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Musikfeste in der Krise

"Schwedische Festivalbesucher sind illoyal"

Publicerat torsdag 30 maj 2013 kl 12.44
Kommen die Besucher auch im nächsten Jahr wieder? In Schweden ist das keineswegs sicher. Foto: Scanpix

Die schwedische Festivalszene ist in der letzten Zeit mächtig in Bewegung geraten. Legendäre Musikfeste wie das Peace & Love oder das Hultsfred-Festival müssen Konkurs anmelden beziehungsweise in die Nähe der Hauptstadt umziehen, um überhaupt überleben zu können. Die Ticketverkäufe für neu gestartete Events laufen dagegen gut.

Grund für diese Entwicklung ist Beobachtern zufolge unter anderem das ausgeprägte Trend-Bewusstsein der Musikliebhaber. Viele Schweden wollen, wenn sie Festivals besuchen, lieber etwas Neues erleben, anstatt sich immer wieder am gleichen Ort auf einen Nostalgietrip zu begeben.

Aus für Peace & Love

Noch im vergangenen Sommer feierten über 48.000 Besucher in der Innenstadt von Borlänge im mittelschwedischen Dalarna ein ausgelassenes Musikfest. Das dort stattfindende Peace & Love-Festival war das größte seiner Art in Schweden und mit Bands wie Depeche Mode, Pet Shop Boys, First Aid Kit und dem allseits beliebten Håkan Hellström sollte auch die diesjährige Ausgabe wieder ein voller Erfolg werden. Doch dazu wird es nun nicht kommen.

Am vergangenen Dienstag meldete der Veranstalter - eine aus einem gemeinnützigen Verein hervorgegangene Firma - Konkurs an und gab bekannt, dass das Festival 2013 ausfällt. Nur 9000 bisher verkaufte Tickets seien einfach zu wenig. Man könne die Rechnungen nicht mehr bezahlen und sehe sich deshalb zu dem Schritt gezwungen, so die Festivalleitung in einer Mitteilung auf ihrer Homepage. In Borlänge verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer: "Ich bekam einen Schock. Das kam so plötzlich und völlig unerwartet. Für die ganze Stadt ist es sehr traurig", sagte beispielsweise die Borlängerin Caroline Pettersson dem Schwedischen Rundfunk. Und Emil Göras, der sich bereits eine Karte gekauft hatte und von seinem Geld nun wohl nichts mehr wiedersehen wird, fügte hinzu: "Das Festival war das einzige Mal im ganzen Jahr, dass in Borlänge etwas los war, worauf man sich gefreut hat."

Alteingesessene Festivals haben Probleme

Doch das Peace & Love ist nicht das einzige traditionsreiche Musikfest, das in diesem Jahr mit schleppenden Ticketverkäufen zu kämpfen hat. Gerade mal eine Woche zuvor hatten die Veranstalter des Siesta-Festivals im südschwedischen Hässleholm aus dem gleichen Grund das Ende verkündet. Und bereits im März war der Umzug des legendären Hultsfred-Festivals aus der namensgebenden småländischen Gemeinde in die Nähe von Stockholm bekannt gegeben worden. Ursache auch hier: zu wenige verkaufte Tickets.

Nicholas Ringskog Ferrada-Noli, der beim Schwedischen Rundfunk als Musikjournalist arbeitet, sieht die gesamte Branche im Umbruch: "Heutzutage sieht die Festivalszene ja ganz anders aus als noch in den 1990er-Jahren. Es gibt nicht mehr die Enthusiasten, die sich in einem kleinen gemeinnützigen Verein zusammenschließen, um ein Rockfestival im Geiste von Woodstock zu veranstalten. Stattdessen hat der harte Kapitalismus Einzug gehalten. Und außerdem haben Konzertveranstalter wie Live Nation festgestellt, dass sie selbst Festivals starten können. Dafür brauchen sie jetzt niemand anderen mehr."

