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Schliessung von über 30 Schulen

Schulkonzern macht dicht und Politik eine Kehrtwende

Publicerat fredag 31 maj 2013 kl 11.05
„Geschockt. Verzweifelt. Sauer!“
(4:26 min)
JB streicht die Segel - zurück bleiben die Schüler

Nur eine Woche nach einem parteiübergreifenden Kompromiss zur Regelung privat geführter Schulen machen Sozialdemokraten und Umweltpartei eine Kehrtwende. Sie wollen durchsetzen, dass Unternehmen, welche die Schulen betreiben, als grundsätzlich wichtigstes Ziel die gute Ausbildung und nicht die Erzielung von Gewinnen festschreiben. Die aktuelle Entwicklung scheint Rot-Grün dabei Recht zu geben, denn gerade hat der größte Schulkonzern Schwedens bekannt gegeben, er werde seine Schulen schließen. Es fehlte an Schülern und damit an Einnahmen.

Die Nachricht kam zwar nicht ganz unerwartet, denn bereits zuvor hatte der JB-Konzern einige Schulen geschlossen. Die Kunde am Donnerstagnachmittag, dass alle gut 30 Gymnasien und Grundschulen dicht machen werden, schlug dennoch wie eine Bombe ein. Über 10.000 Schüler sind betroffen.

Einer von ihnen ist Sebastian Eriksson vom JB-Gymnasium in Jönköping: „Ein Ausbildungszweig wurde ja bereits kürzlich geschlossen. Wir haben also etwas geahnt. Aber niemand hat auch nur angedeutet, dass die ganze Schule dicht machen soll. Und dann erreichte uns diese Mail mitten im Unterricht. Alle waren traurig und haben sich gefragt, wie es jetzt wohl weiter gehen soll und wie das mit den Zeugnissen wird.“

Der Rektor des Gymnasiums ringt gegenüber dem Schwedischen Fernsehen um Worte. „Geschockt. Verzweifelt. Sauer!“, sagt schließlich Tony Sjölander und stellt seiner eigenen Schule das Zeugnis „Ungenügend“ aus.

Zu wenige Schüler

Anders Hultin leitet die Geschäfte des JB-Konzerns in Schweden und erklärt die Ursache für die Entscheidung: „Wenn wir nicht genügend Schüler haben, müssen wir Schulen schließen. Wenn die Zahl zunimmt, gibt es wieder mehr Schulen. Die Kapazität, die wir jetzt aufgebaut haben, ist nicht ausgelastet. Deshalb haben die Eigentümer entschieden, das Engagement abzuwickeln.“

Eigentümer des bisher größten Schulkonzerns Schwedens ist das dänische Risikokapitalunternehmen Axcel. Geburtenstarke Jahrgänge hatten zuvor Schulen wie Pilze aus dem Boden schießen lassen. Jetzt, wo die Schülerzahlen zurückgehen, ist die Konkurrenz zwischen den Schulen riesengroß. Nicht nur privat geführte Schulen mussten bereits schließen.

Für den Bürgermeister von Jönköping, den Christdemokraten Andreas Sturesson, jedoch kaum ein Trost: „Man hat doch eine moralische Verantwortung, wenn man junge Leute dazu auffordert, ihre gymnasiale Ausbildung auf seiner Schule zu absolvieren. Man beginnt mit einer Ausbildung, wirbt Schüler an. Dann muss man auch zusehen, dass diese Schüler ihre Ausbildung beenden können. Das ist ungenügend.“

Andere Betreiber springen ein

Sturesson kündigt an, dass die städtischen Bildungseinrichtungen selbstverständlich Schüler, die nun auf der Straße stehen, übernehmen werden. Doch soweit müsse es erst gar nicht kommen, so JB-Chef Hultin: „Es handelt sich ja nicht um einen Konkurs, sondern um eine geordnete und verantwortungsvolle Abwicklung. Von den 7.500 Gymnasiasten können voraussichtlich 7.000 in die gleichen Schulen mit den gleichen Lehrern gehen.“

Doch die Politik will nicht länger zusehen. Vor einer Woche verabschiedeten die vier Parteien der bürgerlichen Minderheitsregierung noch gemeinsam mit Grünen und Sozialdemokraten einen Kompromiss, der bessere Kontrollen der privat geführten Schulen vorsieht. Das reicht Sozialdemokraten und Grünen aber jetzt nicht mehr aus. Den Schulen müsse vorgeschrieben werden, dass Gewinninteressen hinten anstehen, und dass das Hauptaugenmerk auf der Ausbildung liege. Der schulpolitische Sprecher der Sozialdemokraten, Ibrahim Baylan, bestätigt, dass dies zum Gesetz werden soll.

„Das hoffe ich wirklich. Es wäre doch schön, wenn die Schule den Schülern die best- mögliche Ausbildung zukommen lässt“, so Baylan gegenüber dem Schwedischen Rundfunk. Er weiß die Umweltpartei hinter sich, die gerade erst auf dem Parteitag des vergangenen Wochenendes entschieden hat, dass Gewinne im öffentlichen Sektor, wie eben in Schulen oder in der medizinischen Versorgung, nicht mehr zugelassen werden sollen.

Retroaktive Regel?

Der Sprecher der Grünen, Gustav Fridolin, geht davon aus, dass diese Regel dann für alle Schulen gelte, nicht nur für neu eröffnete: „Die Gesetze sollen ja für alle gelten. Wer hier tätig ist, soll dies tun, weil er eine gute Schule oder ein gutes Krankenhaus betreiben will, und nicht um Geld zu verdienen“, so Fridolin.

Da auch Linkspartei und Schwedendemokraten Gewinne im öffentlichen Sektor ablehnen, besteht im Reichstag rein rechnerisch jetzt sogar eine Mehrheit für die Pläne von Sozialdemokraten und Umweltpartei.

Tomas Ramberg (Ekot)/Lennart Broman (SVT)/Dieter Weiand

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