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Schweden arbeitet an Aussteigerprogramm für Dschihadisten

Publicerat fredag 7 november 2014 kl 13.57
"Die schwedische Gesellschaft ist auf diese Bedrohung nicht vorbereitet"
(4:31 min)
Prominente Regierungsbeauftragte gegen gewaltbereiten Extremismus, Mona Sahlin (Foto: Sveriges Radio)

Ausstiegsbereite Islamisten sollen mehr Hilfe bekommen. Dies betonte die zuständige Regierungsbeauftragte bei einer Veranstaltung im einwandererstarken Stockholmer Vorort Rinkeby. Dabei wurde auch deutlich, dass die Behörden in puncto Radikal-Islam vielfach überfordert sind.

Die im Sommer berufene Beauftragte der Regierung gegen gewaltbereiten Extremismus ist keine Geringere als Mona Sahlin. Sie ist nicht nur ehemalige Vorsitzende der Sozialdemokraten und blickt auf eine jahrzehntelange Karriere als Parlamentsabgeordnete und Ministerin zurück – eine Namen hat sie sich auch in ihrem Kampf gegen Rechtsradikalismus und Neonazis in Schweden gemacht. 

Nun soll sie ganz offiziell die Regierung dabei unterstützen, gewaltbereite Extremisten von ihren Vorhaben abzubringen. Und weil die größte Gefahr derzeit von radikalisierten Muslimen ausgeht, hofft Sahlin, dass sich in den kommenden eineinhalb Jahren viel bewegen wird. 

Segregation bedroht Demokratie 

Am Rande einer Veranstaltung zum Thema islamischer Extremismus erklärte die Regierungsbeauftragte gegenüber Radio Schweden: „Bis mein Vertrag im Sommer 2016 ausläuft, hoffe ich, dass es Aussteigerhilfe für alle gibt, die extremen Organisationen den Rücken kehren wollen. Außerdem benötigen wir mehr Unterstützung für die betroffenen Familien, die mit ihrem Schuldgefühl und ihrer Hilflosigkeit vielfach nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen. Wir brauchen auch ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass Segregation die Demokratie genauso stark bedroht wie Extremismus dies tut.“ 

Erst kürzlich hat der schwedische Staatsschutz Säpo seine Zahlen über die Schweden, die sich der Terrormiliz „Islamischer Staat“ in Syrien und im Irak angeschlossen haben, nach oben korrigiert: 90 sind es demzufolge. Schwedens führender Terrorismus-Forscher, Magnus Ranstorp, geht von doppelt so vielen aus – selbst diese Schätzung dürfte unter der Dunkelziffer liegen. 

Von Al-Shabaab zu IS 

Die meisten der schwedischen Dschihad-Reisenden stammen Beobachtern zufolge ursprünglich gar nicht aus Syrien, sondern aus anderen Teilen des Nahen Ostens oder aus Nordafrika. Auch junge Männer somalischen Ursprungs haben sich der brutalen Terrormiliz angeschlossen. Seit 2007 weiß man beim somalischen Zentralverband um das Problem, dass auch Männer mit somalischem Migrationshintergrund aus Schweden bei Terrororganisationen mitkämpfen – vor allem reisten diese aber bisher nach Somalia, um dort die als terroristisch eingestufte Al-Shabaab zu unterstützen. 

Nun ist es der IS, der verstärkt rekrutiert – und in Schweden guckt man aus Unkenntnis hilflos zu, kritisiert der Vorsitzende des somalischen Zentralverbandes, Abdi-Nur Mohamed Isse. „Wir beobachten eine wachsende Segregation, deren Effekte aufgefangen werden müssen. Das ist aber nur ein Aspekt. Der andere ist, dass gewisse Leute sehr erfolgreich anwerben, während die schwedischen Institutionen und die Gesellschaft auf diese Bedrohung noch gar nicht vorbereitet sind.“ 

Während Sozialdienste, Polizei und nicht zuletzt der Staatsschutz mit diesem neuen Phänomen überfordert seien, kenne man sich mit dem Thema in somalischen Kreisen weit besser aus, so Mohamed Isse. Er verweist auf die über 100 somalischen Organisationen landesweit, die jede auf ihre Weise Kontakt zu den gefährdeten Jugendlichen suchen sollte. 

„Wir können über die Vereine eine Diskussion anregen und vor allem auf Somalisch informieren. Das ist ein Faktor, der Menschen davon abhalten kann, sich im Ausland islamistischen Terrorgruppen anzuschließen.“ 

Angehörige oft im Stich gelassen 

Insbesondere die Eltern und andere Familienmitglieder bräuchten mehr Information über die Anziehungskraft der radikalislamischen Milizen - genauso wie betroffene Angehörige mit ihren Erfahrungen wiederum anderen Eltern helfen können. Gerade an der dafür nötigen Offenheit hapert es aber oft, weiß Mohamed Isse. 

Immer wieder hört er von besorgten Eltern, die sich wegen des Extremismus ihrer Kinder schuldig fühlen - auch wenn diese längst erwachsen sind. Viele würden das Thema etwa bei der Arbeit nie zur Sprache bringen, aus Angst selbst in Verdacht zu geraten. Wieder andere melden sich sogar bei der Polizei und fragen, ob gegen sie ermittelt wird. 

Gerade für diese Sorgen will die Regierungsbeauftragte Mona Sahlin ein offenes Ohr haben - genauso wie für die jungen Erwachsenen, die sich vom IS angezogen fühlen. „Viele haben Fragen und müssen diese auch stellen dürfen. Wenn wir richtig zuhören, können wir auch eine Menge lernen, denn wir machen uns oft keine Vorstellung von der Hoffnungslosigkeit, die sich immer mehr ausbreitet.“

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