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Schwedische Wirtschaft

Berührungsängste beim Thema Kultur

Publicerat tisdag 25 juni 2013 kl 13.59
"Keiner will mit Schweden Mittag essen"
(3:47 min)
Hier weiß man mit Kultur nur wenig anzufangen

Die Bemühungen der schwedischen Regierung, Wirtschaftsunternehmen das Kulturleben näher zu bringen, sind nur bedingt auf fruchtbaren Boden gefallen. Dies bestätigen Experten gegenüber dem Schwedischen Rundfunk. Ursache sei vor allem ein grundlegender Mangel an humanistischer Bildung.

Schwedischen Geschäftsleuten eilt in Frankreichs Hauptstadt in punkto Kultur ein schlechter Ruf voraus. Davon weiß der Kulturjournalist Jan Gradvall zu berichten:

„In Paris wird ausgelost, wer mit den Schweden zum Lunch muss. Das möchte da keiner, weil schwedische Geschäftsleute nur über Geld reden, vielleicht auch noch über Golf. Keiner hat einen Roman gelesen oder Kunst gesehen oder gehört einer Religion an.“

Projekt eingestellt

Gradvall zitiert hier einen französischen Geschäftsmann, der ihm dies anvertraut habe. Die Bemühungen der schwedischen Regierung, das Wirtschaftsleben mehr Kultur atmen zu lassen, treffen offenbar auf zähen Widerstand. Umgerechnet knapp 8 Millionen Euro hat die Regierung dabei in ein entsprechendes Projekt investiert. Es wurde im vergangenen Jahr eingestellt.

Im Vergleich zu großen Unternehmen in Großbritannien, Deutschland oder Frankreich sei man in Schweden dem Kulturellen eben eher abgeneigt, stellt Ylva Gislén fest. Sie leitet die Künstlerische Hochschule im südschwedischen Lund und ist an der Universität dort auch Gastprofessorin für Kunst.

Kultur hat keine Basis

Es gebe markante Unterschiede in der Einstellung zur Kunst und die spiegele sich dann in den Produkten und Dienstleistungen wider. Kultur habe im schwedischen Wirtschaftsleben keine solide Basis, so Gislén:

„Es gibt mehrere Studien, die das belegen. Schaut man zum sich zum Beispiel die Freizeitbeschäftigung von schwedischen Ingenieuren an, so dominiert Sport wie Golf und Fußball. Man liest keine Bücher, geht nicht ins Theater und nicht in Kunstausstellungen.“

Gegen diese Einstellung in einem gegenüber Bildung und Eliten grundsätzlich eher skeptisch eingestellten Land wie Schweden, kämpft Klas Rabe an wie Don Quijote gegen die Windmühlen:

„Der kulturelle und kreative Bereich ist keine nette Nebensache, sondern ein selbstverständlicher Teil der Volkswirtschaft“, predigt Rabe. Er ist Projektleiter für Kultur in der Behörde für Wirtschaftswachstum. Er soll Kultur und Wirtschaft zusammenbringen und deutlich machen, wie wichtig es für die Wirtschaft ist, den Wert von Kultur zu begreifen.

Kultur kann Kasse machen

Damit lasse sich dann auch Geld verdienen, sagt Rabe: „Eine Untersuchung der Technikbranche hat gezeigt, dass die Gewinnmargen bei Unternehmen, die Wert auf Design legen, um die Hälfte höher liegen. Das ist ja nicht schlecht und zeigt, dass es sich lohnen kann, auf die Kunsthochschule zu gehen.“

Doch auch Rabe weiß, dass es mit dem Kulturinteresse schwedischer Unternehmen nicht zum Besten steht und französische Geschäftsleute auch weiterhin nur widerwillig ein Mittagessen mit ihren schwedischen Kollegen einnehmen werden. Als Ursache macht er die mangelnde humanistische Bildung in Schweden aus:

„In Schweden gibt es einfach nicht die gleiche humanistische Bildungstradition wie in Kontinentaleuropa. Wenn sich hier etwas auf Dauer tun soll, muss bereits in der Grundschule und im Gymnasium angesetzt werden. Falls wir auf diesem Gebiet unsere Kompetenzen stärken können, wird die Wirtschaft besser dastehen.“

Fehlen nur noch Lehrer und Schulen sowie das Interesse der Schüler, um den Plan Rabes in die Realität umsetzen zu können.

Jonatan Järbel (Kulturradio)/Dieter Weiand

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