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Völkerverständigung geht durch den Magen

Publicerat onsdag 4 juni 2014 kl 13.38
In Schweden findet sozialer Umgang beim Abendessen statt"
(5:15 min)

Schweden ist eines der einwanderungsfreundlichsten Länder Europas, aber die Integration in die schwer durchschaubare Kultur und Gesellschaft gestaltet sich oft schwierig.

Es gibt bereits Projekte, mit denen versucht wird, Migranten und alteingesessene Schweden einander näher zu bringen. Eine neue Initiative hat nun aber erkannt, wo man als Neuankömmling am besten schwedische Freunde kennenlernt: am Essenstisch.

Segregiertes Stockholm

Montagabend im Stockholmer Stadtteil Gärdet. Alexia Staaf und Nikodemus Rudberg laden zum Abendessen ein. Ihr Gast heute ist Nematullah Rohid, Flüchtling aus Afghanistan, seit zwei Jahren wohnhaft in Schweden. Nematullah Rohid ist an diesem Abend in die rote U-Bahn-Linie an ihrer einen Endhaltestelle in Norsborg eingestiegen und einmal quer durch die gesamte Stadt gefahren. Kein großer Aufwand eigentlich, die Fahrt dauert nur knapp 40 Minuten. An diesem Abend, am Esstisch von Staaf och Rudberg im wohlsituierten Gärdet, treffen aber dennoch Menschen aufeinander, deren Wege sich ansonsten im stark segregierten Stockholm nur äußerst selten, wenn nicht gar niemals kreuzen würden.

„Wie heißt dieses Essen?“, fragt Rohid seine Gastgeber. „Lasagne“, antwortet Alexia Staaf. „Das ist fast dasselbe wie Spaghetti mit Soße, nur eben aufeinandergestapelt.“

Noch nie bei Schweden zu Hause gewesen

Nematullah Rohid lebt schon seit zwei Jahren im Land, war aber bislang noch nie bei einem Schweden zu Hause zum Essen gewesen. Durch bloßen Zufall ist dieses gemeinsame Abendessen in Gärdet auch nicht zustande gekommen, Rohid ist nämlich über seinen Sprachkurs auf eine neue Initiative gestoßen, die „Einladungsbehörde“.

Das Konzept ist denkbar simpel. Im Sprachkurs „Schwedisch für Einwanderer“, den die meisten Zuwanderer hierzulande durchlaufen müssen, werden Bewerbungsbögen ausgeteilt, auf denen angekreuzt wird, ob man gerne zum Essen einladen will oder lieber eingeladen wird. Gleichsam können sich interessierte Schweden, die gerne mit Menschen aus anderen Kulturen zusammenkommen wollen, bei der „Einladungsbehörde“ eintragen.

Wie lernt man Schweden kennen?

Eine Idee, die zunächst nicht allzu revolutionär klingt,  gibt es doch zahlreiche Tandemprojekte oder Workshops, in denen multikultureller Austausch gefördert wird. Die Initiatorin der „Einladungsbehörde“, Ebba Åkerman, hat allerdings erkannt, wie sich die Schweden – denen ja allgemein nicht gerade der Ruf vorauseilt, übermäßig offenherzig und Smalltalk-begeistert zu sein – am leichtesten kennenlernen lassen.

„Sozialen Umgang pflegt man in Schweden vor allem, indem man Leute zum Abendessen einlädt“, sagt Ebba Åkerman. „Viel eher, als dass man gemeinsam ausgeht oder sich spontan in einer Kneipe trifft. Unser Konzept ist also eine einfache Möglichkeit, an dieser Kultur teilzuhaben und jemanden kennenzulernen, der hier lebt.“

"In meinem Viertel gibt es keine Muttersprachler"

Ebba Åkerman unterrichtet Klassen im „Schwedisch für Einwanderer“. Als sie einmal ihre Schüler aufgefordert hat, ihre Schwedischkenntnisse doch mehr mit Muttersprachlern zu üben, antwortete ein Schüler, dass dies nicht möglich sei: In seinem Stadtteil gebe es nämlich keine Muttersprachler. Das Erlebnis sollte für Ebba Åkerman zur Initialzündung für ihre „Einladungsbehörde“ werden.

Bislang findet alles noch in recht überschaubaren Rahmen statt. Das Projekt war bislang auf gewählte Stadtteile in Stockholm begrenzt. 31 Abendessen hat Åkerman bislang arrangiert. Die Nachricht von der „Einladungsbehörde“ verbreitet sich derzeit aber in rasantem Tempo in Schweden. 45 Anfragen hat die Initiatorin allein für das kommende Wochenende erhalten, ihr nächstes Ziel ist die 100-Marke.

Risiken steigen mit zunehmender Bekannntheit

Das Projekt baut auf offene, interessierte und wohlwollende Menschen. Die bisherigen Teilnehmer kannte Ebba Åkerman persönlich, und sie ist sich durchaus bewusst, dass mit zunehmendem Bekanntheitsgrad der Initiative auch die Risiken steigen. Wenn sich neue Bewerber melden, schaut sie zunächst in sozialen Medien und auf Google nach. Schließlich ruft sie auch an, um sich ein Bild über die Beweggründe der Bewerber zu verschaffen.

Die „Einladungsbehörde“ nimmt sich allerdings nur des ersten Treffens an – ob es zu weiteren Abendessen oder anderen gemeinsamen Aktivitäten kommt, liegt ganz an den Teilnehmern selbst. Für Alexia Staaf, Nikodemus Rudberg und Nematullah Rohid jedenfalls sollte es zu einem gelungenen Abend werden.

„Es war schön heute Abend. Andere Menschen, die aus Schweden kommen, zu treffen und einzuladen, ist eine wirklich wichtige Sache“, sagt Rohid, nachdem er und seine Gastgeber in Gärdet ihr Lasagne-Essen beendet haben.

Nicht nur reine Wohltätigkeit

Für Alexia Staaf handelt es sich bei dem Treffen auch nicht nur um uneigennützige Wohltätigkeit: Für sie selbst ist es eine willkommene Möglichkeit, einen neuen Menschen kennenzulernen, stereotype Ansichten über andere Kulturen zu überwinden und ihren Beitrag für die Bekämpfung der Segregation in Stockholm zu leisten.

„In Schweden ist es unüblich, mit anderen Menschen Smalltalk zu führen. Das ist einerseits eine gute Sache, da man so nicht in die Oberflächlichkeit abrutscht. Wenn dies aber dazu führt, dass Menschen ausgegrenzt werden, so ist es nur traurig“, sagt Ebba Åkerman.

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