Treulose Musikliebhaber

Hinzu kommt, dass die Schweden als trendbewusstes Volk alten, schon seit vielen Jahren stattfindenen Events nicht mehr die Treue halten. Anstatt zum x-ten Mal am gleichen Sommer-Wochenende auf den gleichen Zeltplatz in der gleichen ländlichen Gegend zu fahren, schaut man sich lieber nach neuen Festival-Konzepten um und probiert diese aus. Das hat auch der international tätige deutsche Konzertveranstalter FKP Scorpio zu spüren bekommen, der das Hultsfred-Festival nach dessen Konkurs 2010 übernommen hatte. Auch im mittlerweile dritten Jahr tut man sich schwer mit der Veranstaltung, die hierzulande noch bis vor wenigen Jahren Kultstatus genoss.

"Das ist eine deutliche Tendenz in Schweden - ganz anders als in Deutschland. In Deutschland müssten die alten, eingesessenen Festivals wie etwa Hurricane, Wacken oder Rock am Ring schon sehr viel Mist bauen, damit die Leute nicht mehr kommen, und zwar auch über Jahre hinweg. Ein neues Festival in Deutschland braucht mindestens eine Aufbauzeit von drei bis fünf Jahren. In Schweden ist es komischerweise andersherum, dass es kaum Loyalität zu den alten Festivals gibt, dafür neue Festivals sehr sehr gut laufen", so Folkert Koopmans, Geschäftsführer von FKP Scorpio im Radio Schweden-Interview.

Ständige Jagd nach den neuesten Trends

Koopmans hat neben dem kriselnden Hultsfred in diesem Jahr ein neues Event in Norrköping ins Leben gerufen - und dafür laufen die Ticketverkäufe prächtig. Vermutlich wird das Festival sogar noch vor Beginn ausverkauft sein. Nicholas Ringskog Ferrada-Noli glaubt, dass die ewige Suche nach den allerneuesten Trends hinter der Entwicklung steckt: "Die Leute wollen weg von den Festivals im Stile der 1990er-Jahre. Und bald wird man die Zeit, in der wir jetzt leben, hinter sich lassen wollen. Die Leute wollen immer irgendwie weiter - und in Schweden, in Stockholm und den anderen Großstädten, schaut man besonders stark auf die aktuellsten Trends."

Bei FKP Scorpio hat man nach den Erfahrungen der letzten Jahre deshalb nun auch kein Interesse daran, etwa das pleitegegangene Peace & Love zu übernehmen und neu aufzubauen. Geschäftsführer Folkert Koopmans meint aber, dass die gescheiterten Festivals auch selbst Fehler gemacht und beispielsweise zu viel Geld in Nebenprojekte gesteckt hätten. Durch die Pleiten sei nun das Vertrauen in die gesamte Branche gefährdet. Besucher könnten in Zukunft noch länger mit dem Kartenkauf warten, um sicherzugehen, dass die jeweilige Veranstaltung auch wirklich stattfindet.

Kommerzialisierung der gesamten Festivalszene

"Vielleicht wäre es auch sinnvoll, bestimmte Regeln aufzustellen, dass man bestimmte Gelder vorhalten muss oder eine bestimmte Liquidität nachweisen muss, um ein solches Festival durchzuführen, damit das eben nicht passiert", so Koopmans. Mit solchen Regeln dürfte sich die Kommerzialisierung und Konzentration auf einige wenige Akteure in der Szene vermutlich noch verstärken. Für Nicholas Ringskog Ferrada-Noli sind aber gerade diese großen Veranstalter dafür verantwortlich, dass es den neuen professionellen Musikfesten häufig am rechten Festival-Feeling mangelt:

"Die Leute verlieren wegen Akteuren wie FKP Scorpio das Vertrauen in die Festival-Branche. Wenn man sich anschaut, welche Künstler die für ihre Events buchen, bleibt man völlig verwirrt zurück. Dahinter steckt keine ästhetische Vision, man wirft einfach nur eine Menge großer Bands zusammen in einen Topf. Das ursprüngliche Vertrauen in die Festivals hat aber damit zu tun, dass es gerade Enthusiasten sind, die etwas auf die Beine stellen, und dass man sich dort als Teil einer großen Familie fühlt."

Frank Luthardt

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