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Joana und Georgios verlassen sich auf ihr Gefühl

Publicerat fredag 19 juli 2013 kl 09.44
„Bisher hat noch jeder Patienten verstanden, welche Krankheit er hat“
(7:26 min)
Untätig in der Sonne zu sitzen ist ein seltener Genuss für Joana Gomes und Georgios Siskos in Munkfors. Es gibt so viel zu lernen!

Georgios Siskos aus Griechenland und Joana Gomes aus Portugal haben sich nach dem Medizinstudium in der Slowakei für ein Berufsleben in Schweden entschieden.

Mittagspause im medizinischen Versorgungszentrum von Munkfors in Värmland. Krankenschwestern, Ärzte und Sekretärinnen verzehren ihr mitgebrachtes Mittagessen auf der sonnigen Terrasse hinter dem Haus und spülen es mit Kaffee hinunter.

Georgios Siskos und Joana Gomes sitzen entspannt zurückgelehnt auf Gartenstühlen und scheinen so richtig zu genießen, dass die schwedische Sommersonne sie ausnahmsweise mal ordentlich durchwärmt.

Auf gut Glück

Die beiden haben 2012 ihr Arztexamen in Bratislava gemacht und sind dann nach Schweden gekommen. „Für irgendein Land mussten wir uns ja entscheiden“, sagt Joana Gomes. „Also haben wir unsere Rucksäcke gepackt und sind im August auf blauen Dunst zusammen in Schweden herumgereist. Wir hatten unsere Vorstellungen und wollten einfach ausprobieren,  wie es ist. Es war cool! Wir haben jeweils von Tag zu Tag entschieden, welchen Teil von Schweden wir als nächstes erkunden wollten. Allmählich haben wir uns dann in Lund niedergelassen, um Schwedisch zu lernen. Wir hatten Glück, dass wir an der Volkshochschule angenommen wurden, es gibt dort nur wenige Plätze. “

„In unseren Heimatländern meinen viele Menschen, dass das schwedische System besser funktioniert als die Systeme bei uns“, erklärt Georgios Siskos den Umzug nach Schweden. „Ich meine das Sozialsystem, die Arbeitsbedingungen und den Respekt, mit dem das Gesundheitswesen den einzelnen Menschen behandelt. Sozial und ethisch. Wir sind jung und wollten testen, wie die Wirklichkeit in Schweden aussieht.“

Auslandserfahrung

Joana Gomes zog mit 17 Jahren allein von Portugal nach Prag. Ihre Eltern waren besorgt, aber sie unterstützten das Vorhaben ihrer Tochter. „Dafür bin ich ihnen wirklich dankbar“, sagt sie heute. „Im Ausland zu studieren ist eine schöne Erfahrung, man lernt viel, wird selbständig und ist gezwungen, sich selbst und andere zu verstehen. Außerdem muss man daran arbeiten, die Person zu werden, die man sein möchte.“  

Der Arztberuf sei nicht gerade eine Familientradition, sagt die 25-Jährige. Ihre Eltern sind beide Lehrer. „Ich hab mich schon als Kind sehr für Naturwissenschaften interessiert und wollte schon immer etwas für andere Menschen und die Gesellschaft tun.“

 „Mit 17 bin ich allein von Portugal nach Prag ausgewandert“

Nach drei Studienjahren in Prag zog sie nach Bratislava um. „Hauptsächlich weil die Slowakei auch den Euro hat - wie Portugal. Für mich war es einfacher, weil ich kein Geld zu tauschen brauchte und mein Einkommen nicht mehr mit dem Wechselkurs schwankte. In Bratislava konnte ich auch auf Englisch studieren. Und die Stadt ist genauso cool wie Prag. Richtig schön! Und dort hab ich dann ja auch meinen Freund getroffen“, Joana und Georgios schauen einander liebevoll an und lachen.

