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Reportage

Therapie im Taxi

Publicerat onsdag 5 november 2014 kl 15.56
Taxi-Unternehmen bittet auf die Couch
(5:09 min)
Psychologin Mia Fahlén in ihrer Rolle als "Taxi-Therapeutin" (Foto: Liv Heidbüchel/Radio Schweden)

Das Unternehmen Taxi Stockholm bietet diese Woche einen speziellen Dienst an: die Taxi-Therapeuten. Weil der Gang zum Therapeuten im gehetzten Alltag für viele ein weiteres Stressmoment ist, kann ein erstes Gespräch nun ganz leicht organisiert werden. Man steigt ins Taxi und die Therapeutin wartet schon. Ist das nur ein PR-Gag oder bringt die Aktion wirklich etwas?

Ein Taxifahrer wie aus dem Ei gepellt, formvollendet hält er die Tür zum Rücksitz auf und dort sitzt dann auch schon Mia Fahlén. Die Diplompsychologin hat inzwischen Erfahrung mit neugierigen Journalisten – die sind nämlich bisher hauptsächlich ihre Klienten gewesen. Therapeutin und potenzielle Patientin trennt nur eine breite Armlehne, die Atmosphäre ist auf dem kleinen Raum von Anfang an sehr persönlich. Umso stärker fällt die Professionalität der Therapeutin ins Gewicht: gepflegtes Äußeres, gedämpfte Stimme, ruhige Bewegungen. 

Das Projekt des Taxi-Unternehmens hat Mia Fahlén von Anfang an überzeugt, erzählt sie, während die Taxe durch ein verregnetes Stockholm gleitet. Ein guter Anfang eben von etwas, mit dem die meisten keine Erfahrung haben. 

„Dieses Gespräch im Taxi ist hoffentlich so etwas wie ein Türöffner für die Menschen, sich auf etwas einzulassen, was sie sich vorher nicht zugetraut haben oder von dem sie nicht wussten, dass sie damit überhaupt Hilfe bekommen können. Für mich ist das hier gleichbedeutend mit Zuschriften von Lesern oder Hörern an das entsprechende Ressort bei einer Zeitung oder im Radio, nur dass man sich hier viel privater unterhalten kann.“ 

Hauptthema Stress

 „Die Taxi-Therapeuten“: Was klingt wie eine Fernsehserie, soll dem Werbespot des Unternehmens zufolge Menschen dabei helfen, eine Lücke im stressigen Alltag sinnvoll zu nutzen, nämlich sich selbst etwas Gutes zu tun - zumal man für den Psycho-Talk nichts extra bezahlen muss. 

Neben Leistungsdruck und Beziehungsproblemen ist denn auch Stress ein immer wiederkehrendes Thema bei den Gesprächen im Taxi. Psychische Probleme sind für einen Großteil der Krankschreibungen in Schweden verantwortlich, weiß Mia Fahlén. Viele suchen zu spät Hilfe – auch das absurderweise oft aus Zeitgründen. 

„Wenn man gestresst ist, nimmt man sich nicht gern die eine Stunde pro Woche, um zur Therapie zu gehen. Wenn wir gestresst sind, machen wir viele Dinge, die vielleicht kurzfristig erstmal helfen, längerfristig aber noch mehr Stress oder Sorgen bereiten.“ 

Ungewisses Resultat 

Das kurze Gespräch in der Taxe ist aber nicht mit einer Behandlung gleichzusetzen. Eher geht es um ein kurzes Abklopfen der Problemlage, und dann versucht die Psychologin gute Ratschläge oder auch Buchtipps zu geben. 

„Ob meine Hilfestellung zum Beispiel beim Thema Stress etwas gebracht hat, zeigt sich ja erst, wenn die Ratschläge auch umgesetzt werden. Dass ich nicht erfahre, was nach dem Gespräch mit den Menschen passiert, ist vielleicht der größte Frust für mich bei diesem Projekt. Nicht zu erfahren, ob meine Ratschläge hilfreich waren oder ich mich vielleicht undeutlich ausgedrückt habe.“

Mit ihrer langjährigen Therapie-Erfahrung erschüttert Mia Fahlén so schnell kein Thema. Sollte in den kommenden Tagen jemand ins Taxi steigen, der dringend psychiatrische Behandlung nötig hat, würde die Psychologin versuchen, die Person umgehend weiterzuleiten. Denn für eine Instant-Kur ist die Taxifahrt ganz gewiss nicht geeignet, schon gar nicht bei schweren Fällen. 

Sehnsucht nach dem Büro

Doch nach ein paar Tagen Fahrerei im Taxi mit konzentrierten Gesprächen, den Blick auf das Gesicht des Gegenübers geheftet, im Hintergrund die vorbeiziehende Stadt, während das Auto munter schaukelt, freut sich Fahlén auch wieder auf die Termine in ihrem Büro.

„Das Ganze hat mehr Spaß gemacht als ich vorher dachte. Es ist ja doch sehr intim. Ansonsten sitzt jeder in seinem Sessel mit einem Tisch und einer Lampe dazwischen. Gerade das Informelle macht, dass ich den Menschen durch die physische Nähe auch sonst viel näher gekommen bin. Aber nach so ein paar Stunden ist mir vom vielen Fahren fast ein bisschen übel, da ist doch die Aussicht auf den Sessel sehr schön.“ 

PR-Gag der erträglichen Sorte 

Mit der Aktion der Taxi-Therapeuten hat das verantwortliche Unternehmen auf dem hart umkämpften Markt kräftig die Werbetrommel gerührt: Das Echo, auch international, auf die Therapiesitzung im Taxi war enorm, der Markenname „Taxi Stockholm“ in aller Munde. Für Werbezwecke ausgenutzt fühlen sich Mia Fahlén und ihre beiden Kolleginnen aber nicht. 

„Ich bin der Meinung, dass wenn ein Unternehmen seinen Kunden etwas extra bieten will, dann ist das hier doch eine vernünftige und auch sehr mutige Sache. Ich hoffe, dass es die Augen dafür öffnet, wie gewöhnlich Probleme mit zum Beispiel Stress sind und dass sich mehr Menschen fragen: Wie geht es uns eigentlich, brauchen wir Hilfe?“

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