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Schwedens vorläufige Olympia-Bilanz

Frust, Komik und ein Besuch bei Usain Bolt

Publicerat torsdag 9 augusti 2012 kl 13.57
Enttäuschende Favoriten und unverhoffte Überraschungen
(6:56 min)
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Trauriger Bescheid von Rolf-Göran Bengtsson (Foto: Maja Suslin / Scanpix)
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Sein Pferd Casall hat sich vor dem Finale im Springreiten verletzt. (Foto: Tobias Röstlund/Scanpix)
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Jubel dagegen bei Schwedens Handball-Herren - Sieg über Dänemark (Foto: Janerik Henriksson)
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Auch eine olympische Trophäe? (Foto: AFP Photo/Eric Feferberg/Scanpix)

Schweden ist nicht glücklich mit seinem bisherigen Abschneiden bei den Olympischen Spielen. Zwar gab es Medaillen – sogar eine goldene – vor allem beim Segeln und Ringen. Doch die großen Hoffnungen haben bisher alle enttäuscht. Am Mittwoch war es schließlich ganz dick gekommen, als Goldmedaillen-Anwärter Rolf-Göran Bengtsson mitteilen musste, dass sein Pferd Casall nicht fit für das Finale im Springreiten ist. Als Hoffnungsschimmer bleibt den Schweden jetzt die Handballmannschaft, die am Mittwochabend Europameister Dänemark im Viertelfinale niedergerungen hat. Jetzt wird wieder vom Gold geträumt.

Die Situation hat beinahe schon etwas liebenswertes und hilfloses an sich: Der Reporter der Hauptnachrichtensendung des Schwedischen Fernsehens besucht die chinesische Reporterdelegation in London und rechnet seinen Kollegen vor, dass sie im Medaillenspiegel ganz weit hinten liegen. Denn – so hat sich der Schwede das ausgerechnet – es müsse ja gezählt werden, wie viele Medaillen ein Land pro Einwohner erziele. Und dann, ja dann sieht die Welt schon wieder ein bisschen besser aus. China landet dann mit seiner Menge Medaillen und mit einer Bevölkerung von über einer Milliarde auf dem 40. Platz im Medaillenspiegel. Mit dieser Sichtweise hat Schweden bisher drei Mal so viele Medaillen abgeräumt wie die USA und gar zehn Mal so viel wie China. Diesen Rechnereien widmete die Hauptnachrichtesendung ganze drei Minuten Sendezeit.

Der Frust sitzt tief. Gerade an diesem Mittwoch, denn am Vormittag hatte Springreiter Rolf-Göran Bengtsson mitgeteilt, dass Casall nicht im Finale antreten kann. „Das zeigt, wie sensibel dieser Sport ist. Wir haben versucht, alles richtig mit dem Pferd zu machen. Ich habe das Pferd jetzt sieben Jahre geritten und es hat sich nie etwas eingetreten. Und dann passiert das ausgerechnet jetzt. Casall hat sich auf dem Parcours für Mannschaftswettbewerbe irgendetwas eingetreten. Es hat geblutet. Das ist so, als ob sich ein Mensch das Nagelband aufreißt. Das tut sehr weh“, Bengtsson gegenüber dem Schwedischen Rundfunk.

Seelischer Schmerz

Der Schmerz war nicht nur bei Bengtsson dann eher seelischer Natur. Der Sportler des Jahres 2011 hatte sich akribisch vorbereitet und scheitert wenige Augenblicke vor dem eigentlichen Wettbewerb.

Und auch die schwedische Seele leidet, denn an diesem Mittwoch paddeln dann auch noch die mit großen Hoffnungen versehenen Henrik Nilsson und Markus Oscarsson im Zweier-Kajak an einer Medaille vorbei.

Zu Beginn der Spiele hatten bereits die Schwimmer – allen voran die Gold-Hoffnung Sarah Sjöström – enttäuscht.

