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Hintergrund

Kampf dem Schuldenberg

Publicerat onsdag 5 november 2014 kl 13.08
"Hohe Kredite nichts für finanziell schwache Gruppen"
(5:38 min)
Der Stockholmer Stadtteil Östermalm ist Schwedens teuerstes Pflaster (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)

Zentralbank-Chef Stefan Ingves hat am Mittwoch zum wiederholten Male darauf gedrängt, in Schweden eine per Gesetz geforderte Tilgung für Wohnungsdarlehen einzuführen.

Wohnungsmangel und hohe Prise in den Großstädten haben zur Folge, dass immer mehr Schweden hoch verschuldet sind. Gleichzeitig ist die Bereitschaft, die Schulden auch zu tilgen, nur wenig ausgeprägt. Schwedische Volkswirte und auch internationale Experten beobachten den wachsenden Schuldenberg in Schweden mit großer Sorge.

Shorell Sare wohnt in Telefonplan, einem beliebtem Vorort unweit der Stockholmer Innenstadt. Für ihre 34 Quadratmeter hat sie umgerechnet etwa 170.000 Euro bezahlt, 150.000 Euro kamen dafür von der Bank. Zinsen und Nebenkosten machen nun ihre monatliche Wohnungsrechnung aus, von ihren Schulden zahlt sie allerdings nichts an die Bank zurück.

Konsum statt Rückzahlung

„Jeden Monat habe ich etwa 100 Euro über, die an die Bank gehen könnten. Ich lebe aber lieber im hier und jetzt, gehe gern aus, esse im Restaurant oder gehe auf Reisen. Ich versuche, nicht so oft an meine Schulden zu denken. Es fühlt sich dann nämlich ziemlich unfrei an.“

Viele Schweden, vor allem jüngere, befinden sich in der gleichen Situation wie Sare. Sie haben zwar kein übermäßiges, aber ein geregeltes Einkommen und wollen in einer einigermaßen attraktiven Gegend in Stockholm, Malmö oder Göteborg leben. Mittlerweile grenzt es allerdings fast schon an ein Wunder, als Hauptmieter in solchen Gegenden eine Mietwohnung zu finden. Viele sind deshalb auch bereit, stattdessen unverhältnismäßig hohe Schulden auf sich zu nehmen.

Niedrige Immobilienzinsen spielen eine wichtige Rolle bei der Tilgungsmüdigkeit der Schweden: Sie zahlen im Monat nur etwa 1,2 bis 3 Prozent. Ein großer Rückzahlungsdruck wird bei den monatlichen Zinsrechnungen kaum spürbar.

Null-Leitzins verleitet zu neuen Krediten

Vergangene Woche beschloss die schwedische Zentralbank, den Leitzins auf 0 Prozent zu senken, was die Schuldenbereitschaft der Schweden noch weiter stimulieren wird. Aus eben diesem Anlass meldete sich am Mittwoch der Leiter der Zentralbank, Stefan Ingves, in einem Gastbeitrag für die Zeitung Dagens Nyheter zu Wort. Es sei höchste Zeit, auf die Bremse zu drücken, um die Schuldenanhäufung zu zügeln. Gesetzlich vorgegebene Tilgungen seien ein Schritt in die richtige Richtung, so der Zentralbank-Chef.

Stefan Ingves  sorgt sich vor allem um
die niedrige Inflationsrate. Höhere Inflationsraten begünstigen in der Regel die Schuldner, da der Wert ihrer Bankschulden sinkt, während sich der Wert ihrer Immobilie dabei nicht unbedingt verschlechtern muss. Ein Leitzins von 0 Prozent führt zwar zu höherer Bereitschaft, neue Kredite aufzunehmen. Dennoch wird der Null-Leitzins dem schwedischen Schuldenberg entgegenwirken, da die Wirtschaft angekurbelt und so die Inflationsrate wieder erhöht wird, so die Hoffnungen bei der schwedischen Zentralbank.

Banken regeln es lieber selbst

Die Banken sind an Stefan Ingves stehender Forderung nach gesetzlich vorgegebener Tilgung nur wenig interessiert. Die schwedischen Großbanken fahren regelmäßig enorme Gewinne ein, nicht zuletzt dank des florierenden Geschäfts mit Immobilienkrediten. Gleichzeitig bemühen sich die Banken, auf den wachsenden Druck seitens der Regierung, der Zentralbank und der Finanzaufsichtsbehörde zu reagieren. Zuletzt gab die schwedische Bankenvereinigung die Empfehlung an die Kreditinstitute aus, ihren Kunden eine höhere Tilgungsdisziplin nahezulegen. Bislang ist es üblich, Tilgungen einzufordern, wenn die Schulden ungefähr 75 Prozent des Immobilienwerts entsprechen. Nun soll der Rückzahlungszwang bereits dann einsetzen, wenn die Schulden 50 Prozent des Immobilienwerts übersteigen, so der Vorschlag.

Soziale Ungerechtigkeiten

Schuldner wie Shorell Sare in Telefonplan würden damit künftig stärker in die Pflicht genommen. „Ich würde einer Kreditaufnahme mit weitaus größerer Vorsicht begegnen, wenn ich neben den Zinsen auch noch meine Kredite zurückzahlen muss. Ich wohne alleine und verdiene nicht übermäßig viel. Solche Forderungen wären aber ungerecht. Für viele Menschen, die nicht von wohlhabenden Eltern unterstützt werden, wird es noch schwieriger, sich eine Wohnung zu kaufen.“

Der Leiter der Finanzaufsichtsbehörde, Martin Andersson, sieht allerdings mit Vorsicht auf solche Erwägungen: „Es ist keine Lösung für finanziell schwächere Gruppen, hohe Kredite aufzunehmen. Gerade diese Gruppen sind wirtschaftlichen Tiefschlägen besonders stark ausgesetzt. Dies bedeutet aber auch, dass man womöglich nicht immer genau die Wohnung kaufen kann, die man am liebsten hätte“, so Martin Andersson.

Mehr Zeit für die Tilgung ein Muss

Wie die Finanzaufsichtsbehörde zu den neuen Vorschlägen zum Tilgungszwang steht ist noch unklar. Dass die neue Grenze von 50 Prozent bei der Rückzahlung von Wohnungsdarlehen nur realisierbar ist, wenn für die Tilgung auch längere Zeiträume gewährleistet werden, ist für die Wirtschaftsjournalistin Patricia Hedelius, die sich für die Zeitung Svenska Dagbladet viel mit dem Thema beschäftigt, eine klare Voraussetzung.

„Auf 30 Jahre betrachtet läge die monatliche Tilgung bei etwa 200 Euro, was für viele Haushalte zu viel wäre. Läge die Rückzahlungsfrist bei 50 Jahren, dann würde es sich um vielleicht 100 Euro monatlich handeln, also weitaus erschwinglicher. Auch den Banken kämen längere Tilgungsfristen von bis zu 50 Jahren eigentlich entgegen, denn sie haben kein Interesse an den großen Preisschocks, die mit den neuen Regeln ansonsten entstehen könnten.“

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