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Urlaub um jeden Preis

Im Sommer geschlossen

Publicerat onsdag 17 juli 2013 kl 08.00
"Aus den Industrieferien wurden die Kita-Ferien"
(6:01 min)
Im Juli stehen die Sonnen-Chancen gut (Foto: Claudio Bresciani/Scanpix)

Sommerzeit ist Ferienzeit – ganz besonders gilt das für Schweden, mit seinen kurzen Sommern, die entsprechend intensiv genutzt sein wollen. Noch bis vor wenigen Jahren machte nahezu die gesamte Industrie hier zu Lande im Juli dicht. Mittlerweile legt die Produktion keine Sommerpause mehr ein. Der Ausdruck „Sommarstängd“ – wegen Sommer geschlossen – bleibt aber populär, nicht zuletzt bei gesellschaftlich wichtigen Einrichtungen wie Gesundheitswesen und Polizei. Das Recht auf den Sommerurlaub ist zwar (noch) nicht in der schwedischen Verfassung verankert. Dennoch gilt es nahezu uneingeschränkt – und manch Arbeitswilliger wird gar mehr oder weniger zum Urlaub gezwungen.

 

„Sommaren är kort“, singt Pop-Star Orup in einem seiner populärsten Songs, „Der Sommer ist kurz“. Schon der August zeigt sich hier zu Lande oft als Vorbote des Herbstes - diesem betrüblichen Faktum trug man bereits in den 1940-er Jahren Rechnung. 1938 war das erste Urlaubsgesetz mit dem Recht auf zwei Wochen bezahlten Urlaub in Kraft getreten; kurz nach dem Zweiten Weltkrieg einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft dann auf die Schließung der Fabriken über zwei Wochen im Juli. Andere Branchen folgten, bald waren in der Haupturlaubszeit nur noch Serviceeinrichtungen geöffnet, wenn auch ebenfalls eingeschränkt. Mittlerweile ist Schweden nicht mehr das Industrieland von einst, und in den verbliebenen Fabriken laufen die Bänder rund ums Jahr. Ingela Edlund, Vize-Vorsitzende des Gewerkschaftsverbandes LO, erinnert sich an die 1980-er Jahre, als die Industrieferien nach und nach verschwanden: „Damals war ich selbst Briefträgerin, und von Sommer zu Sommer merkte ich den Unterschied mehr. Als ich anfing zu arbeiten, kam in den Wochen, in denen die Industrie nicht im Gang war, immer nur sehr wenig Post. Aber das änderte sich dann Jahr für Jahr.“

Nicht mehr fünf Wochen am Stück

Den wichtigsten Grund für das Verschwinden der Industrieferien im schwedischen Haupt-Urlaubsmonat Juli sieht Ingela Edlund in der Notwendigkeit, sich an die Gepflogenheiten anderer Länder anzupassen. „Ich denke, vor allem die Globalisierung hat zu ganz anderen Anforderungen geführt. Zum Beispiel liegen ja die Haupturlaubszeiten im übrigen Europa meist später als bei uns. Und wenn man in einer globalisierten Welt mitspielen will, braucht man eine Produktion, die das ganze Jahr über in Gang ist.“Laut einer Untersuchung des Handels-Forschungsinstituts, HUI, haben sich die Urlaubsgewohnheiten in Schweden seit dem Verschwinden der Sommerpause in der Industrie ein klein wenig geändert. So hebe man sich in wachsendem Maße Urlaub für Zeiten außerhalb des Sommers auf, erklärt einer der Verfasser der Studie, Martin Karlsson: „Wir tendieren dazu, ein paarmal für kürzere Zeit frei zu nehmen, also nicht fünf Wochen am Stück.“

Kita-Betreuung Fehlanzeige

Dennoch behauptet der Juli seine Stellung als wichtigster Urlaubsmonat, und vier zusammenhängende Wochen nimmt man gern. Schließlich hat das Gros der Arbeitnehmer in Schweden das gewerkschaftlich verbriefte Recht, vier Wochen in Folge frei zu machen. Die Statistik der Juli-Urlauber führen laut Martin Karlsson die Eltern kleiner Kinder an. Nicht immer aus freien Stücken, sondern oft auch wegen fehlender Betreuungsmöglichkeiten – nahezu alle Kitas, ebenso wie auch Kinderhorte, machen im Hochsommer die Schotten dicht. Aus den Industrieferien, so Martin Karlsson, sind in Schweden gkleichsam die Kita-Ferien geworden, eine Tatsache, die die Ferienindustrie zu nutzen weiß: „Wenn man mit Tourismus-Firmen überall im Land spricht, dann sind für diejenigen mit Familien im Fokus die drei Wochen im Juli, in denen alle Kitas zu sind, die Wochen mit dem allerhöchsten Druck, dem größten Ansturm. Das gilt besonders für Übernachtungen. Im Juli können sie dafür extrem viel verlangen.“

Vorsicht Krankenhaus

Extrem viel fordern können auch Krankenschwestern, die sich dazu bewegen lassen, in den hoffnungslos unterbesetzten Krankenhäusern als Aushilfe zu arbeiten. Dennoch zieht es auch in diesem Jahr die meisten arbeitsfreudigen Aushilfen ins noch besser zahlende Norwegen. Das Ergebnis wie schon in den Jahren zuvor: überall im Land geschlossene Krankenhausabteilungen und Polikliniken, Ärzte und Schwestern, die warnen, das Leben der Patienten sei in Gefahr – die Urlaubssituation verschärfe die ohnehin sehr angestrengte Lage des schwedischen Gesundheitswesens. „Traust Du Dich, im Sommer krank zu werden?“, fragte kürzlich der Schwedische Rundfunk seine Hörer, 61 Prozent der Antwortenden trauen es sich nicht. Die heilige Sommerurlaubs-Kuh mag dennoch niemand herausfordern. Das gilt gleichermaßen für die Polizei. „Die Polizei ist wegen Sommer vom 24. Juni bis 18. August geschlossen“: Schilder wie dieses am Revier im mittelschwedischen Sigtuna sind auch in diesem Sommer keine Seltenheit. Und das, obgleich ein Bericht des Rates zur Verbrechensbekämpfung jüngst wieder bestätigt hat, dass vor allem Diebstahl und Gewaltverbrechen im Sommer Hochkonjunktur haben. Jörgen Nilsson, Polizeichef in der Stockholmer City, schickt sich in die Notwendigkeit: „Wir haben nun mal im Sommer Urlaubs-Zeiten, genau wie andere Bereiche auch, wir müssen uns an die Urlaubsgesetze halten und uns auf die Situation einstellen. Wir sind also gezwungen, Prioritäten zu setzen“, erklärt er und kann dem Ganzen sogar Positives abgewinnen: „Nur weil wir Prioritäten setzen, bedeutet das ja nicht, dass die Arbeit schlechter ist. Oft kann man die Arbeit anders organisieren, sodass man in akuten Situationen gerüstet ist.“

Paola Lindahl Voigt / Anne Rentzsch

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