie Forschung zeigt. Im Sommer steigt das Risiko demnach an.

Mit 15 Jahren fing Johan, der eigentlich anders heißt, mit Pferdewetten an. Nach einigen Jahren war Johan schwer abhängig und verspielte monatlich bis zu 10.000 Euro, erzählt er im Schwedischen Fernsehen. „Die Nächte waren voller Ängste, denn ich wusste natürlich, dass das Spielen falsch ist.“ Die Schulden bezahlt der heute 45-Jährige heute noch ab. 

Wie Johan geht es zwei Prozent der schwedischen Bevölkerung. Zum Vergleich: Vier Prozent der Schweden sind Alkoholiker. Von Computerspielen kann sich inzwischen jeder zehnte Jugendliche nicht mehr losreißen, zeigen Untersuchungen der Universität Uppsala. Gerade wenn der äußere Rahmen mit Schule und anderen Verpflichtungen im Sommer in Schweden für ganze zehn Wochen wegfällt, spielen viele Jugendliche tagein, tagaus. Wenn im Herbst wieder der Schulalltag beginnt, schwänzt so mancher und verpasst schließlich ganz den Anschluss, so ein Experte gegenüber der Zeitung Dagens Nyheter. 

Spielsucht mit Alkoholismus gleichsetzen 

Anders Tengström ist Spielforscher am Karolinska Institut und der Meinung, dass Spielsucht längst mit Alkoholismus gleichgestellt gehört. In Kürze ist es soweit. Für die Abhängigen würde es dann auch per Gesetz deutlich mehr Hilfe geben, ist Forscher Tengström sicher. 

„Die Spielsucht bekommt durch die medizinische Abhängigkeit ein anderes Gewicht. Wer sich in so einem Zustand befindet, kann nicht einfach aufhören, sondern hat ein ernsthaftes Problem, das man nur mit Hilfe von außen lösen kann.“ 

In den Kommunen zeigt sich heute ein sehr unterschiedliches Bild im Umgang mit Spielsüchtigen, kritisiert der Forscher. In manchen gibt es Behandlungszentren, in den meisten jedoch noch nicht. Dort sind die Spielsüchtigen im Gegensatz zu Alkoholikern und Drogenabhängigen sich selbst überlassen. 

„Auf Krankenpflege verstehen wir uns nicht“ 

Erst kürzlich kritisierte der Staatliche Rechnungshof das staatliche Spielmonopol Svenska Spel, nicht ausreichend vorbeugend gegen die Spielsucht zu unternehmen. Das Monopol werde nicht seiner Aufgabe als sozialer Schutz gerecht, übertriebenes Spielen zu verhindern. Zu wenig Geld werde in Forschungund vorbeugende Maßnahmen investiert, so die Kritik.

Im Schwedischen Fernsehen erklärte der Direktor von Svenska Spel, Lennart Käll: „Wir sind keine Pflegeinstanz, sondern unser Fachgebiet ist das Spiel. Wir wissen, welche Spiele gefährlicher sind als andere, und können dort einschreiten, so dass nicht noch mehr Menschen spielsüchtig werden.“ 

So lobt sich Svenska Spel etwa dafür, dass man keine Werbung für die gefährlichen Spiele wie Kasino und Automaten macht. Zudem verweist das Spielmonopol auf Altersgrenzen und die Forderung nach einem Spiel-Budget. Interessanterweise mischt sich Svenska Spel auch in die Forschungsdebatte ein und verweist auf Erkenntnisse, wonach Freiwilligkeit sehr viel mehr bringe als Zwang. Soll heißen: Der Süchtige setzt sich selber Grenzen, so Källs Interpretation, und weist damit jegliche Verantwortung seitens Svenska Spel von sich. 

Freiwilligkeit nicht belegt 

Von Studien, die den Aspekt der Freiwilligkeit bei der Suchtbekämpfung belegen, weiß man weder beim Amt für Volksgesundheit noch bei der Vereinigung für Spielsüchtige etwas. Anna-Karin Rybeck forscht seit neun Jahren am Karolinska Institut zu Spielsucht. Auch ihr sind die Verweise von Lennart Käll neu: „Mir ist keine veröffentlichte schwedische Studie und auch keine internationale bekannt, die die Aussage belegt. In Schweden gibt es keinerlei Studien auf dem Gebiet.” 

Finanzmarktminister Peter Norman verspricht, dass sich bald etwas tun wird und Svenska Spel deutlicher umrissene Aufgaben bekommt. „Die Frage ist sehr komplex. Wir müssen uns um Spielprobleme, Abhängigkeit, Steuergelder kümmern. Das stellt uns vor ganz andere Herausforderungen als noch vor 25 Jahren. Die Regierung arbeitet seit einiger Zeit an einer neuen Gesetzgebung für die Spielpolitik. Die Spielsucht steht dabei im Mittelpunkt. Wir hoffen, noch vor Ende der Legislaturperiode einen entsprechenden Vorschlag einzubringen.“

Liv Heidbüchel

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