Du måste aktivera javascript för att sverigesradio.se ska fungera korrekt och för att kunna lyssna på ljud. Har du problem med vår sajt så finns hjälp på http://kundo.se/org/sverigesradio/
Pride-Festival

Stockholm Pride - nicht für alle

Publicerat onsdag 24 juli 2013 kl 11.43
"Viele führen ein Doppelleben"
(4:54 min)
Ardeshir Bibakabadi, Vorsitzender der Organisation Homan (Foto:Björn Larsson Rosvall/ Scanpix)

Das Stockholmer Pride-Festival, dessen diesjährige Auflage in der kommenden  Woche beginnt, ist längst nicht mehr nur Angelegenheit von Homo-, Bi- und Transsexuellen. Bei Pride dabei zu sein, Flagge zu zeigen auf der abschließenden Parade, ist in Schweden selbstverständlich, nicht zuletzt für Parteien, Ämter und Organisationen. Allerdings gibt es auch hier zu Lande Menschen, für die das offene Bekenntnis zur Homosexualität ernste Konsequenzen haben kann. Zu ihnen gehört Ardeshir Bibakabadi. Er ist schwul – und gläubiger Muslim.

Ardeshir Bibakabadi besucht Stockholm Pride als Vorsitzender von „Homan“. Die Organisation mit Sitz in Göteborg unterstützt Homo-, Bi- und Transsexuelle (HBT-Personen) mit Wurzeln in Ländern und Kulturen, in denen Homosexualität verpönt oder verboten ist. Auf jeden Fall werde er bei der Pride-Parade dabei sein, so Ardeshir Bibakabadi im Gespräch mit Radio Schweden. Eine extra „Abteilung” nur aus HBT-Personen mit Migrationshintergrund werde es in der Parade aber nicht geben. Dafür sei die Zeit noch nicht reif: „Wenn man das machen würde, dann würde man angegriffen, da bin ich mir sicher. Deshalb wagen wir nicht, uns auf diese Weise zu organisieren. Wenn 40 oder 50 Leute, Muslime oder andere, zusammengehen und sagen, wir Einwanderer hier in Schweden wollen Freiheit, wir wollen unsere Rechte – ja, da würden wir ganz gewiss attackiert, von anderen Einwanderern oder von Neonazis“, fürchtet er.

Schwere innere Kämpfe

Homan gibt es seit mehr als zehn Jahren. Zunächst arbeitete die Organisation rein ideell, seit drei Jahren bekommt sie öffentliche Gelder, und Ardeshir Bibakabadi, der 1985 aus dem Iran nach Schweden kam, hat mittlerweile eine Projektanstellung bei der Stadtverwaltung Göteborg. Alle sind willkommen bei Homan, unterstreicht er. In erster Linie wende man sich aber an Neuankömmlinge und an Menschen muslimischen Glaubens. Homosexuell zu sein und Wurzeln beispielsweise in Nahost zu haben, könne lebensgefährlich sein, auch hier in Schweden, betont Ardeshir Bibakabadi. Manch einer wird im Namen der Ehre von der eigenen Familie bedroht. Oft kämpfen die Betroffenen aber auch schwere Kämpfe mit sich selber aus. „Man nimmt seine gewohnten Traditionen, die Machokultur, mit hierher. Man findet, Homosexualität ist Teil einer westlichen Kultur, nicht unserer Kultur. Vielen Menschen, die aus anderen Ländern hierherkommen, fällt es sehr schwer, ihren Weg zu finden. Sie sind gezwungen, ein Doppelleben zu führen. Deshalb denke ich, dass unsere Organisation so wichtig ist. Durch sie treten wir heraus aus der Unsichtbarkeit. Wir zeigen, dass es uns wirklich gibt und dass man uns nicht verachten muss.“

Erleuchtete unter sich

Auf dem Pride-Festival wird Ardeshir Bibakabadi darüber informieren, wie Homan zugewanderten HBT-Personen helfen kann, beispielsweise bei der Prävention von HIV und Aids und in Fällen so genannter familiärer Ehrengewalt. Er freut sich auf interessante Begegnungen; übermäßig hoch sind seine Erwartungen an die Veranstaltung allerdings nicht: „Stockholm Pride ist ziemlich kommerziell. Der Eintritt zum Park ist sehr teuer. Da gibt es schon einen Unterschied zu anderen Ländern, wie Deutschland oder Frankreich. Auch in Kopenhagen kann man in den Festivalpark kommen, ohne dabei arm zu werden. Das Festival richtet sich an diejenigen, die bereits einschlägig informiert sind, die zu ihrer Homosexualität stehen und in der Gesellschaft angekommen sind. Nicht an Flüchtlinge zum Beispiel, die wenig Geld haben. Persönlich finde ich nicht, dass Stockholm Pride ein Vorbild dafür wäre, Menschen zusammenzubringen und allen zu helfen.”

Keine Angst

Vor langer Zeit führte Bibakabadi selbst ein Doppelleben. Nun zeigt er offen, wofür er steht, während sich andere nur heimlich und teils unter falschem Namen zu "Homan" wagen. Woher nimmt er seinen Mut? Er sei von einem unbändigen Gerechtigkeitssinn getrieben, betont er. Und tödlich bedroht worden sei er bisher „nur" zwei Mal: „In all den Jahren, in denen ich für die Homan-Vereinigung gearbeitet habe, mit den sexuellen Fragen, die uns Muslime betreffen, habe ich viel Respekt erfahren. Ich habe gezeigt, dass ich das, was ich sage, auch meine. Und ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich glaube an Gott, ich fühle mich beschützt und ich kann das, was mir am Herzen liegt, weitergeben."

Anne Rentzsch

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Har du frågor eller förslag gällande våra webbtjänster?

Kontakta gärna Sveriges Radios supportforum där vi besvarar dina frågor vardagar kl. 9-17.

Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".