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Hintergrund

Teilzeitarbeit: Befreiungsschlag oder Frauenfalle?

Publicerat onsdag 26 november 2014 kl 10.00
"Hausfrau sein wäre aber zu langweilig"
(8:28 min)
Isabel Pais Iglesias (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)
Isabel Pais Iglesias, eine der zahlreichen Teilzeit arbeitenden Mütter in Schweden (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)

Schweden ist das vielgerühmte Land der Gleichberechtigung, was aber keineswegs bedeuten muss, dass junge Mütter hier problemlos karriereträchtige Berufe in Einklang mit Familie und Kindererziehung  stemmen können.

Frauen bleiben auch kurze Zeit nach der Familiengründung in der Regel berufstätig, viele von ihnen auf Teilzeit. Parallel dazu stellt die Gesellschaft hohe Erwartungen an die Frauen, fürsorgliche und engagierte Mütter zu sein, ohne dabei aber das berufliche Fortkommen zu vernachlässigen. Wie wirkt sich dieser Spagat auf die Betroffenen aus, und welche Rolle spielt dabei die schwedische Familienpolitik im Vergleich zu Deutschland? Radio Schweden sprach mit einer jungen Mutter in Stockholm und mit einer deutschen Forscherin, die sich die Familienpolitik in beiden Ländern näher angeschaut hat:

Mittagszeit in Sundbyberg, direkt vor den Toren Stockholms. Isabel Pais Iglesias bestellt sich einen Fischeintopf und beginnt zu erzählen. Das Büro, bei dem sie in Teilzeit zu 75 Prozent arbeitet, liegt direkt neben dem Restaurant. Die Zeit drängt, bis um halb vier spätestens muss sie alle heute anstehenden Aufgaben erledigt haben, spätestens bis 16:15 Uhr will sie ihre beiden Kinder von der schulischen Nachmittagsbetreuung abgeholt haben.

„Würde ich Vollzeit arbeiten, so müssten die Kinder länger bleiben, vielleicht bis um 18 Uhr. Das würde den Kindern gar nicht gefallen, lieber kommen sie früher von der Schule nach Hause. Das hat mich in meinen Erwägungen, vielleicht doch Vollzeit zu arbeiten, schon gebremst. Ab ungefähr vier Uhr sind auch fast keine anderen Kinder mehr in der Nachmittagsbetreuung oder Kinderkrippe, die meisten wurden bis dahin von ihren Eltern abgeholt. Holt man seine Kinder als Letzte von allen ab, dann nagen schon Schuldgefühle an einem selbst.“

Ende der klassischen Hausfrau

Die klassische Hausfrau, die ihre Kinder direkt nach der Unterrichtszeit abholt, gibt es so gut wie nicht mehr in Schweden. Um den Spagat zwischen Berufstätigkeit und Erziehung zu meistern, arbeiten vor allem die Frauen hierzulande oft Teilzeit, häufig 75 Prozent. Umfragen zeigen, dass jede dritte erwerbstätige Frau dies vor allem auf Rücksicht auf ihre Familie tut, obwohl sie eigentlich lieber beruflich weiterkommen und dafür Vollzeit arbeiten will. Wegen der negativen Effekte für die Karriere und das Einkommen wird Teilzeitarbeit in Schweden oft auch als die „Frauenfalle“ bezeichnet.

„Teilzeitarbeit und Karriere sind nicht miteinander kompatibel“, so Pais Iglesias. „Hätte ich große Karrierepläne, so würde ich niemals weniger arbeiten. Aus zwei Gründen habe ich die Arbeitszeit runtergefahren. Erstens für meine Kinder. Zweitens für mich selbst. Ich möchte außerhalb der Arbeitszeit die Möglichkeit haben, auch andere Dingen zu tun als nur arbeiten. Ich gehe völlig bewusst und aus eigener Entscheidung in diese `Frauenfalle´.“

Teilzeit nur mit vollbeschätfigtem Ehegatte

Pais Iglesias räumt ein, dass es ohne ihren Vollzeit arbeitenden Mann nur schwerlich möglich sei, weniger als 100 Prozent erwerbstätig zu sein. Pais Iglesias stammt ursprünglich aus Spanien und zog vor etwa zehn Jahren nach Schweden. Die Alternative, Hausfrau zu sein wie so viele ihrer Freundinnen in Spanien, käme für Pais Iglesias nie in Frage in Schweden.

„Nein danke, wirklich nicht! Das wäre einfach zu langweilig für mich, ich würde mich eingeschlossen fühlen. Kontakt zu Kollegen und Arbeit sind wirklich wichtig. Das geht aber eben nur in Schweden, in Spanien könnte ich nie im Leben Teilzeit arbeitende Mutter sein.

Pionierland Schweden

Isabel Pais Iglesias ist eine der zahlreichen jungen Mütter in Schweden, die auf Teilzeitniveau berufstätig sind – ein gesellschaftliches Phänomen, das seine Wurzeln in den umfassenden Reformen der 1970er Jahre hat. Dies erklärt Hanne Martinek im Gespräch mit Radio Schweden. Die deutsche Politikwissenschaftlerin lebt in Schweden und schreibt ihre Doktorarbeit darüber, wie die Familienpolitik in Deutschland und in Schweden aussieht.

