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Flugsicherheit

„Ganz und gar gefährlich“

Publicerat måndag 15 december 2014 kl 14.27
„Gefährlich und absolut unangemessen, und dagegen protestieren wir“
(4:48 min)
Peter Hultqvist, försvarsminister. Foto: Ensi Ukkola/Sveriges Radio
Peter Hultqvist, Schwedens Verteidigungsminister (Foto: Ensi Ukkola/Sveriges Radio)

Am Freitag entging eine Passagiermaschine mit 134 Fluggästen an Bord über der Ostsee nur knapp einer Flugzeugkollision, als ihr südlich von Malmö ein russisches Militärflugzeug gefährlich nahe kam. Die Empörung über das russische Militärgebaren ist geharnischt, der Botschafter wurde einberufen.

Der Zwischenfall wurde von der Fluggesellschaft SAS bestätigt, aber man will es nicht dramatisieren: Zwar soll der russische Militärjet bis auf 900 Meter nah an die Passagiermaschine herangekommen sein, doch zu keinem Zeitpunkt sei die Gefahr akut gewesen, Pilot und Fluglotsen hätten jederzeit alles unter Kontrolle gehabt.

Doch das geschah nur mithilfe der schwedischen Luftwaffe, denn diese hatte bereits am frühen Freitagnachmittag den russischen Aufklärer auf dem Radar. Dieser hatte seinen Transponder ausgeschaltet, war also im zivilen Luftsicherungssystem unsichtbar. Die militärische Luftüberwachung verfolgte unterdessen den russischen Jet, und als sich die zivile Passagiermaschine auf dem Weg von Dänemark nach Polen plötzlich auf Kollisionskurs befand, kam die Warnung durch das Militär.

 Verteidigungsminister: „Das ist ganz und gar gefährlich.“

Die erste Reaktion aus Schweden von Verteidigungsminister Peter Hultqvist fasst zusammen: „Ohne eingeschalteten Transponder zu fliegen, das bedeutet, dass man das Flugzeug und die Position nicht identifizieren kann. Das ist ganz und gar gefährlich.“

Experten vermuten, dass durch die russischen Aufklärungsflüge nicht nur militärische Präsenz bewiesen, sondern auch getestet werden soll, wie es um die Flugabwehrbereitschaft bestellt ist. Für Verteidigungsminister Hultqvist ist das geradezu provozierend: „Dies geschieht häufig und das ist auch das Gefährliche dabei. Ich finde nicht, dass dieses Gebaren gut ist. Wir beobachten verstärkte Manöveraktivitäten und auch nachrichtendienstliche Aktionen im Ostseeraum. Ich finde es besonders herausfordernd, dass man in diesem verkehrsdichten Gebiet bei Kastrup im internationalen Luftraum ohne Transponder fliegt, die Gefahr für ein Unglück ist dadurch groß.“

Von primären und sekundären Radaren

Warum diese Gefahr ernst zu nehmen ist, erklärt Per Fröberg vom Zentralamt für Zivilluftfahrt: „Wir benutzen den sogenannten Sekundärradar, und dieser erfasst nur Flugzeuge mit einem Transponder. Früher haben wir auch den Primärradar genutzt, der alle Flugobjekte erfasst – auch die ohne Transponder. Das macht heute aber nur noch das Militär.“

Die Flugsicherung kam bisher gut ohne Primärradar aus, in Deutschland nutzt die Flugsicherung allerdings den Primärradar weiterhin. Weil man eine verstärkte Flugaktivität ohne Transponder verzeichnet, will Schweden dieses System jetzt zurück. Dies könnte auch sinnvoll sein, weil im internationalen Luftraum keine Transponderpflicht  besteht. Fröberg betont: „Es ist nach internationalem Flugrecht erlaubt, den Transponder über internationalem Gebiet auszuschalten.“

Beinahekollision bereits im Frühjahr

Einen ähnlichen Vorfall hatte es bereits im März diesen Jahres gegeben, als über Dänemark eine SAS-Maschine beinahe mit einem russischen Kampfjet kollidierte, auch dieser ohne Transponder. Deshalb wird nun die Wiedereinführung des Primärradars geprüft, auch wenn dies mit erheblichen Kosten und der Zustimmung des schwedischen Militärs verbunden ist.

Botschafter einbestellt

Während man sich beim Luftfahrtsamt um diese praktischen Seiten Gedanken macht, reagiert die Politik auch auf  diplomatischer Ebene. Schweden und Dänemark bestellten den jeweiligen Botschafter ein, wie Außenministerin Margot Wallström in Brüssel bestätigte. Sie will deutlich machen, dass Schweden dieses Verhalten für unangebracht hält und entsprechende Proteste vorbringen: „Wir finden dies gefährlich und absolut  unangemessen, und dagegen protestieren wir.“

 Auch der dänische Außenminister Martin Lidegaard erklärte, dass es „völlig unangemessen“ sei, auf eine solche Weise Leben von Zivilpersonen aufs Spiel zu setzen.

Vorher hatte das russische Verteidigungsministerium eine Gefährdung durch russische Flieger kategorisch verneint. Der Abstand sei 70 Kilometer gewesen (statt 900 Meter, wie von SAS berichtet).

Auch andere schalten den Transponder ab

Außenministerin Wallström wies bei allem Protest dann allerdings auch noch darauf hin, dass das Problem komplexer sein könnte als es bisher scheint, denn nicht nur die Russen schalten gelegentlich den Transponder ab: „Es ist leider nicht ungewöhnlich. Auch schwedische Flugzeuge sind schon ohne Transponder geflogen, und Flugzeuge der NATO tun dies auch. Das Problem ist also größer und das müssen wir jetzt mal genauer untersuchen“.

Michael Harmann

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