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Hintergrund

Abtreibungsdebatte auf Umwegen

Publicerat fredag 14 november 2014 kl 12.34
"Dann sollte man einen anderen Job suchen"
(3:53 min)
Barnmorska Camilla Karlsson. Foto: Carina Bergqvist/ Sverigesradio Kronoberg
Das Berufsbild der Hebamme ist in Schweden eindeutig (Foto: Carina Bergqvist/ Sverigesradio Kronoberg)

Schweden hat eine neue Abtreibungsdebatte. Ausgelöst wurde sie von der Entscheidung einer Provinzialbehörde, doch nicht prüfen zu lassen, ob Hebammen die Mitwirkung bei Schwangerschaftsabbrüchen unter Berufung auf eine Gewissensentscheidung verweigern können.

Mittlerweile hat sich sogar Ministerpräsident Stefan Löfven zu Wort gemeldet und deutlich gemacht, dass er gegen eine Gewissensklausel ist:

„Es geht hier um eine prinzipiell sehr wichtige Diskussion in der medizinischen Versorgung in Schweden. Auch bei Abtreibungen muss garantiert werden, dass alle die gleiche Behandlung erhalten, unabhängig davon, in welcher Region sie sich befinden.  Dafür gibt es nationale Regeln. Ich sehe mit Besorgnis, dass die jetzige Diskussion sich in eine andere Richtung entwickelt. Das kann doch dazu führen, dass sich der eine weigert, dieses oder jenes zu machen, ein weiterer will etwas anderes nicht. Das kann nicht angehen. Wir habe nationale Richtlinien. Das bedeutet dass man überall gleich behandelt wird. Wir werden die Diskussion weiter beobachten und verfolgen, ob es einen Grund zum Eingreifen gibt.“

Anlass der Stellungnahme Löfvens am Donnerstag im Reichstag war zunächst die Entscheidung der Provinzialregierung im südschwedischen Kronoberg, prüfen zu lassen, ob Hebammen das Recht haben sollen, die Durchführung einer Abtreibung zu verweigern. Kronoberg ist Teil vom christlich geprägten Småland. Im småländischen Eksjö wurde einer Hebamme zu Beginn des Jahres eine Anstellung verweigert, weil sie Abtreibungen nicht durchführen wollte.

Christdemokraten ausgebremst

Die Initiative entstand auf Ansinnen der Christdemokraten. Sie wurde erst spät durch die Bündnispartner der Konservativen und Liberalen gebremst, denn sie rüttelt am Recht auf Abtreibung. Im schwedischen Gesundheitssystem werden Schwangerschaftsabbrüche seit jeher von Gynäkologen und Hebammen ausgeführt, erklärt Kajsa Westlund vom Verband der schwedischen Hebammen:

„Schwedische Hebammen haben eine lange Geschichte mit einem weiten Arbeitsfeld. Dazu gehört auch seit langem die Abtreibung. Heutzutage werden viele medizinische Schwangerschaftsabbrüche von Hebammen allein durchgeführt. Unser Aufgabenbereich ist die reproduktive Sexualmedizin und dazu gehört der gesamte Lebenszyklus der Frau.“

Abtreibungsgegner auf dem Plan?

Dass nun einige Hebammen über eine Verweigerung nachdenken, ist für Rossana Dinamarca ein Unding. Der Abgeordneten der Linkspartei geht es dabei ums Grundsätzliche.

„Das ist doch eine neue Art und Weise der Abtreibungsgegner, das Recht auf Abtreibung anzugreifen. Es ist gut, dass die Parteien reagieren und wir jetzt eine Debatte haben. Es geht doch darum, dass man vielleicht nicht die Hilfe erhält, auf die man ein Anrecht hat. Das Recht auf Abtreibung ist in den Gesetzen zur Gesundheitsversorgung garantiert. Wenn jemand diese Arbeitsaufgaben nicht wahrnehmen kann, sollte er einen anderen Job suchen.“

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Christdemokraten, Emma Henriksson, möchte dagegen eher die Gewissensfrage, die sich jede einzelne Hebamme stellt, in den Vordergrund rücken und beruft sich auf andere Länder wie etwa die Niederlande und Norwegen:

„Da geht es doch um moralische Bedenken des Pflegepersonals. Wir sehen politische Entscheidungen in unseren Nachbarländern, wo man etwa die Sterbehilfe einführt, in Holland sogar bei Kindern. Da kann es Personal geben, das eben Bedenken hat. Man kann etwa Krebsspezialist und sehr gut auf seinem Gebiet sein und dennoch nicht Leben absichtlich und im Vorweg beenden wollen.“

Für Kajsa Westlund steht dagegen fest, wer keine Abtreibungen ausführen möchte, sollte erst gar nicht Hebamme werden: „In Schweden gibt es keine Gewissensklausel und die sollen wir auch nicht haben. Die gibt es in einem völlig anderen Zusammenhang, nämlich wenn man zu etwas gezwungen wird. Aber wenn man Hebamme wird, weiß man, dass Abtreibungen zu den Berufsaufgaben gehört.“

Dieter Weiand

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