Hanne Martinek: Der größte Unterschied ist, dass man in Schweden bereits in den 1970er Jahren das Idealbild hatte, dass sich Mütter und Väter über Erwerbsarbeit unabhängig voneinander selbst versorgen können sollen. In Deutschland ist das noch relativ neu. Dieses Ideal wird eigentlich erst seit 2007 vertreten, als das Elterngeld eingeführt wurde. Davor war noch das Ideal weitgehend vorherrschend, dass der Mann arbeiten geht und die Frau Zuhause mit den Kindern ist oder eine Teilzeitarbeit hat. Das ändert sich gerade in Deutschland, was sich an neuen Sozialleistungen, dem Steuersystem und der Kinderbetreuung zeigt.

Radio Schweden: Gibt es große Unterschiede bei den Mechanismen, mit denen die Familienpolitik in Schweden und in Deutschland ansetzt, oder werden in beiden Ländern ungefähr die gleichen Maßnahmen betrieben?

Die sind sich sehr ähnlich, das war für mich in meiner Forschungsarbeit fast ein bisschen überraschend. Der größte Unterschied ist eigentlich nur, dass die Kinderbetreuung in Deutschland weniger ausgebaut ist. Die Sozialleistungen aber heißen sogar ähnlich und werden auch ähnlich verteilt.

Gibt es auch Bereiche, die in Deutschland besser funktionieren?

Man kann eigentlich sagen, dass in Schweden das Meiste besser funktioniert. Allerdings werden Frauen mit geringerem Einkommen in Deutschland besser gefördert. Zum deutschen Elterngeld gibt es eine Klausel darüber, dass Frauen, die vor der Elternzeit unter 1.000 Euro netto verdient haben, auch 100 Prozent dieses Einkommens als Elterngeld ausgezahlt bekommen. In Schweden ist es schlichtweg so: Je weniger man verdient hat, desto weniger Elterngeld bekommt man auch. In Deutschland wird mehr darauf geachtet, dass ärmere Frauen vom Wohlfahrtsstaat gefördert werden. In Schweden versucht man eher, durch bessere Kinderbetreuung die Vollzeitarbeit zu fördern um zu verhindern, dass Frauen niedrige Einkommen haben.

Gleichzeitig ist es aber so, dass in Schweden eben vor allem Frauen Teilzeit arbeiten. Werden die Unterschiede also doch nicht beseitigt in Schweden trotz der besser ausgebauten Kinderbetreuung?

Wenn man Teilzeit arbeitet, bekommt man in Schweden von vornherein keine Sozialleistungen, weil der Staat Teilzeitarbeit eben nicht unterstützen will. In Deutschland geht es eher darum, dass die vielen Frauen, die ganz zu Hause bleiben, erstmal beginnen können, Teilzeit zu arbeiten. Oder ihre Teilzeit aufstocken von 50 Prozent auf 60-70 Prozent. In Schweden ist der Ausgangspunkt, dass man relativ früh wieder anfangen soll, Vollzeit zu arbeiten. Auf dem Stand ist man in Deutschland nicht. Es ist auch fraglich, in wie weit man da überhaupt hin will. Man sieht es vielleicht gar nicht als wünschenswert an, dass Mütter schnell wieder Vollzeit arbeiten und die Kinder so lange in der Kinderbetreuung sind.

Ein anderer großer Unterschied zu Deutschland ist auch, dass es in Schweden nicht das Ehegattensplitting gibt. Hat das große Auswirkungen auf die Beschäftigung der Frauen?

Das hat wirklich große Auswirkungen. Ich war überrascht darüber, wie groß sie tatsächlich sind, als ich mir das Thema in meiner Forschung näher angesehen habe. Bei Diskussionen darüber, ob die Frauen die Arbeit wieder aufnehmen oder Voll- statt Teilzeit arbeiten sollte, da spricht das Ehegattensplitting ganz klar dagegen. Für eine Frau ist es steuerlich unsinnig, Vollzeit oder überhaupt zu Arbeiten.

Ist das fehlende Ehegattensplitting also ein Hauptgrund dafür, dass die Frauen in Schweden häufiger erwerbstätig sind als in Deutschland?

Ja, das ist ganz klar so.

Sie sind selbst vor Kurzem Mutter geworden. Welchen Herausforderungen stehen Sie gegenüber, wie können sie verhindern, dass Sie keine geschlechtsbedingten Nachteile erfahren werden?

Ja, (lacht), das ist schwer. Mein Mann und ich regeln das so, dass wir beide mit der Arbeitszeit ein bisschen runter gehen. Keiner muss also nur 50 Prozent arbeiten, sondern beide können 80 Prozent arbeiten. So kann man es zumindest ein wenig untereinander aufteilen. Es wird aber deutlich, wie stark sich diese Art der Teilzeitarbeit in Schweden niederschlägt in Sozialleistungen und später auch in der Pension. Das werden wir dann eben beide merken, und nicht nur ich, die Frau.

 

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