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Schwedendemokraten-Anhänger keine Protest-Wähler

Publicerat tisdag 9 december 2014 kl 13.53
"Die Drohungen haben mich schockiert"
(6:43 min)
Eine empirische Studie zeigt: Schwedendemokraten-Wähler sind keine Protestwähler
Soziologe und Segregationsforscher Tim Müller im Gespräch mit Radio-Schweden-Reporterin Liv Heidbüchel (Foto: Sybille Neveling/Sveriges Radio)

Wer die Schwedendemokraten wählt, ist fremdenfeindlicher als andere Wähler. Dies belegt eine soziologische Studie an der Universität Linköping. Demnach gibt es keine empirischen Beweise für die Annahme vieler politischer Beobachter nach dem Erdrutschsieg der Schwedendemokraten bei der letzten Wahl, dass die Schwedendemokraten-Wähler Protestwähler sind. Radio Schweden hat mit dem deutschen Soziologen Tim Müller über die Studie gesprochen und über die Drohungen, die er seit der Veröffentlichung erhalten hat.

Tim Müller: Zwar wird vielfach vorgeschlagen und auch gehofft, dass die Wähler von rechtspopulistischen Parteien Protestwähler seien, aber Studien auch andernorts in Europa belegen, dass die Menschen diese Parteien wegen ihrer Anti-Immigrations-Agenda und auch aus Fremdenangst und -feindlichkeit wählen. Wir haben in unserer Studie nach der sozialen Distanz zu Muslimen, aber auch Menschen mit ausländisch klingenden Namen befragt. Dabei ging es darum, wie positiv oder negativ die Befragten es finden würden, wenn sie so eine Person als Nachbar hätten oder diese die kranken Eltern pflegen würde und zuletzt, wenn eine Person mit ausländischem Hintergrund in die Familie einheiraten würde. 

Unabhängig davon haben wir gefragt, ob Minderheitenrechten zu viel Raum auf Kosten der Mehrheitsbevölkerung gegeben wird. Und wir haben gefragt, ob die Parteien hauptsächlich Lobbyinteressen vertreten und nicht das, was „der kleine Mann auf der Straße“ denkt. Nimmt man die Variablen zusammen, stellt sich heraus, dass ausschlaggebend für das Kreuzchen bei den Schwedendemokraten die Einstellung zu Minderheitenrechten. 

Radio Schweden: In Ihrer Studie sagen Sie, dass die Schwedendemokraten-Wähler eine Gruppe sei, die deutlich von der schwedischen Gesellschaft abweicht. Inwiefern? 

Müller: Guckt man sich die Frage nach den Muslimen an, zeigt die Verteilung: 80-90 Prozent aller anderen Wähler haben kein Problem mit einem muslimischen Nachbarn, immerhin noch 60 Prozent finden es nicht weiter schlimm, wenn ein Muslim in die Familie einheiratet. Bei den Wählern der Schwedendemokraten sieht das anders aus: Da sprechen wir von 40-50 Prozent und bei der Heirat sogar nur von 20 Prozent. 

Radio Schweden: Warum haben Sie sich bei Ihrer Studie auf die Haltung zu Muslimen in Sachen Ausländerfeindlichkeit konzentriert? 

Müller: Ein großer Anteil der Zuwanderer kommt aus Nord- und Ostafrika, aus Syrien oder dem Irak. Eine Untersuchung der Toleranz in der Gesellschaft muss dann auch berücksichtigen, dass viele Immigranten muslimisch ist. Wir bezeichnen die Muslime als universelle Outgroup, das heißt, viele gesellschaftliche Probleme werden nicht nur in rechtspopulistischen Organisationen den Muslimen zugeschrieben. 

Radio Schweden: Kommen wir auf die Drohungen gegen Sie zu sprechen. Sie stellen als Wissenschaftler zunächst einmal neutral und objektiv Ergebnisse dar, dennoch erhalten Sie Drohungen von Menschen aus offensichtlich fremdenfeindlichem Milieu, die Sie auffordern, keine Steuergelder mehr für diese unliebsame Forschung zu verschleudern. Wie gehen Sie damit um? 

Müller: Das hat mich tatsächlich sehr schockiert, weil ich das vorher noch nie erlebt habe. Ich weiß aber von Kollegen, die zum Thema Fremdenfeindlichkeit oder Rechtsradikalismus forschen, dass das dort leider häufiger vorkommt. Das macht mir schon Sorgen, weil wir ja erstmal für jeden überprüfbar diese Methoden dargelegt haben. Die kann auch jeder kritisieren, so ist das im wissenschaftlichen Diskurs. Diese Personen, die hoffentlich versprengte Einzeltäter sind, haben Methoden angewandt, die nicht akzeptabel sind. 

Radio Schweden: Was wurde Ihnen konkret angedroht? 

Müller: Wir wurden zum Beispiel als Parasiten beschimpft und man hat uns gesagt, dass man uns ja auch mal einen Besuch abstatten könnte. Mir als Deutschem wurde nahegelegt, das Land zu verlassen. Andere haben einfach gefragt, wer uns denn bezahlen würde und wieder andere wollten wissen, warum wir die Schwedendemokraten-Wähler denn so hassen. Denen musste ich erstmal sagen, dass wir niemanden hassen, sondern dass wir diejenigen sind, die Hass-Mails bekommen haben. 

Radio Schweden: Sehen Sie irgendwelche Tendenzen für die Neuwahlen am 22. März? Werden die Schwedendemokraten noch mehr Zuspruch erfahren?

Müller: Wir vermuten, dass sich der Zuspruch wahrscheinlich nicht verringern wird.

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