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Gewerkschafter:

Deutsche Krankenschwestern zu schlecht für Schweden

Veröffentlicht fredag 30 november 2012 kl 14.48
"Hohes Ausbildungsniveau fehlt bei den deutschen Krankenschwestern“
(4:36 min)
Hoffentlich keine deutschen Hände im Spiel?

Der Ministerrat der EU diskutiert diese Woche über Angleichungen der Ausbildungen von Krankenschwestern in Europa, wobei sich Schweden mit dem deutschen System auf direktem Kollisionskurs befindet. Deutsche Krankenschwestern zieht es vermehrt auf den schwedischen Arbeitsmarkt und gefährden mit ihrer schlechteren Kompetenz die Sicherheit der Patienten, meinen Vertreter schwedischer Gewerkschaften.

Das schwedische Gesundheitswesen wird regelmäßig von neuen Hiobsbotschaften erschüttert. Chronische Überbelegung in den Krankenhäusern, Mangel an qualifiziertem Personal und die prekären Sommermonate, in denen sich ein Großteil der Belegschaft ins Ferienhäuschen verabschiedet sind nur die bekanntesten Bespiele.

Bei deutschen Krankenschwestern hingegen steht Schweden als Auswanderungsland nach wie vor hoch im Kurs. Offene Stellen und interessante Arbeitsaufgaben locken die deutschen Fachkräfte – im vergangenen Jahr etwa suchten über 50 ihr Glück in dem nordischen Land. Allein in der spezialisierten Krankenpflege sind derzeit etwa 300 Stellen unbesetzt. Sollte sich der gegenwärtige Personaltrend fortsetzen, schätzt das Statistische Zentralamt die Zahl der bis zum Jahr 2030 fehlenden Krankenschwestern auf etwa 30.000.

Patientensicherheit gefährdet

Der Zuzug  deutscher Krankenschwestern müsste angesichts solcher Zahlen wie Balsam auf der gesundheitspolitischen Seele sein. Mit deutschem Abschluss in der Tasche können sich die Bewerber, solange sie grundlegende Sprachkenntnisse mitbringen, um eine schwedische Lizenz bewerben und direkt auf den schwedischen Arbeitsmarkt begeben. Die Gewerkschaften der Branche sehen jedoch mit Argwohn auf die deutschen Ausbildungsstandards: Diese befänden sich lediglich auf dem Niveau schwedischer Krankenpflegehelfer, schreiben mehrere Gewerkschafter an exponierter Stelle in der Tageszeitung Dagens Nyheter. Innerhalb der EU hätten deutsche Krankenschwestern und - Pfleger freien Zugang zum schwedischen Arbeitsmarkt, auf dem sie anschließend aufgrund ihrer geringeren Kompetenzen an den Arbeitsaufgaben scheitern würden. Dies riskiere die Sicherheit der Patienten und müsse, laut den Verfassern des Artikels, gestoppt werden.

In Schweden durchlaufen Krankenschwestern eine dreijährige Hochschulausbildung mit 12 vorher abgeschlossenen Schuljahren als Grundvoraussetzung. In Deutschland ist die Ausbildung zwar ebenfalls drei Jahre lang, erfordert aber lediglich einen Realschulabschluss mit also zehn Schuljahren im Rücken. „Sie haben kein Abitur und erfüllen daher nicht die Anforderungen für das Hochschulstudium, das Krankenschwestern in Skandinavien und auch in Großbritannien durchlaufen müssen“, erklärt Ania Willman vom Schwedischen Krankenschwesternverband gegenüber Radio Schweden. „Es handelt sich um zwei völlig unterschiedliche Ausbildungswege, was sich auch auf das spätere Rollenbild im Beruf niederschlägt. Schwedische Krankenschwestern sind dafür bekannt, schwierige medizinische Aufgaben zu übernehmen. Sie können etwa Sonden, Tropf und Katheter legen und arbeiten dabei in völliger Eigenverantwortung.“

Beim fehlenden Hochschulstatus klemmt der Schuh 

Dass schwedisches Pflegepersonal sich nicht in allen Belangen gegenüber den Ärzten rechtfertigen müsse, sieht Willman als großen Unterschied zu den deutschen Kollegen: „Wir sind nicht nur Gehilfen der Ärzte und können daher große Eigenverantwortung für Leben und Gesundheit der Patienten übernehmen. Das sieht bei den deutschen Krankenschwestern völlig anders aus.“

Auch wenn Willman die medizinische Ausbildung der deutschen Kollegen nicht völlig in Frage stellen möchte, so klemmt der Schuh vor allem beim fehlenden Hochschulstatus der Berufsausbildung in Deutschland. „Das Ausbildungsniveau ist entscheidend für die Patientensicherheit. Moderne Gesundheitspflege ist sehr kompliziert und erfordert fundiertes Wissen und Teamarbeit. Neue Forschungsergebnisse müssen schnell angeeignet und in die Praxis umgesetzt werden. Ohne hohes Ausbildungsniveau geht es dabei nicht, und dieses fehlt den deutschen Krankenschwestern.“

Krankenschwestermangel besser als geringe Kompetenz?

Schweden steht nicht allein mit seiner Forderung nach Hochschulniveau und 12 abgeschlossenen Schuljahren als Grundvoraussetzung für die Ausbildung. Im Ministerrat der EU wird derzeit eine Vereinheitlichung in Europa diskutiert, und 22 andere EU-Länder teilen, laut den Gewerkschaftern, die Sicht der Skandinavier. Das geteilte Schulsystem in Deutschland mit zur Ausbildung qualifizierendem Realschulabschluss ist mit solchen Anforderungen jedoch schwer vereinbar, und die deutschen EU-Abgesandten betreiben hartnäckige Lobbyarbeit gegen das schwedische Modell.

Davon, dass angesichts der prekären Personallage im schwedischen Gesundheitswesen schlechter ausgebildete Krankenschwestern besser sind als gar keine, wollen die Gewerkschaftssprecher jedoch nichts wissen. „Man kann natürlich argumentieren, dass es besser ist jemanden zu haben, der sich um die Patienten kümmert. Aber das Risiko der Fehlbehandlung ist zu hoch. Personalmangel und schlechtere Kompetenz können einander nicht einfach so gegenüber gestellt werden“, so Ania Willman.

Hansjörg Kissel

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