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Madeleine von Schweden

Hochzeitsglocken in Stockholm

Publicerat fredag 7 juni 2013 kl 15.08
Hochzeit mit Wermutstropfen
(9:17 min)
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KeinFlügel von Drottningholm, Madeleine und Chris werden in New York leben (Archivfoto: Scanpix; Montage: Sveriges Radio)
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Halten die Fahne beim Königshaus hoch: Prinz Daniel, Prinzessin Estelle, Kronprinzessin Victoria (Foto: Henrik Montgomery/Scanpix)

Schweden rüstet zum royalen Großereignis: Prinzessin Madeleine und ihr Auserwählter, der New Yorker Hedgefonds-Manager Chris O`Neill, geben sich an diesem Wochenende in Stockholm das Jawort.

(Radio-Schweden-Gespräch)

Wie läuft der große Tag ab, was sagen die Schweden zu der Wahl von Prinzessin Madeleine, wer ist überhaupt Chris O`Neill und welche Rolle spielt die Hochzeit für die Zukunft der schwedischen Monarchie? Eines kann man wohl mit Bestimmtheit sagen: Das Interesse für das Ereignis ist enorm, hier in Schweden wie auch im Ausland.

Ja, Letzteres merkt man nicht nur im Gewimmel in den Touristen-Hochburgen hier in Stockholm, wo der gefühlte Anteil deutscher und amerikanischer Besucher etwa ums Zehnfache gestiegen ist. Die Angaben über akkreditierte Medien sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache: Insgesamt 338 Zeitungen, Rundfunk-, und Fernsehstationen sind zugegen, davon knapp 200 aus dem Ausland. Madeleine gilt ja als die Schönheitskönigin unter Europa Royals, insofern kann sich das Königshaus, kann sich ganz Schweden von der schönsten Seite zeigen.

Am Samstag um 16 Uhr beginnt in der altehrwürdigen Schlosskirche die Trauungszeremonie, die ja zu großen Teilen, mit Rücksicht auf den Bräutigam, auf Englisch ablaufen wird. Wie geht’s dann weiter?

Wer dem Brautpaar zuwinken möchte, der sollte ab 17:50 in Bereitschaft sein. Dann beginnt die Cortege in der offenen Kutsche, vom Schloss über den Gustaf Adolfs Torg, zurück zur Altstadt und auf die Insel Riddarholmen. Insgesamt 18 Minuten soll die Cortege dauern, von Riddarholmen nehmen Brautpaar und Gäste dann das Boot zum Schloss Drottningholm, dort geht das Fest ohne Fernsehkameras und im privaten Rahmen weiter und Madeleine kann endlich aufatmen – die Zeitungen hier berichten ja, sie hätte am liebsten eine ganz private Hochzeit gehabt ohne Scheinwerferlicht, hätte sich aber dem Willen ihrer Eltern beugen müssen, die gesagt haben: Kommt nicht in Frage, Fernsehen und Cortege müssen sein.

Als Kronprinzessin Victoria vor drei Jahren heiratete, fand der Jubel hierzulande ja keine Grenzen, jetzt bei Madeleine ist die allgemeine Stimmung deutlich reservierter…

Erst in dieser Woche hat wieder eine Meinungsumfrage bestätigt, dass Madeleine das am wenigsten beliebte Mitglied der Königsfamilie ist. Im Gegensatz zu ihrer großen Schwester Victoria, die stets offen und herzlich auftritt und als enorm pflichtbewusst gilt, kommt Madeleine bei vielen reserviert an, arrogant gar, finden manche; außerdem hängt ihr das Image an, leichtlebig und „flatterhaft“ zu sein. Der Beiname „Partyprinzessin“, den ihr die Presse vor ein paar Jahren gab, wegen ihrer damaligen großen Feier-Freude in Stockholms exklusiven Vergnügungstempeln, scheint langlebig. Obwohl sie sich bemüht, ein seriöses Image aufzubauen: In New York, wohin sie 2011 nach der geplatzten Verlobung mit Jonas Bergström vor der hiesigen Medienhysterie floh und wo sie seither ihren Lebensmittelpunkt hat, arbeitet Madeleine ja in Vollzeit und größtenteils recht un-glamourös, in dem von Königin Silvia gegründeten Kinderhilfswerk „Childhood“. Sie kommuniziert inzwischen hauptsächlich auf Englisch, die Geburtstags-Glückwünsche an ihren Bruder Prinz Carl Philip schickte sie über Facebook auf Englisch, was viele Schweden albern finden, und dass die Hochzeitszeremonie größtenteils auf Englisch stattfindet, stößt ebenfalls so manchem bitter auf.

Häme hatte das Brautpaar ja schon im Herbst 2012 erfahren, als Reaktion auf das ins Netz gestellte Verlobungs-Video. Das Video wurde als pathetisch und hausbacken verlacht und zahlreich parodiert.

Ja, nicht zuletzt Madeleines abschließendes, Kichern, ihr „Tihi“, das in Schweden zum geflügelten Wort geworden ist.

Fest steht aber zumindest: Mit Chris O`Neill hat Madeleine nach der Pleite mit ihrem ersten Verlobten nun einen Mann „aus bestem Hause“ erobert.

