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Radio Schweden Interviews

Die vergessenen deutschen Einwanderer in Schweden

Publicerat tisdag 18 juni 2013 kl 13.51
Flucht vor dem deutschen Nachkriegsmief
(4:31 min)
Hermine Meller
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Hermine Meller wohnt nach wie vor im Stockholmer Raum (Foto: Hansjörg Kissel / Sveriges Radio)
Margareta Nissen
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In Schweden wurde man als junger Mensch damals besser behandelt, sagt Margareta Nissen (Foto: Hansjörg Kissel / Sveriges Radio)

Die deutsche Nachkriegsgeschichte dreht sich bis zum heutigen Tag zu großen Teilen um den Mythos der Trümmerfrauen, um Kriegsgefangenschaft und Heimkehrer sowie um das Wirtschaftswunder der 1950er Jahre. Dass vor allem viele Frauen das Elend im Nachkriegsdeutschland dieser Zeit hinter sich ließen und in Schweden ihr Glück suchten, ist ein weitgehend in Vergessenheit geratenes Kapitel der Geschichte. In einer neuen Forschungsarbeit hat sich nun Emma Strollo von der Universität Linköping dem Schicksal dieser deutschen Auswanderer nach Schweden angenommen.

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„Zwischen 20.000 und 40.000 Frauen sind in der Nachkriegszeit, vor allem Mitte der 1950er Jahre, nach Schweden eingewandert“, sagt Emma Strollo gegenüber Radio Schweden. „Wie viele davon in Schweden geblieben sind, ist allerdings nicht bekannt. Die deutschen Frauen stellten damit die größte Gruppe an Einwanderern, wenn man von der Migration aus anderen skandinavischen Ländern absieht. Finninnen, Däninnen und Norwegerinnen arbeiteten allerdings meist in mehr angesehenen Bereichen wie Hotels und Industrie. Die deutschen Arbeitskräfte wurden fast ausschließlich in der Hausarbeit eingesetzt.“

Billige Haushaltshilfen, die sich auch Familien der schwedischen Mittelschicht leisten konnten, waren zu dieser Zeit rar. Viele Schwedinnen wollten sich nicht mehr mit der traditionellen Rolle als Hüterin von Heim und Herd zufrieden geben – die 1950er Jahre werden in Schweden, ganz im Gegensatz zum biederen Nachkriegsmief in Deutschland, häufig als progressive Zeit des Aufbruchs beschrieben. „In Schweden hatten viele Frauen angefangen, nach eigenständiger Arbeit zu suchen. Es entstand dadurch ein großer Bedarf an Arbeitskräften, die sich um die Kinder kümmern konnten. Die deutschen Haushaltshilfen wurden zur billigen Lösung bei der Kinderbetreuung, die ja damals nicht öffentlich finanziert wurde wie heute.“

Zwei Jahre Haushaltsarbeit war eine Grundbedingung

Mithilfe von Zeitungsannoncen oder direkter Arbeitsvermittlung bemühte sich der schwedische Staat, deutsche Haushaltskräfte nach Schweden zu lotsen. Arbeitsgenehmigungen mussten nicht mehr extra beantragt werden; für alle weiblichen Einwanderer galt allerdings die Verpflichtung, zwei Jahre lang als Haushaltshilfe zu arbeiten, bevor sie sich nach anderen Tätigkeiten umsehen konnten. Frühere Berufserfahrung und Ausbildungen waren dabei nicht weiter von Belang.

Auch wenn über das Schicksal der großen Mehrheit dieser Migrantinnen nichts mehr bekannt ist, konnte Emma Strollo in ihrer Doktorarbeit einen gewissen Einblick zu den Beweggründen der Frauen gewinnen. Viele sahen in der Arbeit als Haushälterin in Schweden ihre einzige Chance, dem materiellen Elend der Nachkriegszeit zu entrinnen. Für manche war es ein Auflehnen gegen in Deutschland noch stark vorherrschende traditionelle Geschlechterrollen und patriarchale Traditionen. Für andere, die es sogar im zerbombten Deutschland nicht allzu schlecht getroffen hatten, lockte lediglich das Abenteuer.

Enorme Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt

Harte Arbeitsbedingungen mit bis zu 80-Stundenwochen galten für viele der deutschen Hausangestellten. Das vom Krieg verschonte Schweden musste den in der Nazizeit aufgewachsenen Frauen dennoch zunächst wie ein Paradies auf Erden vorgekommen sein. „Als Haushaltshilfen hatten die Deutschen einen relativ hohen Status, wenngleich er geringer war als der ihrer schwedischen Kolleginnen. Dies zeigte sich etwa in dem geringeren Gehalt, das sie erhielten. Die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt war allerdings enorm und die Wahlmöglichkeiten der Einwanderer sehr hoch. Sie hatten es daher besser als die eingewanderten Hausangestellten der heutigen Zeit, denen nicht ein solcher Arbeitsmarkt zur Verfügung steht“, so Emma Strollo.

Der Mann im Haus häufig ein Problem

Da die jungen Frauen in den meisten Fällen direkt bei den Familien wohnten, konnte allerdings häufig der Mann im Haus zum Problem werden. „Die Hälfte der Frauen, mit denen ich gesprochen habe, berichteten von sexuellen Übergriffen. Entweder hatten sie diese selbst erlebt, oder sie hatten es von anderen deutschen Hausangestellten erzählt bekommen. Die jungen Frauen waren dabei völlig auf sich allein gestellt und mussten versuchen, eine andere Anstellung bei einer anderen Familie zu finden. Eine sehr schwierige Situation, wenn der Aufenthalt im Land von der Familie, bei der man arbeitet, abhängig ist.“

Für viele der Frauen, die sich entschließen, auch nach ihrer Zeit als Haushälterin im Land zu bleiben, hat das Schicksal häufig eine positive Wendung genommen. Sie konnten etwa als Sekretärin Arbeit finden, bildeten sich für Tätigkeiten im Pflegebereich aus, heirateten in vielen Fällen einen Schweden und gründeten eine Familie. „Im Rückblick haben viele im Laufe der Jahre eine gewisse Nostalgie entwickelt. Sie bedauern teilweise, dass sie nicht nach Deutschland zurückgekehrt sind. Viele empfinden selbst nach all diesen Jahren auch ein Schuldgefühl, weil sie beim Wiederaufbau Deutschlands nicht mitgeholfen haben.“

Hansjörg Kissel

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