Schwedisch im Schnellverfahren

Im südschwedischen Lund haben die beiden dann zwei Monate lang fleißig Schwedisch gepaukt und sich schnellstens um die wenigen Ausbildungsstellen für Ärzte mit ausländischem Examen beworben. Mit ihren Patienten sprechen sie Schwedisch. Aber das informelle private Gespräch mit Radio Schweden wird auf Englisch nuancenreicher, versichern die beiden. 

„Wir haben nach Stellen gesucht, an denen wir uns an das schwedische Gesundheitssystem gewöhnen können“, fasst der 24-jährige Grieche zusammen „möglichst mit kompetenter Unterstützung. Wir sind zu Einstellungsgesprächen für die Stellen als Ausbildungsärzte in Munkfors gefahren und haben die Menschen hier getroffen. Es hat uns gefallen, und dann durften wir hier anfangen.“ 

Er gesteht, dass die beiden ein Risiko eingegangen sind. Munkfors ist ein Provinznest mit ungefähr 4 000 Einwohnern. Vermutlich nicht unbedingt die erste Wahl für zwei Mittzwanziger mit Großstadtgewohnheiten. „Wir hätten auch was anderes machen können“, denkt Georgios laut. „Wir sprechen ja einige Sprachen und hatten mehrere Möglichkeiten und Orte zur Wahl. Aber manchmal muss man eben seinem Gefühl folgen. Die Dinge werden zu kompliziert, wenn man allzu sehr über sie nachdenkt.“

Die praktische Arbeit mit den Patienten in Värmland war etwas Neues. Die beiden jungen Ärzte führen nun Gespräche auf Schwedisch, stellen Diagnosen, schreiben Rezepte und Überweisungen.

Unglaublich viel gelernt

 „Anfangs hab ich befürchtet, dass die Patienten mich die nötigen Untersuchungen nicht machen lassen. Aber in den drei Monaten, in denen wir jetzt hier arbeiten, hat sich unglaublich viel getan. Jetzt läuft es richtig prima. Die Verständigung mit den Patienten ist wesentlich besser geworden.“

Das medizinische Schwedisch sei gar nicht so schwer, findet Georgios. „Ich bemühe mich, meinen Patienten zu zeigen, dass sie mir wichtig sind. Ich glaube, das merken sie auch. Ich mache oft Zeichnungen. Bisher hat noch jeder Patienten verstanden, welche Krankheit er hat“, stellt er trocken fest.

Gesunde Menschen trifft das Paar offenbar weitaus seltener. In Schweden Kontakte zu knüpfen ist nicht immer leicht. „Freunde? Also ehrlich gesagt, wenn man sich in meinem Alter entscheidet,  in einen Ort wie Munkfors zu ziehen, ist einem klar, dass man kein besonders betriebsames Privatleben führen wird“, sagt Joana. "Ich kenne hier nicht so viele Leute. Aber unsere Vermieter sind sehr nett, wir sind Freunde.”

 

Skype und E-Mail

Den Kontakt zu ihren Familien und Freunden in den Heimatländern halten Joana und Georgios mit Hilfe der modernen Technik. Aber persönliche Treffen kann man so nicht ersetzen, bedauern beide. Joanna und ihre Eltern treffen einander vier oder fünf Mal im Jahr.

Ansonsten muss man sich als Fremder im stillen Munkfors selbst genug sein – und am besten einen Hund haben. „Ich treibe gern Sport. Ich mache Fahrradtouren mit meinem Hund, einem Jack Russel mit enorm viel Energie. Er braucht viel Auslauf und will spielen. Zu Hause lerne und lese ich viel. Klar braucht der Mensch den Umgang mit anderen Menschen, aber im Moment geht es mir gut hier.“

Die Aussichten auf einen weiteren Winter wischt Georgios rasch mit einem Scherz beiseite. „Sie meinen die Jahreszeit, die jetzt hier herrscht? – Na ja, wir lernen ja immer noch etwas über Schweden dazu. Noch müssen wir uns anstrengen, um das Gesundheitswesen und die schwedische Kultur zu verstehen. Wir versuchen uns anzupassen, um das richtige Gefühl für unsere Umgebung zu bekommen. Hoffentlich wird es uns gefallen!”

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