Du måste aktivera javascript för att sverigesradio.se ska fungera korrekt och för att kunna lyssna på ljud. Har du problem med vår sajt så finns hjälp på https://kundo.se/org/sverigesradio/
Reportage

Deutscher Nobelpreisträger begeistert Schüler

Publicerat onsdag 10 december 2014 kl 13.06
"Chemie habe ich in der Oberstufe abgewählt"
(7:11 min)
Am Mittwoch wird Stefan Hell in Stockholm der Nobelpreis in Chemie verliehen (Foto: TT)
1 av 3
Am Mittwoch wird Stefan Hell in Stockholm der Nobelpreis in Chemie verliehen (Foto: TT)
Emblem der Deutschen Schule in Stockholm (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)
2 av 3
So gut wie alle deutschen Nobelpreisträger haben der Deutschen Schule in Stockholm einen Besuch abgestattet (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)
Auto der Nobelstiftung (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)
3 av 3
Wie alle Nobelpreisträger wird auch Stefan Hell mit einem Wagen der Nobelstiftung durch Stockholm gefahren (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)

Nobelpreisträger sind in dieser Woche in Stockholm äußerst gefragt. Je nach Fachrichtung und Nationalität absolvieren die Preisträger Botschaftsbesuche, Empfänge bei der schwedischen Prominenz und Vorträge an Universitäten, bevor sie dann am Mittwochabend die höchste aller Auszeichnungen in Empfang nehmen.

Eine Tradition der besonderen Art findet an der Deutschen Schule in Stockholm statt, wenn es zur Begegnung zwischen Schülern und Nobelpreisträgern aus Deutschland kommt. Der diesjährige Chemie-Nobelpreisträger Stefan Hell gewährte dabei einige enthüllende Einblicke in seine eigene Schulzeit.  

Applaus brandet auf, als Nobelpreisträger Stefan Hell die Aula der Deutschen Schule in Stockholm betritt. Knapp 300 Schüler der Klassenstufen 8 bis 12 bereiten dem Ausnahmewissenschaftler vom Max-Planck-Institut in Göttingen einen warmen Empfang.

Seit vielen Jahrzehnten schon statten deutsche Preisträger den deutsch-schwedischen Schülern in Stockholm einen Besuch ab, und bis auf einen waren sie auch alle hier – von Günter Grass bis Thomas Südhof im vergangenen Jahr. Nur Herta Müller war damals aus gesundheitlichen Gründen ferngeblieben.

„Es ist sehr wichtig, dass Schüler mit Nobelpreisträgern in Berührung kommen damit sie sehen, dass wir auch ganz normale Menschen sind, die eine ganz normale Schulzeit hinter sich haben. Aber auch um zu zeigen, dass es Teil des Erfolgs ist, wenn man in der Schule gut ist“, sagte Stefan Hell gegenüber Radio Schweden.  

Spitzenforscher mit Herz

Nicht viele Spitzenforscher verfügen neben ihrem Wissenschaftstalent auch über die Gabe, junge Menschen inspirieren zu können. Stefan Hell, der selbst seine beiden Kinder mit zur Nobelwoche in Stockholm gebracht hat, bildet hier eindeutig eine Ausnahme. Seine eigene Schulzeit ist ihm lebhaft in Erinnerung geblieben. Damals war es sein engagierter Physiklehrer, der ihm auf den richtigen beruflichen Pfad verholfen hat, wie Hell während seines Vortrags den Schülern erzählt.

Ganz ohne wissenschaftliche Details geht es aber nicht, wenn ein Chemie-Nobelpreisträger von seinem Leben erzählen soll. So manchem Achtklässler fällt es sichtlich schwer, allen Ausführungen über die Vorgänge der Lichtmikroskopie mit voller Aufmerksamkeit folgen zu können. Umso mehr Begeisterung löst der Preisträger aus mit seinen Erzählungen über die eigene Schulzeit. Für viel Belustigung sorgt die Anekdote, dass er – der Chemie-Nobelpreisträger  – das Fach Chemie in der Oberstufe abgewählt hat.   

Ein guter und engagierter Schüler war er, betont Hell. Keineswegs aber war er der typische „Nerd“, wie er sagt, der nur Zuhause sitzt, bastelt und von Jugend Forscht träumt.

Enthüllungen aus der Schulzeit

Für die deutsch-schwedischen Schüler in der Aula ist vor allem der Mensch Stefan Hell interessant. Dies zeigt sich deutlich in der anschließenden Fragerunde nach dem Vortrag. Wie sieht Ihr Alltag aus? Wie fühlten Sie sich, als sie von der Preisvergabe hörten? Wie hat sich Ihr Leben mit dem Preis verändert?  