Doch ganz so schlimm sei die Bilanz kurz vor Ende der Spiele nicht, meint Stefan Elofsson von der Sportredaktion des Schwedischen Rundfunks:„Das sind wohl gemischte Gefühle. Wir liegen ja über den Erwartungen was die Anzahl der Medaillen betrifft, die vom Schwedischen Olympischen Komitee vor den Spielen formuliert wurden. Wir haben sieben Medaillen. Es werden vielleicht acht oder neun. Aber auf der anderen Seite haben sich die ganz großen Hoffnungen wie eben Sarah Sjöström oder Rolf-Göran Bengtsson nicht erfüllt. Dagegen durften wir uns über Überraschungen im Segeln und Ringen freuen. Die Favoriten sind mit dem Druck nicht klar gekommen. Aber von der Medaillenzahl her scheint das eine gute Olympiade zu werden.“

Licht und Schatten

Auch von Radio Schweden befragte Passanten sehen Licht und Schatten in der schwedischen Olympia-Zwischenbilanz:

„Ich habe nicht solche Erwartungen. Ich finde es schön, mal andere Sportarten zu sehen.“

 „Ziemlich schlecht alles. Ich hatte zwar keine Erwartungen, aber viele Medaillen gab es wohl nicht.“

„Im Handball lief es ja gut. Und im Segeln. Aber am liebsten sehen ich Leichtathletik.“

„Das war wohl mittelmäßig. Es läuft schlecht, wo wir gedacht haben wir holen Gold, wie im Schwimmen oder Springreiten. Aber die Ringer waren ja gut. In der Leichtathletik haben wir keine Stars.“

„Ziemlich schlecht. Ich hatte mehr erwartet. Ich bin zwar kein Fanatiker, aber ein paar Erfolge mehr wären schon schön gewesen.“

„Das war doch gar nicht so schlecht, dafür dass wir so ein kleines Land sind.“

Medaillen genau ausgerechnet

Vor den Spielen rechnen die Medien immer genau aus, wer in welcher Disziplin, welche Medaille holt. Da der Sport aber eben unberechenbar ist, gibt es Enttäuschungen wie auch Überraschungen.

Die Schweden üben meist Nachsicht mit ihren Athleten, auch wenn sie enttäuscht werden, wie Stefan Elofsson von Zuhörerreaktionen weiß: „Wir bekommen manchmal Kritik, wenn wir Sportler interviewen, die die Erwartungen nicht erfüllt haben. So zum Beispiel haben wir den Stabhochspringer Alhaji Jeng in Frage gestellt, weil er keinen gültigen Versuch hatte, wir aber von ihm wissen, dass er Potential hat. Wir Reporter fragen dann, woran es gelegen hat. Manche Zuhörer finden jedoch, wir sollten ihn in Ruhe lassen.“

Handballerinnen beim Sprinter-Star aus Jamaika

Wer in der Arena nicht zu Ruhm und Ehren gelangt, kann sich auf andere Weise Erfolgserlebnisse in London verschaffen. Dies haben Jamina Roberts, Ulrika Ågren und Isabelle Gulldén von der Handballmannschaft demonstriert. Den drei Schwedinnen ist es gelungen, ein privates Treffen auf dem Hotelzimmer mit niemand Geringerem als dem Superstar der Spiele, Usain Bolt, zu arrangieren. Das eineinhalbstündige Tête à Tête brachte den drei Damen jede Menge internationale Aufmerksamkeit ein, nicht zuletzt auch, weil Bolt auch gleich mit Bildbeweis darüber getwittert hat.

Stefan Elofsson wäre ein Erfolg in einer olympischen Sportart jedoch lieber gewesen: „Ich kann schon verstehen, dass man nicht Nein sagt, wenn man auf Usain Bolts Zimmer eingeladen wird. Aber es ist schon unglücklich. Die Handballdamen waren ja als Medaillenkandidaten nach London gekommen und haben alle Spiele verloren und sind vorzeitig ausgeschieden. Das sieht dann nicht gut aus. Viele, die den Sport mit Interesse und Begeisterung verfolgen, möchten dann wenigstens sehen, dass die Sportler selbst auch enttäuscht sind, wenn sie ihre Leistung nicht bringen.  Das haben sie wohl nicht gerade da in dem Hotelzimmer signalisiert, als sie die Fotos gemacht haben. Da kann ich schon verstehen, wenn manche sagen, dass sie auf ihren eigenen Zimmern Trübsal blasen sollen.“

Bleibt die Hoffnung, dass Schwedens Handball-Herren die moralischen und sportlichen Anforderungen der Schweden erfüllen. Ein erster Schritt ist getan, mit dem Viertelfinalsieg über Dänemark. Und sollte die Mannschaft von Staffan Olsson und Ola Lindgren gar Gold holen, hätte die schwedische Olympia-Bilanz doch noch einen ganz besonderen Glanz.

Dieter Weiand

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