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Jet-Ski rammt Schwimmerin

Wassersport-Anarchie in Schweden – Polizei fordert klare Regeln

Publicerat tisdag 4 juni 2013 kl 14.10
Wo Recht und Gesetz nicht viel gelten
(4:12 min)
Lärmendes Wassersportvergnügen (Foto: Hasse Holmberg / Scanpix)

Nach einem Zusammenstoß zwischen einem Jet-Ski und einer Schwimmerin in den Gewässern vor Stockholm sind erneut Forderungen nach strikteren Regeln und Strafen für die Wassersportler laut geworden. Die Fahrer von Jet-Booten bewegen sich in Schweden in einem weitgehend rechtsfreien Raum – sorgloses Fahrverhalten stößt anderen Wassersportlern, Badegästen und der Polizei stark auf. Laut Regierungsangaben könnten die teilweise anarchisch anmutenden Zustände beim Jet-Skifahren jedoch bald ein Ende nehmen.

Badespaß und Wassersport sind ein fester Bestandteil im Leben vieler Stockholmer. Fast jeder Bewohner der auf unzähligen Inseln erbauten Stadt verfügt über einen nahegelegenen Zugang zum Mälarsee – dementsprechend viele und teilweise recht gegensätzliche Wasserfahrzeuge konkurrieren dort um die besten Plätze. Zusammenstöße können dabei vor allem für das schwächste Glied in diesem Getümmel verheerende Folgen haben, wie ein Unfall am Sonntag wieder aufs Neue aufgezeigt hat.

Laut Augenzeugenberichten hatte sich eine Schwimmerin beim Stockholmer Vorort Blackeberg etwa 40 Meter vom Ufer des Mälaren entfernt befunden, als sich ihr ein Jet-Ski mit hoher Geschwindigkeit näherte. Der Wassermotorradfahrer scheint die 46-Jährige nicht zu bemerken, hält seinen Kurs unverändert bei und rammt schließlich die Schwimmerin in voller Fahrt. Augenzeugen werden später berichten, dass der Wassersportler nur kurz verwundert aufsieht, den Unfall offenbar nicht bemerkt und seine Fahrt ohne weiteres fortsetzt. Die Insassen eines in der Nähe liegenden Motorbootes fischen die stark blutende Frau auf, fahren mit ihr an den nächsten Bootssteg, von dem aus ein Rettungshubschrauber sie ins Krankenhaus einfliegt. Die 46-Jährige hat schwerste Kopfverletzungen erlitten, ihr Zustand ist inzwischen aber stabil. Von dem Jet-Skifahrer fehlt bislang noch jede Spur.

Polizei will deutliche Regeln

Für die Stockholmer Wasserpolizei ist dieser jüngste Unfall nur ein weiterer Beweis dafür, dass es mit den Jet-Booten so nicht weitergehen kann: [soto1] „Im Grunde darf jeder ohne weitere Einschränkung einen Jet-Ski fahren“, sagt Polizei-Inspektor Oscar de Soto im Schwedischen Fernsehen. „Es gibt weder eine Altersbeschränkung noch eine Führerscheinpflicht. Dass sich Leute ohne jegliche Erfahrung mit 100 km/h aufs Wasser begeben dürfen, ist wirklich nicht in Ordnung.“

Unfälle wie am Sonntag bei Blackeberg sind zwar sogar im stark befahrenen Stockholmer Raum eher ungewöhnlich – gleichzeitig gewinnt das Jet-Skifahren aber zunehmend an Beliebtheit, was nicht nur anderen Wassersportlern stark gegen den Strich geht. [soto2] „Viele Leute sind sehr über das Verhalten der Jet-Skifahrer erzürnt. Sie brausen ohne Rücksicht um Badegäste und andere Wasserfahrzeuge herum, spritzen sie nass. Bei den Jet-Skis handelt es sich ja vor allem um Vergnügungsfahrzeuge, die aber auf andere, rücksichtsvolle Weise verwendet werden sollten“, so Oscar de Soto.

Selbst Branchenvertretern geht die Freiheit der Jet-Boote zu weit. David Åberg, der unweit von Stockholm einen Jet-Ski-Verleih betreibt, hat von sich aus eine Altersgrenze von 20 Jahren eingeführt. Außerdem erhalten alle seine Kunden eine obligatorische Sicherheitseinführung. Es sei heute einfach zu leicht für jedermann, sich ohne weitere Erfahrung einen Jet-Ski zu kaufen und damit herumzufahren, so Åberg gegenüber der Nachrichtenagentur TT.

Jet-Skifahren im rechtsfreien Raum

In Schweden findet Jet-Skifahren letztlich in einem Raum statt, in dem Recht und Gesetz nicht allzu viel gelten. Die Jet-Boote unterliegen seit 1993 zwar einer speziellen Wassermotorradverordnung, die vor allem aufgrund von Umweltbedenken eingeführt wurde. Demnach darf nur in den offiziellen Wasserstraßen oder an speziell ausgewiesenen Plätzen gefahren werden. Gleichzeitig widerspricht diese Verordnung in manchen Teilen der EU-Gesetzgebung, was ihre rechtliche Anwendbarkeit in Frage stellt. In diesem bürokratischen Wirrwarr haben es Küstenwache, Polizei und Staatsanwaltschaft schwer, das Jet-Ski-Treiben in die Schranken zu weisen. Im vergangenen Jahr sind deshalb nur zwei Fälle, in denen sich Jet-Skifahrer verkehrswidrig verhalten haben, an die Staatsanwaltschaft weitergereicht worden. Die Küstenwache hat unterdessen gar beschlossen, Regelverstöße künftig überhaupt nicht mehr weiter zu melden.

Unabhängig von dem jüngsten Stockholmer Unfall hat die Regierung allerdings ein neues, klareres Regelwerk in Aussicht gestellt. Es müsse deutlicher werden, wie und wo kleinere motorbetriebene Wasserfahrzeuge verwendet werden dürfen, sagte Umweltministerin Lena Ek gegenüber der Nachrichtenagentur TT. Bis Ende diesen Jahres soll das Gewässeramt entsprechende Vorschläge einreichen.

Hansjörg Kissel / SVT

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