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Nach dem Schülerstand Ende letzten Jahres

Göteborger Instagram-Prozess: Der Anfang einer neuen Rechtsära?

Publicerat måndag 3 juni 2013 kl 15.00
"Gerichtsprozess wird ein echter Durchbruch"
(3:51 min)
Das Instagram-Konto "Göteborger Schlampen" hatte im Dezember Hunderte von Schülern auf die Barrikaden gebracht (Foto: Björn Larsson Rosvall / SCANPIX)

Im Göteborger Instagram-Skandal, der Ende letzten Jahres einen gewaltsamen Schüleraufstand ausgelöst und so internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, ist am Montag der Gerichtsprozess eingeleitet worden. Zwei jungen Frauen im Alter von 15 und 16 Jahren wird vorgeworfen, in 45 Fällen Mitschüler und –schülerinnen auf einer Internet-Fotoseite verleumdet zu haben. Rechtsexperten verbinden jetzt große Hoffnungen mit dem Prozess, der als Signal an potentielle Internet-Täter dienen soll.

„Es wird in diesem Fall unglaublich deutlich, welchen neuen Bedrohungen Privatpersonen in den sozialen Internetmedien ausgesetzt sind“, sagt Filippa Sjödén vom Institut für Jura und Internet im Schwedischen Fernsehen. „Noch nie war es so leicht wie heute, private und beleidigende Informationen an eine große Zahl von Abnehmern weiterzuverbreiten.“

Der Göteborger Instagram-Prozess wird allein schon wegen der großen Zahl an Klägern als einzigartig beschrieben. In 45 Fällen kommt es zur Anklage, sie lautet jeweils auf grobe Verleumdung. Die beiden angeklagten jungen Frauen sollen auf der Fotoseite Instagram Bilder von anderen Jugendlichen hochgeladen haben, versehen mit anzüglichen Bemerkungen und groben Beleidigungen. Von „fetten Drogen-Schlampen“ war dort die Rede; von „Männer-Huren“, die mit halb Göteborg geschlafen haben sollen. Auf anderen Bildern wurde das Konterfei von Jugendlichen mit Warnhinweisen auf Geschlechtskrankheiten versehen. Die Texte selber verfasst zu haben wird den beiden mutmaßlichen Internet-Täterinnen allerdings nicht vorgeworfen – lediglich die Verbreitung steht zur Anklage.

Drei Tage Randale vor Göteborger Schule

Das Internetkonto wurde unter dem Namen „gbgsorroz“ geführt, was im lokalen Jugendslang etwa „Göteborger Schlampen“ bedeutet. Zu weltweiter Bekanntheit kam die Internetseite, nachdem mehrere hundert Jugendliche Ende letzten Jahres drei Tage lang vor einer Schule randalierten, in der mögliche Drahtzieher der Seite vermutet wurden.

Ungewöhnlich ist nun allein schon die Tatsache, dass der Verleumdungsprozess gegen die beiden Jugendlichen überhaupt zur Verhandlung kommt. Derartige Anklagen werden in Schweden in der großen Mehrzahl aller Fälle von Privatpersonen, und eben nicht von der Staatsanwaltschaft erhoben. Zur Verhandlung kommt es in der Regel in lediglich nur etwa drei Prozent aller Fälle, die von den Staatsanwälten letztlich als ausreichend gravierend erachtet werden. Im vergangenen Jahr etwa wurde ein Mann zu 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit und 2.000 Euro Schadenersatz verurteilt, nachdem er Nacktbilder seiner Ex-Freundin auf Facebook verbreitet hatte. Viele vergleichbare Fälle führen häufig allerdings nicht zur Anklage – oftmals liegt es daran, dass die Besitzer des Internetkontos nicht ermittelt werden können.

Gerichtsprozess mit großer symbolischer Schlagkraft

„Bei dem Instagram-Fall handelt es sich um einen echten Durchbruch mit großer symbolischer Kraft. Viele andere Menschen, die im Internet ähnlichen Dingen ausgesetzt waren, werden Gerechtigkeit für sich einfordern. Ich kann mir auch denken, dass die Polizei solche Fälle in Zukunft schneller untersuchen wird“, sagt der Dozent für juristische Informatik, Mathias Klang.

Für Juraprofessor Mårten Schultz ist das heutige Rechtswesen stark von Passivität gezeichnet, wenn es um ernste Beleidigungen im Internet geht. Er hoffe, dass der Göteborger Fall vielen die Augen öffne, so Schultz gegenüber der Tageszeitung Dagens Nyheter. Es handle sich hier um eine ernstzunehmende Kultur des Beleidigens, und nicht nur um 14-Jährige, die sich wegen ihres Aussehens gegenseitig aufziehen würden.

Die Rechtsexpertin Filippa Sjödén hofft, dass der Instagram-Prozesses vor allem die jugendlichen Internetnutzer beeinflussen wird – selbst wenn es nicht zu einer Verurteilung der beiden Angeklagten kommen sollte: „Bei sowohl Tätern als auch den Opfern kommt es hoffentlich zu einem bewussteren Umgang mit dem Thema. Dass viele einsehen: dies ist nicht in Ordnung, so etwas darf man nicht schreiben oder verbreiten. Ist man selbst betroffen, so erkennt man vielleicht, dass man so etwas nicht einfach hinnehmen muss und dass man sich wehren soll.“

Hansjörg Kissel / SVT

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