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Zugentgleisung bei Stockholm

"Die Verkehrsbehörde handelt unverantwortlich"

Publicerat onsdag 8 januari 2014 kl 14.13
Mängel systematisch ignoriert
(5:17 min)
Kein ungewöhnliches Bild in Schweden - hier der aktuelle Unglücksort

Der in der Nacht zum Dienstag südlich von Stockholm entgleiste Güterzug konnte bisher nicht geborgen werden und wird auch im Laufe des Mittwochs umfassende Behinderungen im Zugverkehr verursachen. Unterdessen wächst die Kritik an der Verkehrsbehörde, die offenbar mehrfach auf dringend notwendige Wartungsarbeiten verzichtet hat.

Vor allem das regnerische Wetter ist laut der Verkehrsbehörde schuld daran, dass bisher nur zwei Waggons von der Unglücksstelle in Huddinge entfernt werden konnten. „An der Unfallstelle ist es ziemlich glatt, das stellt natürlich ein Risiko dar“, so der Verantwortliche Tomas Borg im Schwedischen Rundfunk. Zu möglichen Ursachen der Entgleisung will sich das Amt vorerst nicht äußern; und dass erst im November im gleichen Gebiet ein anderer Zug entgleiste, ist laut Borg sicher nur ein „Zufall“.

Doch in Wirklichkeit gab es genügend Warnsignale – Warnsignale, die zudem gut dokumentiert sind, und zwar im eigenen, internen Datensystem der Behörde, berichtet das Schwedische Fernsehen. Demnach wurden an der Unglücksstelle seit 2008 insgesamt 43 Mal Probleme mit den Schienen verzeichnet. Bei der Transportarbeitergewerkschaft SEKO spricht man von alarmierenden Mängeln, die aber offenbar seit Langem ignoriert worden seien. Schieneninspekteure hätten ihm gegenüber vom miserablen Zustand der Schienen berichtet, so der Vize-Vorsitzende von SEKO, Johnny Nadérus.

„Die Schienen sind innen verrostet und es sind deutlich Risse zu sehen. Die Verkehrsbehörde muss die ihr unterstehenden Anlagen kontrollieren. Aber über einen langen Zeitraum hinweg hat sie genau das nicht getan. Dass man eigene Verantwortlichkeiten auf diese Weise ignorieren kann, ist unbegreiflich.“

Nichts passiert

Bei der Behörde gibt man sich unwissend: „Das mit den Rostschäden habe ich bisher nicht gehört“, behauptet der für Wartungsfragen zuständige Tony Persson auf Nachfrage des Fernsehens. „Das kommt mir jetzt zum ersten Mal zu Ohren.“

Ein Blick ins Datensystem zeigt unterdessen weitere teils grobe Mängel, einige von ihnen seit Jahren bekannt, aber nach wie vor nicht behoben. So forderte ein Inspekteur im Jahr 2008, die Steine unter dem Gleisbett, den sogenannten Ballast, innerhalb von drei Monaten aufzufüllen. Bis heute sind die Steine nicht bestellt. Im vergangenen Frühjahr machte ein Kontrolleur auf einen maroden Schienenabschnitt aufmerksam und forderte eine baldige Reparatur, die noch immer auf sich warten lässt. Genauso verhält es sich mit einem Eintrag vom August: Bis zum Dezember sollte eine verschlissene Schiene demnach geschweißt werden. Passiert ist: nichts.

Erst vor wenigen Wochen fand an der aktuellen Unglücksstelle in Huddinge die jüngste Inspektion der Gleise statt, berichtet SEKO-Vizechef Johnny Nadérus. „Da stellten wir fest, dass einige Bolzen locker waren. Wir haben das in dem Datensystem vermerkt, das automatisch in die Verkehrsbehörde eingespeist wird. Aber dort schlafen sie wohl weiterhin ihren Dornröschenschlaf, ansonsten hätten sie etwas unternommen.“ Das weist die Behörde zurück: Die jüngst angemerkten Mängel seien nicht so ernst gewesen, dass sie eine sofortige Beseitigung erfordert hätten, so Abteilungsleiter Tomas Borg; an der Sicherheit mache man „niemals Abstriche“.

An dieser Aussage zweifeln lassen Enthüllungen des Schwedischen Fernsehens vom November, wonach insgesamt 23 Zugentgleisungen seit dem Jahr 2008 auf Mängel zurückzuführen waren, die das Amt zwar kannte, aber nicht beheben ließ. Nach dem Unfall vom Dienstag muss diese Zahl nun eventuell nach oben korrigiert werden.

Bürokratie blüht dank Deregulierung

Die mangelnde Sicherheit im Bahnverkehr war in den vergangenen Jahren immer wieder Anlass zu Diskussionen. Häufig als Ursache genannt wird dabei die Deregulierung des schwedischen Bahnverkehrs zu Beginn der 1980er-Jahre – allzu viele Akteure tummelten sich seither auf einem immer unübersichtlicheren Markt.

Laut Mikael Nyberg, Journalist und Autor eines kritischen Buches über den Bahnverkehr, sind die Wartungsarbeiten im Zuge der Deregulierung zurückgegangen. Die Ressourcen würden stattdessen eingesetzt, um dem wachsenden Bürokratie-Wirrwarr und dabei vor allem den ständig neuen Ausschreibungen der Dienste gewachsen zu sein.

„Ein Großteil der Mittel der Bahn werden heute von der Administration dieser Ausschreibungen geschluckt“, so Nyberg im Schwedischen Rundfunk. „Gleichzeitig sind immer weniger Bahnarbeiter draußen auf den Schienen und tun das Notwendige, um das System in Schuss zu halten. Und immer mehr Leute sitzen im Büro, brüten über Verträgen und kniffligen Paragraphen. Genau das ist heute das Problem.“

Anne Rentzsch

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