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Nach den Vorortkrawallen

„Von außen sind die Probleme nicht lösbar“

Publicerat torsdag 18 juli 2013 kl 09.00
"Die Leute trauen der Gesellschaft nicht"
(5:14 min)
Manifestation gegen Gewalt in Husby (Archivfoto: Dervis Kilic/Sveriges Radio)

Knapp zwei Monate nach den Krawallen in Stockholmer Einwanderervororten hat Schweden auf die Frage nach den Ursachen noch keine befriedigende Antwort gefunden. Laut der Organisation KRIS, in deren Rahmen sich frühere Kriminelle konstruktiv in die Gesellschaft einbringen wollen, ist zumindest eines klar: Die Probleme, die hinter den Unruhen liegen, lassen sich nicht von außen lösen. Stattdessen gilt es, in den Vororten selbst starke Persönlichkeiten zu finden, die als Vorbilder dienen und jungen Menschen Alternativen bieten können.

 

Keine Arbeit, keine Hoffnung: Die weit verbreitete Perspektivlosigkeit in den Einwanderervororten wird immer wieder als Hauptauslöser der Krawalle genannt. Allerdings hat die Medaille auch eine andere Seite – so berichtete Arbeitsministerin Hillevi Engström im Schwedischen Fernsehen kürzlich von fruchtlosen Versuchen, Jugendliche überhaupt zu einer Weiterbildung oder zum Arbeitsamt zu locken.

Die Skepsis gegenüber der Mehrheitsgesellschaft und ihren Institutionen sitzt tief, sagt Mejsam Abdulla, Vorsitzender der Jugendsektion von KRIS in Uppsala: „Man hat kein Vertrauen. Die Jugendlichen in den Vororten – und auch die Erwachsenen, meine Eltern – trauen irgendwelchen Ämtern nicht, sie trauen auch den ganz gewöhnlichen Leuten nicht, die außerhalb ihres Gebiets wohnen. Sie denken ungefähr: ‚Dieser Stadtteil hier, das ist mein Volk‘“.

Wogen scheinbar geglättet

Die Nachrichten von Prügeleien, brennenden Autos und fliegenden Pflastersteinen, erst im Stockholmer Vorort Husby, dann in weiteren schwedischen Städten, hatten im Mai weltweit für Aufsehen gesorgt und teils hämische Kommentare über offenkundige Probleme im Vorzeigeland Schweden nach sich gezogen. Nicht zuletzt dank dem aktiven Einsatz vieler Vorortbewohner selbst haben sich die Wogen mittlerweile wieder geglättet. Doch die Stille sei trügerisch, sagt Mejsam Abdulla, der vor allem mit Jugendlichen in Gottsunda bei Uppsala arbeitet und dort schon mehrfach ähnliche Krawalle erlebt hat. Jederzeit könne wieder eine bedrohliche Situation entstehen. Mejsam Abdulla ist verwundert darüber, wie die Gesellschaft auf die Krawalle reagiert hat. Vor allem sieht er Hilflosigkeit: „Mal ist die Polizei schuld, mal sind es die Jugendlichen selbst, dann wieder ist es die soziale Außenseiterposition. Dann sollen die Politiker dies oder jenes tun. Warum geht nicht einfach mal einer los und redet? Nicht nur mit einem Jugendlichen, sondern mit vielen? Man muss das ja nicht selber machen, schick einfach jemanden, der das kann.“

Schlüsselpersonen finden

Das Wichtigste dabei ist laut Mejsam Abdulla, jene für sich zu gewinnen, die in den Vororten den Ton angeben – die „Schlüsselpersonen“, wie er sie nennt, zu denen andere Jugendliche aufblicken. Die früheren Kriminellen, die nun bei KRIS dafür arbeiten, Jugendliche von der schiefen Bahn wieder aufs richtige Gleis zu bringen, wissen selbst, wie groß der Einfluss solcher Menschen sein kann. Als Vorsitzender der KRIS-Jugendorganisation in Uppsala suche er stets just diese Personen auf, berichtet Mejsam Abdulla: „Überall dort, wo ich hinkomme, versuche ich, diese Schlüsselpersonen ausfindig zu machen. Ich gehe zu den Leuten hin und sage: ‚Hej, ich heiße Mejsam, ich komme aus Uppsala, und was machst du? Wie stet’s hier im Vorort?‘ Oder ich wende mich an die Jüngeren und frage sie: ‚Auf wen hört ihr hier?‘“. Ganz gleich, ob der Ort groß oder klein sei – diejenigen, die bestimmen, wo es langgeht, gebe es überall. „Man muss sie zu guten Vorbildern umwandeln, sodass sie schließlich die Jugendlichen davon überzeugen können, dass die Gesellschaft etwas Positives ist.“

Wartehäuschen oder Fußballplatz

Ein Konzept, das sich laut Mejsam Abdulla bewährt hat: „Die Spitzen-Leute, die ich ausfindig gemacht habe, waren verschieden: älter oder jünger, kriminell oder nicht. Alle genossen sie in ihrem Vorort Respekt. Es hat funktioniert. Wenn ich anrufe und sage: Wir wollen zusammen was unternehmen, ruf mal 50 oder auch 100 Jugendliche zusammen – dann sind in weniger als 30 Minuten 100 Jugendliche da.“

Um die soziale Isolation aufzubrechen, seien Vorbilder das A und O, betont Abdulla – jeder Jugendliche, der einen Job bekomme, wecke Hoffnungen bei hundert anderen. Und Gelder, die nun in die Vororte fließen, könnten weitaus besser für alle zum Einsatz kommen: „Ein Versicherungsunternehmen zahlt heute ungefähr 240.000 Kronen, um ein kaputtes Wartehäuschen wieder instand zu setzen. Geht man stattdessen zu den Jugendlichen und sagt: Wenn ihr`s nicht zulasst, dass jemand die Fenster in diesem Wartehäuschen einwirft, können wir für diese 240.000 Kronen einen Fußballplatz bauen – dann, denke ich, würde eine Mehrheit dazu Ja sagen.“

Anders Ljungberg  (Bearbeitung: Anne Rentzsch)

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