Absolut. Im Gegensatz zu Victorias Ehemann Prinz Daniel, der aus recht einfachen Verhältnissen stammt und für die Rolle bei Hof jahrelang getrimmt wurde, spielt Chris O`Neill ganz selbstverständlich ganz oben in der High Society mit. Seine Mutter, Eva Maria O’Neill, gehört zu den wichtigsten Förderinnen der Salzburger Festspiele, sein Vater war der 2004 verstorbene Banker Paul O’Neill. Chris selbst hat das renommierte „Institut auf dem Rosenberg“ im schweizerischen St. Gallen besucht und anschließend an der Universität von Boston und an der Columbia Business School in New York studiert. Heute ist er Teilhaber beim Hedgefonds „Noster Capital“ an der Wall Street.

… was ihn in den Augen vieler Schweden nicht recht geheuer scheinen lässt.

Nicht nur hier haben die Art von Hedgefonds, wie sie O`Neill betreibt, ja einen höchst zweifelhaften Ruf. In der deutschen Finanz- und Wirtschaftsdebatte fällt beim Stichwort Hedgefonds oft das Stichwort „Heuschrecken“, die Verwaltung dieser Fonds gilt als lichtscheues Business, da wird hoch gepokert, werden auch schon mal Gerüchte gestreut, um zum Beispiel Firmenpleiten zu beschleunigen.

Für ein Mitglied des Königshauses klingt das nicht gerade nach einer angemessenen Tätigkeit.

Nein, weil Chris O`Neill aber auch nach der Hochzeit im Geschäft bleiben will, wird seine Stellung in der Königsfamilie auch künftig nicht von größerer Bedeutung sein. Ab Samstagnachmittag ist er zwar Ehemann von Prinzessin Madeleine, aber ansonsten verändert sich für ihn nicht so viel. So darf er ja nach geltendem Recht maximal zwei Staatsbürgerschaften haben, er hat bereits die britische und die amerikanische, müsste also, um die schwedische zu erwerben, eine der beiden abgeben. Das tut er nicht, er wird also nicht schwedischer Staatsbürger und er wird auch keinen königlichen Titel annehmen. Eine Prinzessin, mit einem Rang in der Thronfolge, heiratet einen Ausländer, der seine Staatsbürgerschaft und seinen Hedgefonds behält – so etwas hat es in Europa bisher nicht gegeben.

Nach der Hochzeit will das Paar ein Leben in New York führen, ab und an vielleicht mal ein bisschen repräsentieren hier in Schweden, der Lebensmittelpunkt bleibt aber also in den USA. Ist das für das Königshaus nicht ein ziemlicher Verlust?

Ich denke nein. Schon in den letzten zwei Jahren hat sich Madeleine aus den Repräsentationsausgaben ja größtenteils ausgeklinkt, und zur vorhin genannten Thronfolge: Die Wahrscheinlichkeit, dass Madeleine jemals anrücken muss, um den Thron zu übernehmen, ist doch recht gering, sie ist schließlich erst die Nummer vier hinter Kronprinzessin Victoria, deren Tochter Estelle und Prinz Carl Philip.

Bei allen Sticheleien gegen Madeleine und ihren Bräutigam: Natürlich fiebern viele hierzulande der Hochzeit entgegen, es wird ganz sicher ein glanzvolles Ereignis, die Creme der europäischen Königshäuser gibt sich in Stockholm ein Stelldichein. Wird die Hochzeit das Image des Königshauses hier in Schweden insgesamt aufpolieren? Ein paar Pluspunkte könnte die Monarchie ja ganz gut brauchen.

Das stimmt. Es gab ja in den letzten Jahren eine Reihe von Skandalen, um Sex-Ausschweifungen von König Carl Gustaf und auch beispielsweise um die Nazi-Sympathien von König Silvias Vater – in dieser Woche erst erlitt die Königsfamilie vor dem Presseausschuss eine Niederlage, nachdem sie gegen eine Fotomontage mit entsprechenden Anspielungen geklagt hatte. Das alles tritt an diesem Samstag natürlich in den Hintergrund. Dass die Hochzeit aber das Bild der Royals nachhaltig aufpeppt, ist wohl nicht zu erwarten. Das hat nämlich noch nicht mal die allgemein bejubelte Geburt von Prinzessin Estelle, der neuen kleinen Thronfolgerin, im letzten Jahr geschafft. Die aktuelle Umfrage des Göteborger SOM-Instituts hat kürzlich gezeigt: Wenn die Schweden ihr Vertrauen in die 21 wichtigsten Institutionen angeben, dann landet das Königshaus ebenso wie schon 2011 erst auf dem zwölften Platz. Noch Ende der 1990-er Jahre gab es da immer Spitzenplätze.

Das dürfte die Kritiker der Monarchie ja erfreuen.

Sicher, gleichzeitig kämpfen die Republikaner, wie die aktiven Monarchie-Kritiker sich hier nennen, doch ziemlich im Gegenwind. Mögen noch so viele ganz rational dem Argument folgen, dass das Amt des Staatsoberhauptes in einer demokratischen Gesellschaft nicht vererbt werden sollte, mögen noch so viele am jetzt 40 Jahre auf dem Thron sitzenden König herummäkeln – wirklich abschaffen wollen die Monarchie laut Umfragen von Sifo zu Jahresbeginn nur 23 Prozent der Schweden, 70 Prozent wollen sie behalten. Das sind zwar vier Prozent weniger als noch 2011, aber insgesamt ist das Königshaus also nach wie vor eine starke Bastion – und dass dem so ist, das ist laut einhelliger Meinung der Beobachter in erster Linie Kronprinzessin Victoria und ihre kleinen Familie zu verdanken. Wenn Prinzessin Madeleine nach der Hochzeit Schweden den Rücken kehrt, wird der Trennungsschmerz auf beiden Seiten also gewiss zu überwinden sein.

(Das Gespräch führten Hansjörg Kissel und Anne Rentzsch)

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