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Eltern finden Freizeit wichtiger als Schule

Publicerat torsdag 13 november 2014 kl 15.05
"Es schadet letztlich den Kindern"
(4:49 min)
Die Eltern fordern immer öfter Beurlaubungen vom Unterricht für ihre Kinder (Foto: Liv Heidbüchel/Sveriges Radio)
Viele Eltern vermitteln ihren Kindern schon früh, dass Schule nicht so wichtig ist, wenn sie ausserhalb der Ferienzeiten in Urlaub fahren, beklagt Rektorin Victoria Björklund (Foto: Liv Heidbüchel/Sveriges Radio)

Der Respekt der Eltern vor der Lehranstalt Schule sinkt zunehmend. Dies zeige sich an den vielen Anträgen zur Befreiung vom Unterricht für Reisen, aber auch für Freizeitbeschäftigungen der Schüler, klagt eine Rektorin - und dürfte damit vielen ihrer Kollegen aus der Seele sprechen. Sie fordert nun ein deutlicheres Schulgesetz.

Victoria Björklund leitet zwei Schulen in Luleå, zuvor hat sie viele Jahre als Lehrerin gearbeitet und kennt die Konflikte mit den Eltern genau: Die einen wollen außerhalb der Ferien günstiger verreisen, die anderen finden eine Auslandsreise lehrreicher als Mathepauken und bei den dritten passt der Unterricht zeitlich nicht mit dem Fußballlager zusammen. 

Mit einem Gastbeitrag in der Tageszeitung Dagens Nyheter mit dem Titel „Schule ist wichtiger als die Thailand-Reise“ hat Björklund nun eine Debatte darüber angestoßen, was Eltern ihren Kindern vermitteln, wenn sie um Freistellung vom Unterricht bitten. Gegenüber Radio Schweden erklärt sie: „Wenn man anfängt zu diskutieren, dass andere Dinge besser sind als die Schule und man diese somit nicht respektiert, dann gibt es sofort ein Motivationsproblem. Die Kinder fragen sich doch, was sie dort zu suchen haben, wenn schon die Eltern finden, dass man auch woanders gut Dinge lernen kann.“ 

Bali-Reise war „mehr als Faulenzen“ 

Auf Reisen lernen, alles aus nächster Nähe sehen, anderes Essen probieren – all dies waren Gründe für Christa Nissen, ihre damals sieben und zehn Jahre alten Kinder mit nach Bali zu nehmen. Zwei Wochen dauerte die Reise, eine Woche länger als die Herbstferien eigentlich waren. 

„Ich wollte meinen Kindern Bali und die umliegenden Inseln zeigen, weil ich dort selbst schon öfter war und auch ein bisschen Indonesisch spreche. Wir haben dann aber nicht nur in einem Charterhotel gewohnt, sondern sind mit dem Bus herumgefahren und haben verschiedene Dörfer besucht. Meine Überlegung war, dass die Kinder sehr viel darüber lernen würden, wie die Leute auf der anderen Seite der Erde leben. Sicher, es war auch warm und man konnte im Meer baden, aber es ging nicht nur ums Faulenzen, sondern eben darum, sich viel anzusehen und mit den Menschen dort zu sprechen.“ 

Unterricht Nebensache?  

Wer sich pro Halbjahr eine Woche extra genehmigt, der nimmt seinem Kind im Laufe der neun obligatorischen Schuljahre ein gesamtes Semester, merkt Rektorin Björklund an. 

Für Mutter Christa Nissen war bei der Bali-Reise der Umstand, dass ihre Kinder wichtigen Unterricht verpassen, nicht wichtig. Inzwischen sind die Anforderungen an die Kinder in der Schule aber so hoch, dass ein Urlaub außer der Reihe nicht mehr in Frage käme.

„Daran habe ich damals überhaupt nicht gedacht. Heute würde ich es aber nicht mehr so machen. Ich finde dennoch, dass es darauf ankommt, was für eine Reise man macht. Zwei Wochen am Pool herumzuliegen, finde ich nicht ok. Wenn man aber zum Beispiel seine Wurzeln in einem anderen Land hat, ist das etwas anderes. Das sollte man von Fall zu Fall entscheiden.“ 

Keine Zeit für Demokratie 

Gerade vor diese Entscheidung, für welche möglicherweise wichtige Reise oder welche Sportfreizeit ein Kind beurlaubt werden soll, möchte Rektorin Björklund aber nicht gestellt werden und fordert deshalb eine deutlichere Formulierung des Schulgesetzes. Bei den von ihr geleiteten Schulen gibt es daher nahezu kaum Unterrichtsbefreiungen – Ausnahmen bilden Beerdigungen oder ähnlich schwer wiegende Situationen. 

„Wir sind viel restriktiver geworden, weil ich nicht finde, dass das Gesetz so interpretiert werden sollte. Es geht um das Recht der Schüler auf Ausbildung und darum, wie wir die gleiche Schulbildung für alle gewährleisten können. Unser Auftrag läuft längst nicht nur auf Wissensvermittlung und das Erreichen von Noten heraus, sondern an erster Stelle steht die Ausbildung in Fragen der Demokratie. Um Toleranz zu entwickeln, neue Perspektiven einzunehmen und Gespräche zu führen, müssen wir aber zusammen in der Schule sein.“ 

Angst vor den Eltern als Kunden 

So strikt wie Victoria Björklund sind aber bei weitem nicht alle Rektoren, bedauert sie. Ihrer Meinung nach hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten viel verändert: War es früher noch normal, ein Nein der Schule selbstverständlich zu akzeptieren, würden die Eltern heute ganz andere Ansprüche stellen. Verantwortlich dafür sei die so genannte Freischulen-Reform aus dem Jahr 1992, mit der private Akteure auf den Bildungssektor drängten und seitdem jeder seine Schule wählen kann – anstatt sich mit der Stadtteilschule zu begnügen. 

„Heute entspricht das Verhältnis von Schüler und Schule eher dem eines Kunden und einem Dienstleister. Das bedeutet auch verstärkten Wettkampf der Schulen untereinander. Eltern haben mir schon oft vorgeworfen, dass ich Schüler nicht beurlaube, andere Schulen dies aber durchaus täten. Wenn das Gesetz dann so viel Deutungsspielraum lässt, wird die Beurteilung willkürlich und jeder geht nach Gutdünken vor. Weil der Druck so enorm ist, gibt das Schulpersonal dann oft klein bei. Das ist vor allem deshalb schade, weil es letztendlich den Kindern schadet.“

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