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Aufruf der Gewerkschaften

Polizisten, Ärzte und Lehrer wollen wieder Polizisten, Ärzte und Lehrer sein

Publicerat måndag 24 juni 2013 kl 13.36
"Unsere Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel"
(4:55 min)
Jetzt aber schnell ins Revier und Berichte schreiben

Polizisten, Ärzte und Lehrer können ihrer eigentlichen Arbeit immer weniger nachgehen, weil wichtige Kernbereiche des öffentlichen Lebens in wachsendem Maße zum Spielball von Verwaltung und Statistik werden. Davor warnen die Vorsitzenden der jeweiligen Gewerkschaften. Ihre Berufe seien von Ökonomen und Administratoren gekidnappt worden. Die Lage sei ernst, so die Gewerkschaftsführer in einem Artikel der Tageszeitung Dagens Nyheter. Deshalb laden sie Regierung und Opposition zu gemeinsamen Gesprächen ein.

New Publik Management (NPM) – so lautet das Zauberwort der öffentlichen Verwaltung in Schweden. Es geht dabei um die Optimierung von Produktionsvorgängen, die Verwaltung von Abläufen sowie die statistische Erfassung der erbrachten Leistungen. Der Versuch, Kommunen, Provinzen und Polizeidistrikte nach dem Vorbild erfolgreicher Unternehmen zu leiten, habe jedoch nicht zu besserer Ausbildung, ärztlicher Pflege oder Polizeiarbeit geführt – im Gegenteil. Dies meinen zumindest die Gewerkschaftsführer der betroffenen Berufsgruppen.

Sie stützen sich dabei unter anderem auf einen Aufruf von Ärzten in Nordschweden. Lollo Makdessi ist eine der Verfasserinnen des Aufrufes. Sie erklärt im Schwedischen Rundfunk, wo das Problem liegt: „Wir finden, dass die medizinische Versorgung heutzutage auf Produktion und Wirtschaftlichkeit ausgerichtet ist. Dies steht die ganze Zeit im Mittelpunkt. Es wird weniger über Patienten und Ethik geredet. Für uns ist es aber selbstverständlich, dass die Bedürfnisse des Patienten im Mittelpunkt stehen sollten.“

Fast 4.000 Ärzte stimmen zu

Seit der Veröffentlichung Ende vergangener Woche haben knapp 4.000 Ärzte den Aufruf unterschrieben. Das jetzige Verwaltungsmodell werde den Anforderungen einer humanen medizinischen Versorgung nicht gerecht, so Makdessi: „Ständig gibt es Forderungen, dass die Produktion gesteigert werden soll. Alles muss gemessen und dokumentiert werden – wie in einer Fabrik, nicht wie in einer menschlichen Versorgung.“

Die Ärztin macht deutlich, dass es so nicht weitergehen könne. Im europäischen Vergleich widmeten sich schwedische Ärzte am wenigsten ihren Patienten. Immer mehr Zeit müsse sie stattdessen mit administrativen Aufgaben verbringen.

Unternehmen Schule

An den Schulen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab, so der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft, Bo Jansson: „Die Schule ist zu einem Markt geworden, wo ökonomische Steuerungsmodelle wichtiger sind als die pädagogische Arbeit, und wo die administrative Aufgabenlast der Lehrer sowie die Pflicht zur Dokumentation viel zu groß ist. Das nimmt wertvolle Zeit in Anspruch, die nicht zur Entwicklung der Schüler genutzt werden kann.“

Die Polizei erkennt die gleiche Problematik bei ihrer Arbeit, wie die Vorsitzende der Polizeigewerkschaft Lena Nitz gegenüber Radio Schweden erklärt: „Bei der Polizei wird einfach zu viel Zeit mit administrativen Aufgaben verbracht. Anstelle draußen auf den Straßen präsent zu sein, sitzen die Polizisten hinter dem Schreibtisch auf den Revieren. Darüber hinaus wird unsere Arbeit von der Statistik her bestimmt, anstatt von der Erfahrung und Kompetenz der Polizisten.“

Hauptsache kontrolliert

Nitz nennt dafür ein aktuelles Beispiel: „Es gibt beispielsweise die Vorgabe, eine gewisse Anzahl von Alkoholkontrollen vorzunehmen. Das führt dazu, dass wir uns dort aufstellen, wo wir wissen, dass viel Verkehr ist, weil wir dann die geforderte Zahl erreichen. Die Erfahrung und Kompetenz sagt uns jedoch, dass man auf Nebenstraßen stehen muss, um die Alkoholsünder zu kriegen.“

Dass Polizisten jetzt mit Lehrern und Ärzten gemeinsame Sache machen, ist neu. Die Probleme seien eben sehr ähnlich, der Handlungsbedarf groß und als Ursache wird das NPM-Modell ausgemacht.

Die Politik macht jedoch darauf aufmerksam, dass in vielen Bereichen die Effizienz verbessert wurde und damit den Patienten Nutzen gebracht habe. Nicht zuletzt sei alles auch eine Kostenfrage. Anders W. Jonsson von der Zentrumspartei ist selbst Arzt und sitzt im Sozialausschuss des Reichstages.

„Wir müssen aufs Geld achten und gleichzeitig eine gute Versorgung gewährleisten. Eines der größten Probleme wird in der Zukunft sein, wie wir die ärztliche Versorgung vor dem Hintergrund der immer älter werdenden Bevölkerung finanzieren können. Wir werden hier auf absehbare Zeit jede einzelne Krone umdrehen müssen.“

Die drei Gewerkschaftsvorsitzenden haben jetzt Vertreter von Regierung und Opposition eingeladen, um über die offenbaren Mängel zu diskutieren. Für die Polizistin Lena Nitz liegt der Fall klar: das NPM-Modell taugt nicht für öffentliche Aufgaben: „Die Politiker müssen mehr auf die Menschen mit Berufserfahrung hören. Die gesamte Entwicklung läuft in die falsche Richtung. Hier liegt im Wesentlichen der Grund für unsere Ineffektivität. Letzten Endes steht auch unsere Glaubwürdigkeit auf dem Spiel.“

Albericho Lecchini/Dieter Weiand

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