Die Fragen der Schüler unterscheiden sich deutlich von denen der anwesenden Lehrerschaft, die eher auf die fachliche Seite Hells abzielen. Allerdings nicht immer mit dem gewünschten Ergebnis, wie eine Englischlehrerin erfahren muss. Auf ihre Frage, wie wichtig Englisch für Professor Hells Arbeit ist, antwortet er: „Ich hatte bis heute keinen einzigen Unterrichtstag in Englisch. Und dies, obwohl die meisten Vorträge auf Englisch gehalten werden und auch die Arbeitssprache im Labor Englisch ist.“

In Sachen Englisch kann Hell mit einer weiteren Enthüllung aufwarten. Ohne Englischkenntnisse ließ sich damals am Ende seines Studiums so gut wie keine Abschlussarbeit schreiben, da alle Veröffentlichungen auf Englisch gemacht werden mussten. „Da habe ich mir einen Bereich ausgesucht, in dem ich das Englische nicht brauchte. Und das ist wirklich Fakt jetzt: Das war die Lichtmikroskopie.“

Schüler interessiert der Mensch Stefan Hell

Mit seiner offenen und freundlichen Art hat Stefan Hell die Schüler schnell auf seine Seite gezogen. Dies bestätigen die Schüler, mit denen Radio Schweden nach dem Treffen sprach. „Seine Einstellung zum Nobelpreis fand ich wichtig. Er hat sich selber nicht als große Person dargestellt, sondern eher als einer von vielen Forschern“, so Bartolomeus Häußling Löwgren, der die 12. Klasse besucht. „Ich fand es sehr interessant, dass er ohne all die Dinge, die er früher erlebt hat, nicht hier stehen könnte. Dass er sich seinen Weg nicht nur selbst ausgesucht hat, sondern dass es ihm eher zugefallen ist“, sagt Helena Braunschweig aus der 11B.

Deutscher Forschungsbotschafter

Nobelpreisträger aus Deutschland gibt es einige – kaum einer von ihnen arbeitet und lebt aber auch in Deutschland so wie Stefan Hell. Die Wissenschaftskoryphäe  aus Göttingen wird damit auch zu einer Art Botschafter für die deutsche Forschung. „Ich sehe mich in erster Linie als Repräsentant der Forschung allgemein. Aber es ist Fakt, dass ich in Deutschland lebe und arbeite. An meinem Beispiel kann man sehen, dass man in Deutschland hervorragende Forschung machen kann.“

Für die Schüler, mit denen Radio Schweden sprach, ist es jedoch nicht von größter Bedeutung, dass Hell ein Forscher aus Deutschland ist. Wie etwa die 12-Klässlerin Mia Bendix sagt: „Dass er aus Deutschland kommt macht, dass ich ihn überhaupt treffen kann. Aber für mich persönlich  spielt es keine große Rolle, eigentlich ist es mir egal.“

Vielseitige Herkunft

Umso spannender ist es für viele Schüler, dass sie mit dem Chemie-Nobelpreisträger eine facettenreiche Herkunft gemein haben. Erst im Alter von 15 Jahren war Hell mit seiner Familie aus Rumänien in die Bundesrepublik übergesiedelt. Die Schülerin Helena Braunschweig erkennt dabei Parallelen: „Wir alle hier sind mit mindestens zwei Sprachen aufgewachsen. Wir haben extrem viele Nationalitäten hier an der Schule.“ Ihr Klassenkamerad Johannes Reiter stimmt zu: „An der Deutschen Schule sprechen wir einen Mischmasch aus Deutsch und Schwedisch. Wir haben Englisch, Französisch, manche auch noch Latein. Da war es besonders interessant, dass er uns von seinem sprachlichen Background erzählt hat.“

Was kann ein Nobelpreisträger bewirken? 

Das Treffen mit dem Nobelpreisträger am Dienstag in Stockholm neigt sich dem Ende zu. Die Schüler kehren in ihre Klassen zurück, Stefan Hell steigt in die Limousine von der Nobel Stiftung und macht sich auf zu seinem nächsten Termin. Die Begegnung mit dem prominenten Forscher wird an den Schülern nicht spurlos vorbeiziehen – dessen ist sich der Leiter der Deutschen Schule, Gerhard Eikenbusch, sicher:

„Ein Nobelpreisträger kann nicht ein Wunder auslösen. Er bringt keine Erleuchtung, mit der sich dann ein Leben ändert. Ich selbst hatte aber beispielsweise drei Schüler, die naturwissenschaftlich interessiert waren. Die hat ein Nobelpreisträger, indem er mit ihnen persönlich gesprochen hat, ganz wesentlich bestärkt.  Die drei sind später in die Naturwissenschaften gegangen und sind dort auch schon sehr weit gekommen.“

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Har du frågor eller förslag gällande våra webbtjänster?

Kontakta gärna Sveriges Radios supportforum där vi besvarar dina frågor vardagar kl. 9-17.

Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min Lista".